Dass die ARD vor dem Mimimi der Rechten einknickt ist lächerlich

Kolumne Schwer verpetzt

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Euer Ernst?

Wie wir letzte Woche berichtet haben, gab es vorletzten Sonntag eine „Polizeiruf 110“-Folge, in der die fiktive (!) Figur Katrin König „Refugees Welcome“, „Nazi verpiss dich“ und eine Regenbogenflagge als Requisiten im Hintergrund ihres fiktiven Büros hatte. Besonders viel Aufsehen erregten ein Antifa-Sticker, sowie einer mit „FCKAFD“. Genau die ist darüber eskaliert.

Für Anhänger einer Partei, die doch angeblich gar keine Öffentlich-Rechtlichen sehen, gab das viel Lärm um Nichts. Die Partei, die sich immer damit verteidigt, dass ihre Aussagen missverstanden werden oder aus dem Kontext gerissen werden, beschwert sich jetzt, dass eine fiktive Figur in einer deutschen Polizeiserie im Hintergrund einen „FCKAFD“ Sticker hängen hat. Wow. Eindeutig Propaganda!



Ard gibt nach

Schaltet mal nen Gang runter. Das ist eine fiktive Figur in einer deutschen Sonntagabendserie. Und es sind Sticker im Hintergrund, die für 3 Sekunden in einer 1,5h langen Folge zu sehen sind. Da gleich Vergleiche zur DDR-Diktatur zu Ziehen ist wahnwitzig. Gibt es keine Menschen in Deutschland mit solchen Einstellungen? Ich glaube es gibt mehr Leute, die „Refugees Welcome“ vertreten, als AfD wählen. Zumindest gibt es noch heute 15,5 Millionen Menschen, die Schutzsuchenden helfen – 3 mal mehr als es AfD-WählerInnen gibt.

Ein paar Sticker einer Figur für ein paar Sekunden im Hintergrund sind weder plump, noch entspricht das einer unrealistischen Haltung eines Menschen. Wenn vielleicht für eine Polizistin. Aber das ist immer noch eine fiktive Serie. Wenn ein paar Nazi-Skinheads gezeigt werden, ist das dann nach der gleichen Logik krasse rechtsextreme Propaganda? Doch das schlimmste ist, dass die ARD jetzt nachgegeben hat und die Sticker nachträglich in der Mediathek wegretuschierte.Was ist das jetzt für eine Lektion für die Rechten?

Rechte werden für ihr übertriebenes Mimimi belohnt

Erstens: Es gibt keine „die Antifa“, das ist auch keine „linksextreme“ Organisation. Das ist gar keine Organisation. Das ist ein sehr breiter Oberbegriff für Menschen und Gruppen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren. Auch das Grundgesetz ist „Antifa“. Ein Antifa-Sticker ist also kein Bekenntnis zu „Linksextremismus“ oder so ein Quatsch. Auch ist Feine Sahne Fischfilet nicht „linksextrem“ (Was soll das überhaupt sein?).

Faktencheck eines rechten Mythos: Ist „Feine Sahne Fischfilet“ linksextrem?

Zweitens: Selbst wenn man der Meinung ist, dass der „FCKAFD“-Sticker zu viel wäre (Was ich durchaus verstehen kann, ich hätte den wahrscheinlich selbst nicht hingeklebt), so ist das Nachgeben doch genau das falsche Signal. Es zeigt: Wenn die Rechten sich noch nur so künstlich aufregen, kriegen sie, was sie wollen. Und es zeigt ihnen, dass sie mit ihren viel zu übertriebenen „Propaganda-Vorwürfen“ wohl Recht gehabt haben müssen.

Das war definitiv KEINE Propaganda. Das ist eine Polizeiserie und das sind normale Sticker, die drei Sekunden im Hintergrund zu sehen waren. Die meisten hätten das gar nicht bemerkt, wenn die Rechten nicht mit dem Streisand-Effekt gekommen wären. Aber jetzt gilt es offiziell als „Propaganda“ – und jetzt haben wir plötzlich eine „Legitimation“ der lächerlichen „Lügenpresse“-Vorwürfe. Also kriegen sie nicht nur, was sie wollen, sie können sich auch gleichzeitig als Opfer fühlen. Das habt ihr ja gut gemacht. In Geschichte nicht aufgepasst? Wer Rechtsextremen den kleinen Finger gibt, verliert die ganze Hand. 

Und es ist ja nicht so, als laufen auf AfD-Ständen nicht Leute mit „HKNKRZ-T-Shirts“ herum…

Artikelbild: Screenshot daserste.de

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