Nicht einmal Fridays For Hubraum möchte etwas mit der AfD zu tun haben

Kolumne Schwer verpetzt

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fliegen hetzer jetzt heraus?

Hallo, hier ist wieder eure liebste „antideutsche, linksextreme Seite“, wie wir laut BILD heute netterweise von einigen genannt wurden! Ja, genau diejenigen, die den „Hetzartikel“ gegen Fridays For Hubraum verfasst haben, als wir darauf hinwiesen, dass Rechtsextreme die Gruppe unterwandert haben und viele strafrechtlich relevante Hass-Kommentare verfasst haben.

Widerlich: So vulgär, extrem und rechts sind „Fridays For Hubraum“

Wir lagen natürlich total falsch mit dem Bericht, denn ich habe mehrere Drohungen und Nachrichten von besorgten Autofahrern bekommen, die den Artikel gar nicht gelesen haben. Dann stimmt es wohl nicht, dass aggressive Hetzer in der Gruppe sind. Ganz offensichtlich.

Und der beste Beweis, dass wir Unrecht hatten, ist natürlich, dass die Gruppe Fridays For Hubraum gestern von ihren Admins archiviert wurde, weil sie von Rechtsextremen unterwandert wurden. Dann hatten wir ganz offensichtlich Unrecht. Das ist kein Sarkasmus, das ist eine ernst gemeinte Argumentation, die mir um die Ohren geworfen wurde. Aber kommen wir zum Thema.



Fridays For Hubraum distanziert sich von der AfD

In einem Video-Statement hat sich der Gründer der Gruppe Fridays For Hubraum an seine Community gewandt, der ganz offensichtlich mit dem Ansturm etwas überfordert war. Eine Interview-Anfrage von uns blieb unbeantwortet. „So geht das nicht“, sagte der Gruppengründer unter anderem über Morddrohungen und „rechtes Gedankengut“, welches auch wir angeprangert hatten. Er verurteilte die Hassentladung auf Greta Thunberg und „rechte Hetze“. Unsere Kollegen von DieInsider hatten das ja dokumentiert:

Im Video sagte er über die AfD, dass er es schlimm findet, dass die AfD meint, Fridays For Hubraum für ihre Zwecke zu missbrauchen. Er beklagte, dass sie dadurch irgendwie in die Ecke der AfD gedrängt werden, und sie haben „keinen Bock“ darauf, weil sie nicht ihrer Meinung sei. Vermutlich ist damit Rassismus und Klimawandelleugnung gemeint.

Was die Gruppe aber gegen die Hetze der AfD unternimmt? Eigentlich nicht wirklich etwas. Sie bittet im Wesentlichen darum, dass die „Radikalen“ in der Gruppe doch bitte ignoriert werden sollen, denn schließlich „gehen die von alleine.“ So löblich das ist, dass sich Fridays For Hubraum darum bemüht, sich von Rechtsextremisten und unsachlicher Hetze zu distanzieren, so naiv scheinen sie zu sein, wie groß das Problem ist.

So sehr ist die gruppe von der afd unterwandert

Die AfD versucht mit aller Gewalt, die Gruppe Fridays For Hubraum an sich zu reißen und zu instrumentalisieren. Die AfD leugnet aktiv den menschengemachten Klimawandel und verbreitet regelmäßig Lügen darüber, wie wir bereits öfter berichtet haben. Eine Gruppe, die sich über „Fridays For Future“ lustig machen will, kommt ihr da sehr gelegen. Die AfD hat mehrere Werbeanzeigen geschaltet, um ihre Anhänger darauf aufmerksam zu machen:

Die AfD schaltet bezahlte Werbung für die Gruppe
Sprecher der AfD-Landesgruppe Sachsen-Anhalt im Bundestag bewirbt es auch

DieInsider haben auch eine ganze Reihe an Beiträgen in AfD-Gruppen gefunden, die dazu aufrufen, die Gruppe zu unterwandern:

Und eine ganze Reihe AfD-Politiker sind Mitglieder in der Gruppe:

Auch bekannte Rechtsextreme wie Lutz Bachmann sind unter den Mitgliedern der Gruppe. Von den zehntausenden normalen AfD-Anhängern einmal abgesehen. Wir haben nachgezählt: 20% aller Bundestagsabgeordneten der AfD sind in der Gruppe. Dabei nicht nur „harmlose“ Mitglieder, sondern führende Köpfe des teilweise vom Verfassungsschutz beobachteten Flügels der AfD. Wenn die Gruppe wirklich gegen deren Einfluss und Vereinnahmung vorgehen wollen würde, müsste sie eine ganze Menge an Hetzern hinauswerfen. Bei der schieren Menge an Personen ein aussichtsloses Verfahren.

Das grundlegende Problem mit Fridays For Hubraum

Nein, die Fridays For Hubraum sind keine „Nazis“ (Wir haben das Wort nie erwähnt!), und auch nicht einmal alle Klimawandelleugner. Aber sie haben ihre Gruppe quasi bereits an genau diese verloren, trotz jeglicher eigener Ansprüche. Wenn sie es ernst meinen mit ihrer Distanzierung von der AfD, dann sollen sie das auch deutlich kommunizieren und diese hinauswerfen. So wirkt es nur halbherzig, um von deren Mitgliederzahlen zu profitieren, aber nichts mit der Hetze in der eigenen Gruppe zu tun haben müssen.

Nein, die Gruppe, die sich über Greta Thunberg und Co „lustig“ machen will, weil sie mit deren vermeintlichen Klimaforderungen nicht einverstanden sind, hat ein anderes Problem. Sie möchten keine „Verbote“ und keine CO2-Steuer, sondern lieber „Bäume pflanzen“. Unsere Frage an die Gruppe ist: Wo gedenken sie die circa neun Milliarden Bäume zu pflanzen, um den jährlichen CO2 Ausstoß des deutschen Autoverkehr zu kompensieren? Wie stehen sie zu den Pariser Klimazielen?

Denn, Überraschung: Fridays For Future möchten lediglich, dass diese eingehalten werden. Verbote werden offiziell keine gefordert, sondern ein Ende für klimaschädliche Subventionen und eine CO2-Steuer. Denn was ist die Alternative? Wie gesagt, Bäume pflanzen alleine reicht nicht. Mit einigen anderen Missverständnissen über die Klimakrise der Gruppe haben wir gestern hier aufgeräumt:

Natürlich ist FFF größer: 4 Fakten gegen FridaysForHubraum

Fazit

Nein, die Fridays For Hubraum-Gruppe ist nicht die „neue Gegenbewegung“, die die AfD gerne hätte. Aber sie wehrt sich abseits von verbalen Distanzierungen auch nicht großartig, von dieser vereinnahmt zu werden. Das wollen wir definitiv lobend erwähnen, aber effektiv ist die derzeitige Strategie der Admins auf gar keinen Fall. Schmeißt die AfDler alle raus, wenn ihr es mit eurer Distanzierung ernst meint! Denn wer in Fridays For Future, die das Klima retten wollen, eine größere Bedrohung sieht, als in Faschisten, die unsere Demokratie aushöhlen wollen, der sollte an seinen Prioritäten arbeiten.

Wir würden uns gern über einen sachlichen Austausch mit der Gruppe freuen und eine Beantwortung unserer Fragen, unser Interview-Angebot steht noch. Wir würden uns freuen, endlich einmal in der Sache über die Klimakrise zu diskutieren. Denn Mordaufrufe und Fake-Bilder über Greta Thunberg sind keine „Kritik“. Lasst uns friedlich, sachlich und freundlich darüber reden, ob eine CO2-Steuer der beste Weg ist oder nicht. Wir bleiben weiter sachlich an der Gruppe dran. Aber lasst die Trolle der AfD dabei draußen.

Artikelbild: Screenshot facebook.com

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