Wer ein Problem mit “Nazis raus!” hat, hat in unserem Deutschland nichts verloren

| 8. Januar 2019

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Nazis raus!

Seit Tagen wird die ZDF-Journalistin Nicole Diekman mit Hass im Netz überzogen. Natürlich von Nazis, wem sonst, außer der modernen, digitalen Version der SA? Was hat sie “angestellt”? Sie hat eine demokratische Selbstverständlichkeit getwittert.



Oh nein, sie ist gegen Faschismus, sie ist eine extremistin

Es ist lächerlich und absurd, dass so eine Aussage überhaupt irgendeine Aufregung erzeugt hat. Leute, das ist KONSENS. Das steht (mit ein wenig anderen Worten) so in unserem Grundgesetz! Es ist eine Variante von “Nie wieder Faschismus” und eine direkte Reaktion auf das bei eben jenen Neonazis beliebten “Ausländer raus”. (Und das ist ok, oder wie?) Oder weniger offensichtlich faschistischen Forderungen.

Es ist ein Bekenntnis zu unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung, zu unserem Grundgesetz, zur Freiheit und zu Menschenrechten. Durch die Ablehnung von allen denjenigen, die dieses Deutschland hassen. Wer ein Problem damit hat, hat ganz offensichtlich erstens ein Problem mit der Meinungsfreiheit und zweitens kein Problem mit Faschismus.

Wer fühlt sich davon angegriffen, außer ein Nazi?

Jemand, der sich über “Nazis raus” empört, kann nichts anderes sein als ein Nazi. Und kommt mir nicht mit dem Vorwurf, ich würde hier nicht differenzieren. Der Nationalsozialismus war mitunter das schlimmste, was Deutschland und ganz Europa passiert ist und wer auch nur in irgendeiner Weise das in Schutz nimmt, hat in unserem Diskurs nichts verloren. Um Popper zu paraphrasieren: Wir müssen im Namen der Toleranz die Intoleranz nicht tolerieren.

Dass eine Journalistin, oder egal wer, so viel Hass für so eine selbstverständliche Aussage erhält, zeigt zum einen eine krasse Diskursverschiebung nach rechts. Die AfD hat es geschafft, dass Selbstverständlichkeiten zu politischen Diskussionen führen können. Dass ein Statement gegen Nazis, die unser Land in Schutt und Asche gelegt haben und Millionen Menschen umgebracht werden, plötzlich irgendwie etwas schlechtes sein soll.

Und zum anderen zeigt es, wie sehr Rechtsextreme Social Media beherrschen. Oder es zumindest wollen. Durch Trollarmeen, Bots, geschützt durch Anonymität und den quasi rechtsfreien Räumen der Social Media Plattformen reißen sie alle Diskurse an sich und verdrängen alle anderen aus der Öffentlichkeit. Mit einer kleinen Minderheit suggerieren sie viel größere Macht und spielen solange ein Theater, bis genug Leute ihre Lügen für real halten, damit sie echte Macht gewinnen.

Nazis raus aus den sozialen Medien

Was bedeutet das für uns? Ich empfehle Nazis zu blocken, stummzuschalten und zu ignorieren. Gebt ihnen keine Plattform, keine Aufmerksamkeit, keine Macht. Denn es ist jämmerliche, erbärmliche Loser, die sich einmal stark fühlen können, wenn sie einer Journalistin auf Twitter eine Vergewaltigung wünschen können. Nehmt die Gefahr ernst, die sie darstellen, aber nicht sie selbst. Verbannt sie aus den Diskursen. Nazis raus (aus den sozialen Medien)! Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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