Oder soll man es lassen? (So einen Journalismus)

Kolumne Schwer verpetzt

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Die ZEIT wollte „objektiven“ Journalismus machen und beide Seiten der Debatte beleuchten.

Die „ZEIT“ hat unter der Überschrift „Oder soll man es lassen?“ ein Pro und Kontra diskutiert, ob Seenotrettung im Mittelmeer richtig sei. Je nachdem, wie verwirrt man in dieser derzeitigen „Debatte“ ist, hört man vielleicht zunächst den Versuch, objektiv und neutral beide Seiten zu beleuchten – Wie es in gutem Journalismus üblich ist. Falls man sich noch nicht von rechten Narrativen einlullen hat lassen, stellt man fest, dass hier eine der größten deutschen Tageszeitungen sich ernsthaft die Frage stellt, ob man Menschen absichtlich sterben lässt.

Die ZEIT ist hier einem logischen Fehlschluss aufgesessen – Richtig ist nicht automatisch das, was der Mittelpunkt zwischen zwei extremen Positionen ist. Oder neutral ist nicht automatisch derjenige, der „beide Seiten“ kritisch beleuchtet. Die ZEIT wurde von den Rechtsextremen, die die öffentliche Debatte gekapert haben manipuliert, indem sie ihre menschenfeindliche und demokratisch nicht vertretbare Position als legitimen Standpunkt inszeniert hat, wodurch Medien wie die ZEIT glauben, diese ernst nehmen zu müssen.



Menschen sterben lassen ist keine Option

Positionen, die sich aufgrund ihrer Menschenfeindlichkeit verbieten werden zu ernst zunehmenden Standpunkten erhoben. Anstatt neutral zu bleiben, hat sich die ZEIT damit zum Helfershelfer rechtsextremer Ideologie gemacht und dazu beigetragen, dass sich diese in die Köpfe der Deutschen fressen kann. Wenn eine Seite 100 Menschen umbringen möchte und die andere niemanden, dann ist der richtige Weg nicht, 50 Menschen umzubringen.

Diese Schwäche des Journalismus wird sich oft zu Nutze gemacht: In den USA führt das dazu, dass der Standpunkt, der Klimawandel sei eine Lüge, genau so viel Aufmerksamkeit bekommt, wie die Tatsache, dass es den Klimawandel gibt, was auch 97% aller Experten weltweit wissen. Das Problem hier ist, dass versucht wird, eine „Debatte“ auszubalancieren, die eben nicht ausbalanciert ist. Wer die menschenfeindliche Position künstlich durch solche Artikel zur gleichwertig diskutabel erhebt, der hilft eindeutig der einen Seite. Und zwar ausgerechnet der, die Menschenrechte in Frage stellt.

Es ist keine „Ansichtssache“; ob man Menschen, die in Not sind, helfen muss oder nicht. Man muss. Punkt. Darüber gibt es nichts zu diskutieren. Das ist Recht und Gesetz. Journalismus soll Unrecht anprangern. Und nicht versuchen, die Pro-Seite herauszuarbeiten. Das ist zynisch. Hier geht es um Menschenleben. Es gibt einen demokratischen Konsens. Und wir dürfen diesen nicht von Rechtsextremen Narrativen und Ideologien erodieren lassen. Und darin hat die ZEIT als Medium versagt.

Menschen Retten ist kein Verbrechen! – Die Wahrheit über Seenotrettung

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% S Kommentare
  1. Reen sagt

    Offensichtlich hat der Autor den betreffenden Artikel nicht gelesen, dort steht nämlich:“Wer in Not ist, muss gerettet werden, das schreibt das Recht vor und die Humanität.“

  2. Steve sagt

    Ich denke, der Autor hat den Artikel sehr wohl gelesen.

    Soll man wirklich Menschen sehenden Auges sterben lassen, nur um ja keine Kriminellen (die Schlepper) über Ecken / indirekt zu unterstützen?

    Und Demokratie ist schon was tolles (ich weiß, es gibt nichts besseres): Nur um unsere Demokratie zu wahren lassen Demokratien anderswo Menschen sterben weil sonst in diesen Demokratien die Undemokraten die Oberhand gewinnen.

    Das ist eine wahrlich traurige Welt.

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