Deutschland rettet 47 Kinder: Abrechnung mit der rechten Pseudo-Diskussion

| Social Media | 18. April 2020

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Abrechnung mit der rechten Pseudo-Diskussion

Heute in den Twitter-Trends: #Flüchtlinge. Und passend dazu auch: #Nazis. Denn letztere versuchten heute wieder, die Deutungshoheit über ein bestimmtes Ereignis zu erlangen, so wie sie es immer tun: Mit Hass, Hetze, Lügen und Rassismus. Eine schöne Abwechslung, während man während der Corona-Pandemie seine braunen Felle davon schwimmen sieht, schätze ich. In den Kommentarspalten und in den „DruKos“ kamen die gleichen Hetz-Bildchen, die gleichen Kommentare, ihr habt sie sicher gesehen. Schauen wir uns erst einmal die Realität an: Deutschland hat heute 47 Kinder gerettet.

Heute landete in Hannover ein Flieger mit 47 Kindern und Jugendlichen, die aus den überfüllten Flüchtlingslagern der griechischen Inseln Chios, Samos und Lesbos gerettet wurden. Es handelt sich um 47 Kinder, die auf der Flucht von Eltern oder Geschwistern getrennt wurden und sich alleine bis Griechenland durchschlagen konnten. Nach Angaben der EU sind sie zwischen acht und 17 Jahre alt die meisten wohl zwischen zwölf und 14, fünf Jugendliche sind darunter.

Die Bundesregierung wollte vor allem Mädchen und Kinder unter 14 Jahren retten, weil diese besonders gefährdet sind, doch da die meisten unbegleiteten Minderjährigen Jungen sind, setzte sich die Gruppe entsprechenderweise zum großen Teil auch aus Jungen zusammen. Das liegt vor allem daran, dass tendenziell die Jungen oft alleine los geschickt werden: Sie haben die besseren Überlebenschancen (deswegen sterben mehr Mädchen und kommen natürlich nicht mehr an) und speziell ihnen droht z. B. Militärdienst. Die 47 Kinder sind vor allem aus dem Iran und aus Pakistan sowie Syrien und dem Irak. In den völlig überfüllten Lagern mit schwierigsten Hygiene-Bedingungen befinden sich noch circa 14.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (Quelle, Quelle).

Ist das ein Problem? Nur für Rechtsextreme

Viele haben gar nicht gemerkt, wie schnell Rechtsextreme in den Social Media-Diskussionen mit Hetz-Bildern und Lügen den Diskurs verschoben haben. Wir diskutieren nicht einmal mehr, ob man 40.000 Menschen in Not retten sollte. Wir diskutieren nicht, ob man alle 14.000 Kinder retten sollte. Nein, wir diskutieren anscheinend darüber, ob es sich bei den 47 Kindern um Mädchen oder Jungen, oder Kinder oder Jugendliche handelt. Es ist eine vollkommen realitätsferne und absurde Diskussion.

„Ersichtlich alle über 14“? Hat der Mann keine Augen im Kopf? Rechtsextreme behaupten gerne Dinge einfach, um Fakten erst zu schaffen.

Mit dem Hinweis, dass die Regierung geplant hatte (eben um einem Nazi-Shitstorm zuvor zu kommen und weil Mädchen gefährdeter sind), vor allem Kinder, die jünger als 14 sind, aufzunehmen und vor allem Mädchen, konstruieren Rechtsextreme jetzt einen Sturm der Empörung. Es werden Fotos aus dem Kontext gerissen, die die 5 Jugendlichen zeigen, die bis zu 17 Jahre alt sind. Oder man verwendet wie der BILD-Journalist Ralf Schuler ein Foto aus Luxemburg, um so zu tun, als wäre etwas „gelogen“ worden.

Dieses Bild zeigt minderjährige, unbegleitete Jugendliche, die von Luxemburg aufgenommen werden. Nazis und BILD-Journalisten versuchen regelmäßig, mit solchen Fake News Stimmung zu machen

Noch einmal: Die meisten sind zwischen zwölf und 14 Jahre alt. Die Existenz von gerade mal fünf (!) Jungen, die immer noch minderjährig und unbegleitet sind, spielt doch überhaupt keine Rolle. Niemand hat gesagt: „Wir nehmen auf gar keinen Fall mehr männliche Schutzsuchende (über 14) auf“ oder dergleichen. Aber Rechte versuchen durch diese Darstellung, die komplette Diskussion zu verzerren und einen Skandal zu inszenieren. Selbst wenn alle 47 Personen männlich wären und über 60 ist das ein Skandal? Wir retten Menschen. Wo ist das Problem?

Gegenrede, aber lasst Nazis mit ihrer Hetze verpuffen

Es gibt gar keinen Skandal. Außer vielleicht den, dass man bisher nur (!) 47 Kinder gerettet hat, während noch 14.000 weitere in elendigen Zuständen ohne Eltern und Familie mit schlechten Bedingungen in Angst leben müssen. Ärzte ohne Grenzen spricht von etwa 1000 kranken Kindern in den griechischen Camps, die dringend auf medizinische Hilfe angewiesen sind. Aber indem Rechtsextreme absichtlich falsch darstellen, was geplant war, als hätte die Regierung irgendein Versprechen gebrochen, können sie es schaffen, dass wir uns sogar über diesen Tropfen auf dem heißen Stein aufregen.

Diese Diskussionen sind sinnlos. Führt man sie doch mit Menschen, die seit mehreren Jahren komplett abgeschottet von der Realität täglich mit rechtsextremen Propaganda, Hetze und Fake News gehirngewaschen wurden. Für sie sind das keine 47 Kinder, die gerettet werden mussten, sondern Monster, die in der Hetze der AfD und ihrer Fake News Seiten immer die „Bösen“ spielen. Gepaart mit ihren alten Vorurteilen, dass man sie „anlügen“ würde (Warum eigentlich? Wer hätte was davon), wird nur ein rechtsextremes Weltbild bestätigt. Diese Menschen sind für Ver- und Anstand verloren. Die Fakten sind klar, wer davon nichts wissen will, der will eben nur hetzen.



Artikelbild: Screenshot ndr.de

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