So amüsiert sich das Netz über das überraschend kritische Interview von Kinderreportern bei Late Night Berlin

| Social Media | 15. September 2021

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So reagiert das Netz auf das Interview von Romeo und Pauline mit Laschet

Bei “Late Night Berlin” stellten die zwei Elfjährigen Romeo und Pauline den Kanzlerkandidaten Olaf Scholz und Armin Laschet Fragen in einem Zirkuszelt. Was nach einer harmlosen Fragerunde klingt und nach einem einfachen Wahlkampf-Interview stellte sich schnell als Verhör mit unangenehmen Fragen heraus. Immerhin fiel es in letzter Zeit auf, wie viele Interviewanfragen besonders Laschet ablehnte oder absagte, u.a. beim Spiegel, t-Online und Vice, sowie ProSieben, Rezo oder der Jüdischen Allgemeinen (Quelle, Quelle). Romeo und Pauline stellten beiden Kandidaten Fragen, die man sich in mehr Interviews gewünscht hätte. Olaf Scholz bekam die Hammer-Frage “Ist Putin ein Mörder” zum Beispiel. Hier sein Part:

Besonders Laschet fiel aber auf – konfrontiert mit dem Rechtspopulisten Maaßen aus den eigenen Reihen, widersprüchlichen Aussagen zur Abstimmung zur Ehe für alle und der Räumung des Hambacher Waldes. Auch über sein Lachen bei der Flutkatastrophe. Auf die Laschet mit Ausweichtaktiken, patzigen Gegenfragen reagierte – und Falschaussagen.

Hat Laschet Kinder angeflunkert?

Bevor wir zu den besten Reaktionen aus Social Media kommen arbeiten wir noch die kritischsten Stellen im Laschet-Interview durch, damit auch diejenigen, die das Video nicht gesehen haben, wissen, worum es geht. Mitsamt kleinem Faktencheck. Romeo fragte Laschet nach seiner Position zur Ehe für Alle, der sagte, er habe nie Interviews gegeben, wo er sich dagegen ausgesprochen habe. Romeo hatte den Faktencheck direkt parat: 2017 sagte Laschet zur Abstimmung: “Aber dem Antrag der SPD hätte ich wie Merkel nicht zugestimmt, weil er auch verfassungsrechtlich nicht in Ordnung ist.” (Quelle)

Dabei hatte Laschet letzte Woche seine Position konkretisiert: Er behauptete es habe sich nur um “juristische Bedenken” gehandelt, die inzwischen weggeräumt seien und heute hätte er dafür gestimmt (Quelle). Dass er damals erklärte, gegen die Ehe für Alle zu stimmen, wenn er es hätte können, stimmt aber. Und da hat ihn Romeo richtig konfrontiert und versuchte Laschet, sich unsouverän herauszureden.

Hambacher Forst

Auch zur Frage vom Hambacher Forst sah es bei Late Night Berlin nicht ganz so aus, wie es Laschet darstellte:

Romeo: “Haben Sie Polizei geschickt, um Menschen aus Baumhäusern zu vertreiben?” Laschet: “Nein.” […] Pauline: “Aber das war gegen das Gesetz, oder?” Laschet: “Nein.” Die Frage, die Laschet klar verneint ist allerdings nicht so klar, wie er es gern darstellt. Im Gegenteil, es sieht eher danach aus, dass es sich um eine Lüge handelt.

Wie vor kurzem ein Gericht feststellte, gab es mehrere rechtliche Defizite bei der Räumung des Hambacher Forst. So sei der Weisung zu entnehmen gewesen, dass es nicht um die Sicherheit der Aktivist:innen ging, sondern um deren Entfernung. Gerade das ist aber nicht Sinn und Zweck des Baurechts oder Brandschutzes (Quelle). Demnach sei diese Begründung aber lediglich vorgeschoben gewesen. Hierzu kursiert auch ein Video im Netz, in welchem NRW-Ministerpräsident Laschet mit den folgenden Worten aus dem Jahr 2019 zu hören ist:

“Ja, ich brauchte einen Vorwand. Sonst kann man ja nicht tätig werden. Ich wollte den Wald räumen. Die Leute sind da illegal.”

In einem Urteil, bei dem Laschet noch in Berufung gehen will, wurde festgestellt, dass die Räumung rechtswidrig war. Das klare “Nein” von Laschet entspricht wohl seiner eigenen Einschätzung, die er noch vor Gericht in der Berufung durchsetzen möchte. Die bisherigen Fakten deuten allerdings in eine ganz andere Richtung. Mehr dazu:

Laschet ließ Hambacher Forst rechtswidrig räumen: “Ja, ich brauchte einen Vorwand”

“Ist Maaßen ein Nazi?”

Wieder Romeo stellt seine Frage erfrischend offen: Ist Maaßen ein Nazi?“ Laschet schüttelt den Kopf: „Nein.“ Vielmehr wolle er, dass die Nazis „wieder wegkommen aus dem Parlament.“ Romeo bleibt wie ein richtig guter Journalist aber dran: „Ist Hans-Georg Maaßen ein Rechter?“ Darauf reagiert Laschet plötzlich mit Gegenfrage. Kennst du den?“ Als Antwort bekommt er ein knappes „Ja“ zu hören. „Und warum ist das ein Rechter?“ „Frag ich Sie!“, lässt sich Romeo nicht abwimmeln. Wer übrigens die vielen Aussagen, Kontakte in die rechtsextreme Szene und antisemitischen Codes von Maaßen mitsamt Belegen sehen will, sowie Kritik vor allem aus den eigenen Reihen, der kann hier entlang:

Wie Linke und CDU-Wähler Maaßen und einen CDU-Rechtsruck verhindern können

Laschet jedoch wird patzig, und versucht offenbar, die Positionen Maaßens, der “Lügenpresse”-Narrative verbreitet, wie man sie bei der AfD findet, zu leugnen: „Wenn du mich fragst: ‚Ist Hans-Georg Maaßen ein Rechter‘, musst du ja wissen, wer Maaßen ist und was er Schlimmes gemacht hat“. Es ist ein Ausweichmanöver, Laschet traut sich nicht, die Rechtsaußen-Positionen zu kommentieren, geschweige denn sich davon zu distanzieren, wie so viele seiner Parteikolleg:innen. Die Kinder bleiben aber hartnäckig dran: „Aber was findest du gut an ihm“, hakt Pauline nach.

Laschet sagt nur, Thüringen habe ihn aufgestellt und außerdem ihm „manchmal, wenn er was Falsches sagt“, widersprechen. Nazi sagen, sei aber „unfair“. Wo Laschet irgendeiner Aussage Maaßens widersprochen hat, ist uns völlig unbekannt, vielmehr schweigt er seit Wochen über jede weitere Aussage im AfD-Style. Maaßen verbreitete Verschwörungstheorien zum “Great Reset”, teilte Inhalte von Holocaustleugnern und Antisemiten, nutzte antisemitische Codes, die von der CDU-nahen Konrad-Adenauer als solche bestätigt werden und behauptet, ARD und ZDF seien “Propaganda”. Oder aktuell:

Keinem dieser Dinge oder anderen hat Laschet widersprochen. Von Laschet kam nur noch:

Pauline: „Was hat er gesagt?“ Schweigen, dann Murmeln … dann: „Du, wenn du in einer Partei bist, …, da sagt jeder mal irgendwas, … und wenn ich da jedes Mal sagen würde, nein, das sehe ich aber so …“ Nur Ausflüchte, keine Distanzierungen oder auch nur Widerspruch zu den Positionen von Maaßen.

Das Netz ist amüsiert – die beliebtesten Reaktionen

Der wenig überzeugende Auftritt von Laschet bei Late Night Berlin, innere Widersprüche und Halb- bzw. Unwahrheiten und die grundsätzlich amüsante Situation, wenn Elfjährige knallharte Fragen an Kanzlerkandidaten stellen, sorgte für viel Lachen in Social Media. Wir haben die Reaktionen zur Late Night Berlin Sendung gesammelt.

Artikelbild: Screenshot Youtube.com

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