Rechtsextremist wollte Marken für Rassismus missbrauchen – das ging nach hinten los!

| Social Media | 11. Juni 2020

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Diese rechtsextreme Aktion war ein Reinfall!

Was haben der Waffelhersteller Manner, der Lieferdienst Mjam und der Verlag Reclam gemeinsam? Sie haben alle großartig auf die Provokation eines bekannten Rechtsextremisten reagiert, der ihre Marken für seinen Rassismus missbrauchen wollte. Ein bekannter österreichischer Rechtsextremist, dessen rechtsextreme Organisation in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet wird und deren Verbot in Österreich geprüft wird (Quelle, Quelle), hatte auf Twitter versucht, mehrere Marken für eine rassistische Anti-BlackLivesMatter-Kampagne zu missbrauchen.

Nachdem sich die gesamte Zivilgesellschaft in Deutschland und Österreich sowie unzählige Marken solidarisch mit dem Kampf gegen Rassismus und hinter #BlackLivesMatter gestellt hatten, standen die Rassist*innen ziemlich allein und traurig da. In einem verzweifelten Versuch, so zu tun, als würde es doch Marken geben, die auf ihrer rassistischen Seite stehen, wollte der Rechtsextremist Martin so tun, als würden diese Marken seinen einsamen Rassismus befürworten, weil sie (angeblich!) nicht ihre Solidarität zur Anti-Rassismus-Bewegung getwittert haben.

Falsch, transparent und ein Reinfall: Reclam schlägt zurück

Netter Versuch, lieber Rechtsextremist, aber er hatte die Rechnung ohne die Marken gemacht, die natürlich keinen Bock haben, mit einem Typen in Verbindung gebracht zu werden, welcher schon mit einem Nazi-Massenmörder in Kontakt stand und von diesem Geld gespendet bekam (Quelle). Autsch! Gleich als erstes: Der Reclam Verlag hatte sich sehr wohl solidarisch zu #BlackLivesMatter geäußert – der Rechtsextremist hatte das also entweder wegen schlampiger Recherche übersehen oder gelogen:

In einer Anfrage von Volksverpetzer erklärte uns Reclam, sein Versuch sei „plump und durchschaubar“. Sie antworteten ihm nicht, um ihm nicht noch mehr Reichweite zu bescheren, und haben ihn stattdessen lieber blockiert. Neben ihrem Tweet erklärt uns der Verlag, dass ihre Bücher auch deutlich zeigen müssten, was sie von Rassismus halten: „Zahlreiche unserer Bücher sollen eine differenzierte Auseinandersetzung mit den wesentlichen Anliegen von BlackLivesMatter und den gesellschaftlichen wie historischen Bedingungen für die Notwendigkeit der Bewegung ermöglichen.“ Als Beispiel wird unter anderem eine Textsammlung für den Einsatz in Schule und Studium: „Was ist Rassismus? Kritische Texte“ (Universal-Bibliothek 19220) genannt. Satz mit x, das war wohl nix!

Mjam & Manner

Doch auch die österreichischen Unternehmen, der Waffelhersteller Manner und der Lieferservice Mjam.at, hatten keine Lust, dass der Rechtsextremist Martin mit ihnen „politische Stimmung macht“ (Manner) oder ihre Marke für seine „politischen Zwecke“ nutzt (Mjam). Manner twittert ein #BlackLivesMatter und erklärt: „Seit 130 Jahren ist Manner für alle Menschen da“ und Mjam erklärt: „Wir nehmen uns Zeit, der BPOC-Community zuzuhören & uns weiterzubilden bevor wir posten. Wir stellen uns ganz klar gegen Rassismus & unterstützen #BlackLivesMatter“ [sic]

Auf unsere Anfragen haben beide noch nicht reagiert, aber deren Tweets sprechen bereits eine deutliche Sprache. Leider haben beide auf den Rechtsextremisten direkt geantwortet – was auch Teil seiner Strategie war. Seine Gruppe versucht durch solche Aktionen stets Aufmerksamkeit für ihre extremistische Ideologie zu finden, die sich oft antisemitischer Verschwörungsmärchen bedient. Das ist übrigens auch der Grund, warum wir ihn nur „Martin“ nennen. Wer ihn kennt, weiß, wer gemeint ist. Wer nicht: Müsst ihr nicht wissen! Es wird ihn mehr als alles andere ärgern, wenn ihr es durch die Aktion nicht erfahrt.

Update 15.06:

Inzwischen hat sich Manner auf unsere Anfrage gemeldet: “Bei Kolleginnen und Kollegen aus über 30 verschiedenen Nationen und Export in über 50 Länder hat bei uns Rassismus keinen Platz. Punkt. Generell ist festzuhalten, dass wir uns gänzlich aus politischen Themen heraushalten. Wir unterstützen keinerlei Partei und politische Ideologie. Die Mannerschnitte ist als österreichische Süßwaren-Ikone und Herzmarke für alle da. Dass wir uns nicht aktiv politisch engagieren heißt aber nicht, dass wir uns in eine Ecke drängen lassen. Daher haben wir auf den Tweet geantwortet.”, schreibt uns eine Pressesprecherin.

Keiner hat Bock auf Rechtsextreme

Wir werden diese Recherche ergänzen, wenn wir weitere Statements der Unternehmen erhalten. Der rechtsextreme Martin erwähnte auch den Bierbrauer Gösser, der bisher weder dazu twitterte, noch auf unsere Anfrage reagierte – allerdings ist der Account auch seit vier Jahren inaktiv. Wenig verwunderlich, dass bisher eine Reaktion aussteht. Doch es bleibt zu bezweifeln, dass sich die Biermarke mit Rechtsextremen und Rassismus solidarisieren würde. Das ist nämlich die Kernbotschaft: Der kleine Martin steht mit seinem Rassismus ziemlich alleine da.

Update 15.06:

Auch die Bierbrauer haben auf unsere Anfrage reagiert und eine Distanzierung veröffentlicht:



Artikelbild: shutterstock.com/Screenshot twitter.com

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