So geht das, CDU! So fair reagiert die SPD auf das Rezo-Video

Social Media

image_print

So reagiert die spd

Das Rezo-Video „Die Zerstörung der CDU“ ist vor der Wahl viral geworden und liegt inzwischen bei über 5 Millionen Aufrufen. Es äußert viel Kritik, vor allem an den Unionsparteien. Doch anstatt inhaltlich auf die Kritik zu reagieren, kamen von der nur „Fake News“-Gerede und abfällige Kommentare über seine Haarfarbe. Wie unseriös die Konservativen reagierten, haben wir in folgendem Artikel analysiert und auch, wo Rezos Video wirklich Schwächen hatte.

Diffamierungen, keine Argumente: So unsachlich reagieren CDU & Co auf das Rezo-Video

Die CDU kündigte daraufhin ein Antwort-Video des Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor an. Amthor, der im gleichen Alter wie Rezo ist, sollte ebenbürtig reagieren. Letzten Endes entschied sich die Partei jedoch dagegen, sein Video zu veröffentlichen, sodass man das im Vorfeld extrem gehypte Video leider nicht sehen kann. Doch ein andere Reaktions-Video einer der anderen Parteien, die im Rezo-Video nicht gut wegkamen, wurde dagegen eher weniger beachtet: Das der SPD.

Die SPD kam im Video nämlich ebenfalls nicht gut weg. JuSo-Mitglied und Europaabgeordneter im Umweltausschuss Tiemo Wölken veröffentlichte ein 15-Minütiges Video, in welchem er grob zu Rezo Stellung nahm und die Gelegenheit ergriff, die SPD vor allem in Sachen Klimapolitik – seinem Themenschwerpunkt – etwas zu verteidigen. Und er kommt dabei ganz ohne „Fake News“-Vorwürfe aus.



„ich will das auch gar nicht relativieren“

Wölken reagiert fair auf das Rezo-Video und versucht gar nicht erst, seine Punkte abzutun oder zu diffamieren, er relativiert sie nicht einmal. Er lobt es sogar ausdrücklich, wenn er sagt, es sei „sehr gut, mit vielen Quellenangaben, mit vielen Interpretationen, die sich gut belegen lassen.“ Sein Hauptargument ist im wesentlichen, dass Rezo sich vor allem die Bundespolitik angesehen habe, was ja legitim sei, die SPD auf Europaebene in Sachen Klima sich aber doch sehen lassen könne.

Im Europaparlament – und für das wird schließlich am Sonntag gewählt – gehöre die SPD zur Gruppe der Kämpfer für das Klima und stehe in Abstimmungen meistens für das Klima ein. Er möchte die Darstellung Rezos durch das ergänzen, was die SPD eben doch für das Klima tue und tun möchte, ohne die Schwächen der SPD direkt zu leugnen. Zu den verfehlten Klimazielen sagt er sogar deutlich: „Das ist richtig schlecht und das kann man nicht gut reden. Und das will ich auch gar nicht relativieren.“

Für das Ausbremsen von Maßnahmen gibt er auf Bundesebene vor allem der CDU die Schuld, die sich z.B. gegen ein SPD-Klimaschutzgesetz gewehrt habe. Er selbst gibt in diesem Zusammenhang zu, gegen die große Koalition gestimmt zu haben. Und stichelt gegen die Jamaika-Koalition, die nie zu Stande kam. Er plädiert dafür, dass die SPD in Europa in Sachen Klima auch Druck auf ihren Koalitionspartner auf Bundesebene ausüben könne.

Geht doch!

Es ist anzumerken, dass Wölken sich ausschließlich auf den zwar wichtigsten Teil vom Rezo-Video, die Klimapolitik, konzentriert und die anderen Aspekte weglässt. Was durchaus damit zu entschuldigen ist, dass dies nun mal sein Fachbereich ist. Auch bemüht er sich, dort alle negativen Entscheidungen den Koalitionspartnern anzulasten und die SPD so in Schutz zu nehmen. Doch es ist natürlich etwas unglaubwürdig, die SPD zu einer Opposition innerhalb der Regierung zu stilisieren. Entweder trägt die SPD die Verantwortung mit, oder die CDU regiert de facto alleine und die SPD verschafft ihr dann nur willentlich eine Mehrheit. Was beides kein gutes Licht auf sie wirft.

Natürlich ist es schwierig für einen Europapolitiker, seine Partei in einer Koalition zu verteidigen, von der er persönlich „kein Fan“ ist, was man ihm auch abkauft. Und natürlich macht die SPD im Europaparlament in Sachen Klima eine viel bessere Figur als auf Bundesebene. Und hilft mit, auch in Deutschland positive Veränderungen durchzusetzen. Doch als Wähler*in muss man sich leider auch fragen, ob man seine Stimme nicht effektiver einsetzen kann, angesichts der Darbietung der SPD in der Großen Koalition.

Fazit

Nichtsdestotrotz hat die SPD mit diesem Video eine Größe bewiesen, an die die CDU nicht annähernd herankam. Wölken hat Rezo gelobt, wo es angemessen war und die Darstellung um positive Aspekte ergänzt, die man seiner Meinung nach zur SPD in Sachen Klimapolitik nicht unterschlagen dürfe. Und sicherlich scheint die junge SPD-Generation um Wölken und Kühnert größere Ambitionen zu zeigen als die derzeitigen MinisterInnen. Dennoch hat Wölken hier bewiesen, dass Einsicht manchmal mehr Größe zeigt, als der trumpeske Versuch, mit Buzzwords Kritik zu entwerten. Auch Sawsan Chebli, die im Rezo-Video vorkam, bemerkte auf Twitter selbstkritisch, was sie „für blödes Zeugs“ von sich gegeben habe.

Artikelbild: Screenshots youtube.com

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter

1 Kommentar
  1. […] nicht“. Da die von ihm ebenfalls – wenn auch deutlich zurückhaltender – kritisierte SPD in Person ihres EU-Abgeordneten Tiemo Wölken bereits Besserung gelobt hatte, verlangt er von der CDU nun ebenfalls Zugeständnisse. Bei Rezo hört sich das an die Adresse der […]

Kommentare sind geschlossen, abertrackbacks und Pingbacks sind offen.