Wer auf Trumps Plattform „Truth Social“ die Wahrheit sagt, wird gesperrt

| Social Media | 29. Juni 2022

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Meinungsfreiheit auf Truth Social – solange die Meinungen Trump nicht schaden

Bei Donald Trumps sozialem Netzwerk Truth Social soll angeblich alles im Zeichen der Wahrheit stehen – sowohl die Plattform selbst als auch die Posts werden plakativ als truth bezeichnet. Ironischerweise ist natürlich das bereits ein Lüge. Der ehemalige US-Präsident gründete Truth Social Anfang diesen Jahres, um Nutzer:innen eine Plattform für „offene, freie und ehrliche Konversation ohne Diskriminierung von politischen Ideologien“ zu bieten (Quelle) – doch natürlich hat diese angebliche Toleranz Grenzen. Politische ‚Ideologien‘ nämlich – auch die Wahrheit -, die nicht denen Trumps entsprechen, werden dann doch schnell beseitigt.

Insbesondere solche zu den Anhörungen zum Sturm auf das Kapitol in Washington 2021 (Quelle). Denn da treffen Nutzer:innen scheinbar einen wunden Punkt bei dem Republikaner – schließlich wurde Trump Anfang des letzten Jahres wegen eben jenes Angriffs auf Twitter und Facebook gesperrt (Quelle). Der damalige Twitter-Chef Jack Dorsey begründete seine Entscheidung damit, dass Trumps Tweets zu Gewalt anregen könnten (Quelle). Und genau darum soll es bei den Anhörungen nun unter anderem gehen: Inwiefern der ehemalige Präsident am Sturm auf das Kapitol – einen Versuch, die US-Demokratie mit Gewalt zu stürzen – eine Mitschuld trägt (Quelle).

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Angst vor zu viel Meinungsfreiheit (und „truth“), Trump?

Bereits am 10. Juni meldeten sich erste Personen auf Twitter zu Wort, die davon berichteten, dass ihre Accounts suspendiert wurden, nachdem sie einige ‚Truths‘ zu den Anhörungen verfasst hatten (Quelle). So schreibt ein Nutzer: „Ich wurde von Truth Social suspendiert, weil ich gestern Abend über die Anhörung vom 6. Januar berichtet habe.“ Und ergänzte: „Donald Trump hat Angst vor der Meinungsfreiheit.“ (Quelle)

Eine weitere Person berichtet ähnliches: „Mein Konto bei Truth Social wurde gerade dauerhaft gesperrt, weil ich über die Anhörungen des Ausschusses zum 6. Januar gesprochen habe.“ (Quelle)

Auch seit dem 10. Juni reißen die Meldungen nicht ab. Immer mehr Nutzer:innen von Truth Social drücken auf Twitter ihren Unmut über das soziale Netzwerk aus, das Trump eigens für uneingeschränkte Meinungsfreiheit aufgebaut hat – nur um dann Menschen zu sperren, die eine andere Meinung vertreten. Korrigiere: Menschen, die Fakten, Nachrichten und Wahrheiten verbreiten. Wie ein weiterer Twitter-User so passend ausdrückt: „Offenbar hat die Meinungsfreiheit selbst im Trumpland ihre Grenzen.“ (Quelle)

Auf Truth Social werden aus Fake News ganz schnell ‚Wahrheiten‘

Und die hat sie definitiv – sie sind sogar in den Servicebedingungen des sozialen Netzwerks verankert. Darin ist festgelegt, dass anstößige oder sexuelle Inhalte sowie Darstellungen von Gewalt, Gewaltandrohung oder kriminellen Handlungen nicht gestattet sind. Zusätzlich behalten sich die Betreiber:innen vor, „falsche, ungenaue oder irreführende“ Aussagen zu löschen (Quelle). Wie Trump „falsch, ungenau oder irreführend“ definiert, ist in Anbetracht der Tatsache, dass er die Präsidentschaftswahl 2020 noch immer nicht anerkennt und für Wahlbetrug hält, höchst fraglich (Quelle). Von ihm interpretiert könnten Wahrheiten so schnell zu vermeintlichen Fake News werden und seine tatsächlichen Fake News im Umkehrschluss zu sogenannten truths. Der Name „Truth Social“ selbst ist eine Lüge.

Artikelbild: shutterstock.com Frederic Legrand – COMEO / Screenshots

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