Dieser Twitter-Thread hat bisher 334 Fälle von Polizeigewalt in den USA gesammelt

| Social Media | 6. Juni 2020

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Verhaftet, weil Interview gegeben?

Zehntausende protestierten gegen die rassistische Polizeigewalt in den USA nach dem Mord an George Floyd.

Die berührendsten Momente der George Floyd-Proteste, die zu wenig gesehen werden

Die Polizei in den USA hat ein großes Problem mit Gewalt: In absoluten Zahlen und in relativen Zahlen werden unglaublich viele Menschen erschossen.

In den letzten fünf Jahren wurden in den USA jährlich rund 1.000 Menschen von Polizeikräften im Dienst erschossen. Das…

Gepostet von Katapult – Magazin am Dienstag, 2. Juni 2020

Und natürlich sind Afroamerikaner*innen und Hispanics überproportional unter den Opfern:

Schwarze machen nur knapp 13 Prozent an der US-Gesamtbevölkerung aus – doch sie werden so häufig wie keine andere Bevölkerungsgruppe von der Polizei erschossen.

Gepostet von tagesschau am Donnerstag, 4. Juni 2020

Und das, während schwerst bewaffnete, (weiße natürlich,) Demonstrant*innen Rathäuser besetzen können, ohne dass die Behörden eingreifen, schickt Trump die Armee nach Washington, D.C., während er sich in einem Bunker versteckt (Quelle, Quelle).

Bisher 334 Fälle von Polizeigewalt gesammelt

Der Rechtsanwalt T. Greg Doucette sammelt zur Zeit auf Twitter (Link) unzählige Beispiele von Polizeigewalt während der Proteste. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels sind es 334 Fälle, sie werden jedoch laufend aktualisiert. Er nennt sie sogar „Polizeibrutalität“. Und sie sollten nur einen kurzen Einblick geben, wie sehr die Gewalt in den USA wegen der Behörden eskaliert:

Darin finden sich so unentschuldbare Vorfälle wie ein Vorfall, in welchem die Polizei völlig grundlos einen Afroamerikaner brutal angriff und verhaftete  einfach nur, weil dieser gerade ein TV-Interview gab. Er hatte sogar vorsichtshalber bereits die Arme in die Höhe gehalten, weil er genau wusste, dass die Polizei nur nach Ausreden sucht, um ihn anzugreifen. Doch anscheinend hat sie nicht mal eine gebraucht.

Oder dieser Vorfall aus Philadelphia: Nachdem eine Protestierende eine andere von dem Polizisten wegzog, griff dieser sie völlig unvermittelt an. Nach einem Handgemenge ruft dessen Vorgesetzte: „Warum startet ihr immer die Gewalt?“ Ohne Ironie.

Oder dieser Vorfall, ebenfalls aus Buffalo, als Polizisten völlig grundlos einen 75-Jahre alten Mann angriffen und ihn einfach liegen ließen, nachdem er auf dem Pflaster einfach ausblutete. Die Polizei behauptete später, der Mann sei einfach nur „gestolpert und gefallen“. Erst das Video führte zur Entlassung der beiden Beamten. Zum wiederholten mal zeigt sich: Ohne die Videoaufnahmen hätte diese Gewalt keine Konsequenzen (Quelle).

Polizeibrutalität auch in Deutschland

Wie der Thread bereits zeigt, sind das keine Einzelfälle, sondern das ist systematische Polizeigewalt in den USA. Genau das ist der Grund, weshalb so viele Menschen derzeit in den USA auf die Straßen gehen: Weil sie (und insbesondere Nichtweiße!) systematisch und teilweise grundlos Opfer von einer Polizei werden, die über dem Gesetz steht. Es ist eine Krise sondergleichen. In Deutschland erleben wir zwar nicht derart brutale Zustände; Polizeigewalt, insbesondere gegen Nichtweiße, ist jedoch auch bei uns ein Problem.

In Deutschland starben seit 1993 etwa 138 Menschen mit Migrationshintergrund in Gewahrsam der Polizei (Quelle).  2005 verbrennt Oury Jalloh in einer Zelle eines Polizeireviers in Dessau. Er war an Händen und Füßen gefesselt, soll sich aber angeblich selbst in Brand gesteckt haben. Der Fall ist bis heute ungeklärt, auch weil die Polizeibeamt*innen, die den Fall aufklären könnten, schweigen. Es ist eine lange Geschichte über den „Korpsgeist der Polizei“, „verschwundene Asservate“ und Rassismus. (Quelle).

Oder der Fall von Dennis J., der 2008 in Schönfließ mit acht Polizeikugeln erschossen wurde. Die verantwortlichen Beamt*innen erhielten lediglich Bewährungsstrafen und werden seitdem von der Polizeigewerkschaft finanziell unterstützt (Quelle). Doch es ist nicht nur Mord: Es gibt viele Fälle, in denen Polizist*innen ihre Befugnisse weit überschreiten und insbesondere PoCs nicht nur schlagen, sondern auch weit über das angemessene Maß fixieren.

Die Zeug*innenberichte dazu gibt es zuhauf. Ein Bericht stammt von Marvin Oppong. Er beschreibt, wie ihn mehrere Beamt*innen auf den Boden drücken und postet dazu ein Video: „Auch auf mich haben sich drei Polizisten gekniet. Eine Polizistin auf mein Bein, ein Polizist auf meinen Rücken, ein dritter auf meinen Kopf, der seitlich auf dem Asphalt lag.“ (Quelle). Mehr dazu in unserem Gastbeitrag (hier):

Todesrisiko: Schwarz sein



Artikelbild: Screenshot twitter.com

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