„Witwenrente“-Zitat ist ebenfalls frei erfunden: Schmutzkampagne gegen Baerbock setzt sich fort

| Wahlkampf | 10. Mai 2021

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Immer neue Lügen über die Grünen

Seit ihrer Kür zur Kanzlerkandidatin der Grünen haben die Falschinformationen über Annalena Baerbock deutlich zugenommen (Quelle). Wir berichteten bereits darüber, dass zur Person Baerbock eine regelrechte Schmutzkampagne angelaufen ist. Man versucht ständig Zitate und Bilder zu fälschen, um dem politischen Gegner zu schaden.

Gezielte Schmutzkampagne gegen Baerbock: Zitat über Haustierhaltung frei erfunden

Damals wurde behauptet, Frau Baerbock wolle Haustiere verbieten, um Umweltemissionen zu reduzieren. Das war natürlich frei erfunden und einfach nur Hetze. Jetzt macht ein neues Spruchbild die Runde, um ebenso plump und ebenso substanzlos dem Ruf von Frau Baerbock zu schaden. Frau Baerbock möchte die Witwenrente NICHT abschaffen. Auch dieses Zitat ist erfunden.

In diesem von Unbekannten selbst erstellten Zitatbild wird der Eindruck erweckt, Frau Baerbock wolle die Witwenrente abschaffen. Erneut ist im Spruchbild nicht angegeben, woher das Zitat stammt. Schon das ist ein eindeutiges Warnsignal, dass es sich hierbei um einen Fake handelt.

Fakt ist: Dieses Zitat ist frei erfunden. Frau Baerbock hat nie gefordert, die Witwenrente abzuschaffen.

Am besten widerlegt man diesen Fake mit der einfachen Gegenfrage, woher die Quelle für diese Aussagen stammen soll. Es ist nämlich keine aufzufinden. 

Es ist dieselbe perfide Methode wie auch schon beim „Haustier“-Fake:

Keine Quellen, keine Belege für die Zitate, dennoch werden Bilder wie diese tausendfach in Social Media geteilt.

Hier auf Facebook:

Dabei wird das gefakte Spruchbild auch noch in verschiedenen Variationen angeboten, hier mit einem eindeutig rechtspopulistisch geframten Zusatz, der meint, die eingesparte Witwenrente solle schutzsuchenden Menschen zukommen:

Erfundene Spruchbilder: Hauptsache, Emotionen triggern, um Hassbilder aufrecht zu erhalten

Die Methode ist einfach, aber leider effektiv. Sie zielt lediglich darauf ab, die negativen Vorbehalte, die man gegen die Grünen hat, zu triggern und unreflektiert zu teilen. Was beutetet „triggern“?: 

Übersetzt man das Wort vom Englischen ins Deutsche, bedeutet es so viel wie „auslösen“. Ein „trigger“ ist also ein Auslöser. Im modernen Netzjargon wird der Begriff gebraucht, wenn jemand beispielsweise auf einen Beitrag in einem sozialen Netzwerk zornig und hasserfüllt reagiert.

Erneut wird ein Thema als Köder gewählt, das emotionale Gefühle „triggern“ soll, wie beim Haustier-Fake, um dann gezielt Falschinformation über Baerbock zu streuen. Eine Manipulationstechnik, die dazu dienen soll, dass die wütenden Emotionen den Empfänger des Fakes dazu manipulieren, den Fake weiter zu verbreiten. Leider mit Erfolg. Wer sich aufregt und sein Welt- und Feindbild bestätigt sieht, meint „das wird schon richtig“ sein. Und trägt dazu bei, dass Hass und Hetze basierend auf Lügen verbreitet wird.

Ziel dieser Fake News sind Menschen mit einer geringeren Medienkompetenz und bereits vorgefertigten Vorurteilen, denen ein Zitat auf einem Bildchen ohne Quellenbeleg reicht. Man will Menschen erreichen, die ohnehin die Grünen nicht mögen und nur halbwegs glaubwürdige Gründe suchen, um das zu rechtfertigen.

Der Fake streut sich dann auch auf Telegram weiter und wird als Nachricht verkauft. Erneut ohne Quellenangabe:

Resultat solcher gezielten Schmutzkampagnen? Sie erzeugen Hass, weil Menschen tatsächlich glauben, was sie da sehen (oder daran glauben wollen). Die Aktivist:innen von „dieInsider“ sitzen undercover in mehreren nicht-öffentlichen AfD-nahen Facebook-Gruppen. Auch dort wird der Fake gestreut und erzeugt widerwärtige Kommentare:

Was man hier sehen kann, ist die gezielte Erzeugung von Hass in privaten Facebook Gruppen, die man auch als geschlossene Echo-Kammern bezeichnen kann. Zur Erläuterung: 

Wortherkunft: Der Begriff der Echokammer (engl. „echo chamber“) verweist auf einen metaphorischen Raum, in dem Aussagen verstärkt und Störgeräusche, etwa anders lautende Meinungen, geschluckt werden.

In solchen Gruppen findet Widerrede nicht statt, sondern es wird nur das wiederholt, was die eigene Meinung bestärkt. Man peitscht sich gegenseitig mit den Kommentaren auf und verhärtet so sein eigenes abgeschottetes Weltbild. Das alles basierend auf einem völlig frei erfundenen Zitat. Und vielen Fake News, die vorangingen. So wird man radikal und blind vor Hass.

Fazit: Schmutzkampagne gegen Baerbock reißt nicht ab, sondern bekommt nur neue Spins

Zum „Haustier“-Fake schrieb uns das Team von Frau Baerbock bereits:

Hallo,

Vielen Dank für die Nachfrage.

Bei diesem angeblichen Zitat von Annalena Baerbock handelt es sich um eine Falschmeldung, die offensichtlich von politischen Gegner*innen ausgedacht und verbreitet wurde, um unserer Kanzlerkandidatin zu schaden. Obwohl der Kampf gegen die Klimaerhitzung eine zentrale Zukunftsaufgabe ist, wäre es absurd, dies über ein Verbot oder eine Besteuerung von Haustieren erreichen zu wollen.

Dieser Fall zeigt wieder wie wichtig es ist, auf Facebook, Instagram, Twitter, TikTok, bei WhatsApp, bei Telegram und im Internet allgemein immer genau hinzuschauen, nie dem offensichtlich Skandalösen zu vertrauen und Informationen nie ungeprüft weiterzugeben.

Beste Grüße 🌻
Lotta
Team Annalena Baerbock

Seit Wochen beobachten wir beim Volksverpetzer, dass nahezu täglich neue Fakes zu Frau Baerbock und den Grünen allgemein erstellt und in Umlauf gebracht werden. Der Trick bei diesen erfundenen Spruchbildern ist, dass sie sich aufgrund des emotionalen Triggerns schneller verbreiten, als das man sie bei den einzelnen Personen widerlegen könnte. Der „Haustier“- und „Witwenrente“-Fake sind zwar beide plump gemacht, aber leider effektiv, weil sie wie bereits erwähnt, auf Menschen mit geringer Medienkompetenz und bestehenden Vorurteilen abzielen. Gerade bei WhatsApp ist das ein großes Problem:

Das alles hat nichts mit einem fairen demokratischen Wahlkampf zu tun

Frau Baerbock wird hier Opfer einer gezielten Schmutzkampagne. Dabei sind wir erst in den ersten Wochen des Wahlkampfs. Der Hass und die Lügen werden noch zunehmen. Es liegt in der Verantwortung von Behörden, strafrechtlich relevanten Aussagen nachzugehen. Mittlerweile steht Frau Baerbock unter Personenschutz (Quelle). Eben auch weil Hetze und Lügen, wie diese Beispiele hier, vielen Menschen suggerieren, Frau Baerbock sei eine Gefahr. Ironischerweise produziert erst das Gewalt.

Hass und Lügen der rechtsextremen und verschwörungsideologischen Hetzer:innen müssen gnadenlos aufgedeckt und angeprangert werden. Uns als Zivilgesellschaft bleibt bei dieser Form von Hass, Hetze und Fake News nur eines: Dagegen halten. Zum Beispiel, in dem man die hier im Artikel enthaltenden Informationen teilt, um zur Aufklärung beizutragen, im Alltag, zwischen Freunden. Insbesondere auch die Union sollte eine klare Kante gegen derartigen rechtsextremen Hetzkampagnen zeigen, wie sie u. a. die AfD betreibt. Stattdessen scheint sie derzeit aber ebenso Fake News über die Grünen zu verbreiten.

Mehr dazu:

Grüne wollen “Deutschland” BEIBEHALTEN: Absurde Fake-Kampagne der Union

Artikelbild: Screenshots

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