Rechtes (Krypto-)Geld: Wie mit Bitcoin rechtsextremer Terror finanziert wird

| Aktuelles | 25. Januar 2022


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Rechtes (Krypto-)Geld

Gastautor: Hauke Cordts

Untersuchungen rund um die Angriffe auf das Kapitol vom 6. Januar 2021 bringen erneut Bitcoin-Transaktionen in der international vernetzen rechtsextremen Szene ans Licht. Nick Fuentes, einer der Rädelsführer des gewaltbereiten Protestes, hatte einen Monat zuvor eine Bitcoin-Spende im Wert von 250.000 Dollar erhalten. (Quelle)

Es ist nicht die erste Bitcoin-Transaktion, die eindeutig rechtsextremen Aktivitäten zuzuordnen ist. In Deutschland hatte der Attentäter von Halle, welcher am 9. Oktober 2019 zwei Menschen ermordete, zuvor eine Spende über 0,1 Bitcoin von einer unbekannten Person erhalten. (Quelle)

Die Identitäre Bewegung rief im Sommer 2017 zu Bitcoin-Spenden auf und erhielt unter anderen 0,00648561 Bitcoin (damals umgerechnet 50 Euro) von dem späteren Christchurch-Attentäter aus Neuseeland. Es war seine letzte verzeichnete Spende an eine rechtsextreme Organisation, bevor er im März 2019 in einer Moschee 51 Menschen erschoss und 50 weitere verletzte. (Quelle)

2017 deckte ebenfalls die Seite Business Insider mehrere Bitcoin-Wallets bekannter rechtsextremer Aktivist:innen auf und berichtete, dass unter anderem der US-amerikanische Neonazi Andrew Auernheimer mindestens über ein Bitcoin-Vermögen von 3,2 Millionen Euro verfüge. (Quelle)

Bitcoin im Wert von 8,9 Millionen US-Dollar im rechtsextremen Umfeld

Die Firma Elliptic, welche sich auf die Analyse und Verfolgung von Krypto-Transaktionen spezialisiert hat, kam in einem Blogbeitrag im Dezember 2021 zu dem Schluss, dass sich Transaktionen im Wert von mindestens 8,9 Millionen US-Dollar direkt auf ein rechtsextremes Umfeld zurückführen ließe. Dabei untersuchten sie Codes, welche Rechtsextreme bei ihren Transaktionen hinterließen. So finden Transaktionen im rechtsextremen Umfeld häufig zu einem Kurs von 0,001488 Bitcoin statt. Die 14 steht dabei für den in der Szene beliebten Slogan „14 words“ und die 88 entspricht dem achten Buchstaben des Alphabets, der sowohl für „Heil“ als auch für „Hitler“ steht. (Quelle)

Doch woher kommt die Verbundenheit des international vernetzen Rechtsextremismus zum Bitcoin? Zum einen hat dies ganz pragmatische Gründe. Nach den gewaltsamen Protesten der US-amerikanischen Alt-Right-Bewegung im Sommer 2017 in Charlottesville, bei der eine Gegendemonstrantin ihr Leben verlor, sperrten diverse Onlinezahlungsdienste wie Paypal oder Apple Pay rechtsextreme Konten. Zahlreiche rechtsextreme Gruppierungen mussten daraufhin ihre Finanzierungswege anders organisieren und wählten Bitcoin als neues Transaktionsmedium. Dieser bot den Vorteil, dass sich die Zahlungsabläufe als dezentral, außer Reichweite von staatlichen Institutionen und in einem begrenzten Umfang anonym erwiesen. (Quelle)

„Bitcoin is the currency of the alt right“

Doch die Verankerung des Bitcoins in der rechtsextremen Szene hat auch ideologische Gründe. Dem Bitcoin liegt eine zutiefst libertäre, staatsfeindliche und anti-etatistische Denkweise zugrunde. (Quelle)

So lehnen Bitcoin-Anhänger als auch Rechtsextreme demokratische Institutionen der Finanzregulierung ab. Es ist also nicht verwunderlich, dass Richard Spencer, US-Vordenker der Neuen Rechten und White-SupremacyAktivist, 2017 twitterte: „Bitcoin is the currency of the alt right“ (zu Deutsch: Bitcoin ist die Währung der Alt-right-Bewegung). (Quelle)

Spencer, Fuentes, Auernheimer, die identitäre Bewegung, die Attentäter von Halle und Christchurch – sie alle haben in der Vergangenheit Bitcoin zur Unterstützung rechtsextremer und zum Teil terroristischer Zwecke genutzt. Sie sind nur die bekanntesten Fälle in einem riesigen rechten Krypto-Netzwerk. Wer gegen den international organisierten Rechtsextremismus vorgehen will, muss diesem nachgehen. Die US-Regierung scheint dies in ihren Untersuchungen zu dem Angriff auf das Kapitol erkannt zu haben. Auch die deutsche Strafverfolgung muss einen deutlich höheren Fokus auf die Entschlüsselung rechter Krypto-Transaktionen legen. „Follow the money“ ist eine bekannte Leitlinie unter Journalist:innen. Sie könnte eine wichtige Waffe im Kampf gegen den internationalen Rechtsterrorismus sein.

Autor: Hauke Cordts. Artikelbild: tungtaechit

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