Butscha-Video: „Bewegung“ der Leiche ist nur Licht auf dem Glas – Faktencheck

| Aktuelles | 4. April 2022


21.490

Russische Kriegsverbrechen nach Abzug klar sichtbar

Nach dem Rückzug russischer Truppen aus der Region um die ukrainische Hauptstadt Kyjiw sind in der Stadt Butscha über 300 getötete Einwohner:innen entdeckt worden. Russland wird schrecklicher Kriegsverbrechen beschuldigt. Westliche Staats- und Regierungschefs verurteilen die Tötung unbewaffneter Zivilisten in Butscha und den umliegenden Gebieten von Kyjiw. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij bezeichnete den vom Kreml angeordneten Angriff auf sein Land als Völkermord, nachdem örtliche Behörden berichtet hatten, dass in den Städten Butscha, Irpin und Hostomel nahe der Hauptstadt zahlreiche Zivilist:innen getötet worden seien (Quelle).

Nach dem Rückzug der russischen Truppen werden viele Kriegsverbrechen der russischen Soldaten berichtet, Hinrichtungen, Vergewaltigungen und Plünderungen bekannt. Eine ausführliche Dokumentation diverser Kriegsverbrechen wird jetzt, da wieder unabhängige Berichterstattung Zugang bekommt, gerade zu einer grausamen Liste aufgeführt und weiter untersucht (Quelle).

Inhalts-Warnung: Ab hier zeigen wir teilweise explizite Fotos und Details aus Butscha, die mit Tod und toten Körpern zu tun haben.

Jeder von euch kann Putins Propaganda durchschauen

Die russische Kriegspropaganda versucht derweil, die Aufdeckung ihrer mutmaßlichen Kriegsverbrechen zu sabotieren und mit offensichtlichen Lügen Verwirrung zu streuen. Eine Lüge offizieller russischer Stellen ist, dass die vielen Toten in Butscha erst Tage später gefunden sein sollten. Dabei sind die ersten Aufnahmen direkt von dem Tag, an dem die ukrainischen Kräfte in die Stadt zurückkehrten. Russland behauptet, es sei eine Inszenierung, um ihre Verbrechen zu vertuschen.

Butscha: Leichen wurden direkt nach der Befreiung gefunden – Faktencheck

Erst am 31. März beginnt der größere Abzug russischer Truppen aus Butscha (Quelle). Der Facebook-Account des Bürgermeisters veröffentlicht an diesem Tag bereits ein Video über Menschenrechtsverletzungen (Quelle). Das ist der Tag, den der Bürgermeister vor Ort später als „Tag der Befreiung“ bezeichnet. Das wird noch relevant. Tagsüber am 1. April rücken nun wieder ukrainische Truppen in das verlassene Gebiet ein (Quelle). Am Abend des 1. April spricht der Bürgermeister von Butscha von der Befreiung der Stadt:

Am gleichen Tag (1. April) werden Bilder der Leichen in den Straßen veröffentlicht. Die Videos wurden offensichtlich tagsüber aufgenommen:

Weitere Kreml-Strategie: Behaupten, die Leichen seien Fake

In einem der Videos der ukrainischen Konvois, die in die Stadt fahren, sieht man angeblich kurz eine Bewegung bei einer der Leichen. Doch bei höherer Auflösung sieht man, dass es wirklich tote Körper sind und sich nichts bewegt. Die Bewegung ist nur eine Spiegelung in der Windschutzscheibe des Autos:

Hier ist dasselbe Video hereingezoomt und verlangsamt:

Es ist ein beliebter Fake russischer Propaganda, zu behaupten, in einzelnen Fällen (von unzähligen!) seien Leichen nur Schauspieler am Werk. Das soll Misstrauen bei allen Berichten von russischen Kriegsverbrechen streuen. Und macht es Putin und seinen Schergen leichter, diese Verbrechen ungestraft zu verüben. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass der Kreml mehrere sich gegenseitig widersprechende Geschichten pusht, um das Widerlegen schwerer zu machen und euch zu verwirren, wie beim Fall der Geburtsklinik in Mariupol:

Putins Lügen über die Geburtsklinik in Mariupol widersprechen sich

Dass Videos niedriger Auflösung den eigenen Augen gerne einen Streich spielen, haben wir vergangenen Monat bei einem Video mit Putin gesehen. In seinem Auftritt mit vermeintlichen Mitarbeiterinnen russischer Fluggesellschaften glaubten viele gesehen zu haben, dass Putins Hand durch das Mikro durch ginge. Es sollte ein Hinweis darauf sein, dass das Video computerbearbeitet sei. Doch das war einfach ein Problem der Auflösung, wie auch bei den Leichen von Butscha. Daher macht es im Zweifel immer Sinn, das Video in höherer Auflösung zu suchen, und den Kontext zu beachten (also, was vor und nach dem Ausschnitt passiert).

Faktencheck: Kein Beleg, dass Putins Stewardess-Video gefälscht ist

Jetzt nutzt Putins Propaganda das, um ihre Lügen und Unterstellungen zu verbreiten.

Zum Thema:

Die Demobilisierungs-Strategien von Putin: Das will die Troll-Armee

Putins Lügen über die Geburtsklinik in Mariupol widersprechen sich

Artikelbild: shutterstock.com / Screenshots

Wir schalten keine Werbung und uns finanziert niemand, um gegen Hass und Desinformation zu kämpfen. Möchtest du das weiter möglich machen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier vorbeischauen. Oder besuche unseren Shop und unterstütze uns mit dem Kauf von T-Shirts, Tassen und Taschen hier entlang.

Spendiere uns einen Kaffee:
Unterstütze uns auf Paypal Unsere Autor:innen nutzen die Corona-Warn App des RKI.