Putins Lügen über die Geburtsklinik in Mariupol widersprechen sich

| Faktencheck | 4. April 2022

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Faktencheck: Putins Schergen töteten Zivilisten in Geburtsklinik in Mariupol

Unzählige Kriegsverbrechen von russischen Truppen gegen zivile Ziele sind bereits dokumentiert worden. Tödliche Angriffe auf Krankenhäuser und medizinisches Personal (Quelle), tödliche Angriffe auf fliehende Zivilisten (Quelle), tödliche Angriffe auf Journalisten (Quelle). Oder einfach ein Ausradieren der lokalen Bevölkerung wie jetzt in Butscha bei Kyjiw (Quelle). Kurz nach dem schrecklichen russischen Angriff auf eine Geburtsklinik in Mariupol sprang Putins verlogene Propaganda-Maschine in Aktion.

Sie warfen zynisch den schwangeren Frauen aus dem Krankenhaus vor, „Schauspieler“ zu sein. Ziel war natürlich, ihre Kriegsverbrechen zu leugnen. Sogar eine russische Botschaft schloss sich dieser Lüge an und behauptete felsenfest, dass es sich um eine Schauspielerin handeln solle (Quelle).

Auch die Kreml-Kriegsverbrechen-Leugner und Pro-Putin-Propagandisten auf „Anti-Spiegel RU“ sprangen auf diesen Zug auf und behaupteten, dass es sich um Schauspielerinnen handeln muss (Faktencheck). Das Portal wirbt damit, „fundierte Medienkritik“ zu liefern. Aber was ist daran fundiert, wenn man 1:1 russische Propagandalügen abschreibt und zwar ohne einen einzigen Beleg?

Wir hatten zu diesem Fall berichtet. Unter anderem hatte Lawrow ja ZUGEGEBEN, dass es einen Luftangriff auf das Krankenhaus gab. Er leugnete NUR die zivilen Opfer. Behaltet das im Hinterkopf:

Lawrow gibt Bomben auf Geburtsklinik in Mariupol zu, lügt über tote Zivilisten

Angebliche „Schauspielerin“ laut Russland jetzt plötzlich doch keine mehr?

Denn das ist wichtig: Die russische Propaganda von vor zwei Wochen behauptete ja, es gäbe in der Geburtsklinik keine Zivilist:innen, sondern nur einen Armeestützpunkt. Offensichtlich falsch, wir haben ja alle die Bilder gesehen, es gab enorm viele Augenzeugenberichte. Unter anderem von der Associated Press, die 20 Tage im besetzten Mariupol filmten (hier ihr Bericht), bevor sie aus Angst vor Gefangennahme durch russische Truppen evakuieren mussten.

Aus ihrem Bericht: „Wenn sie dich fangen, werden sie dich dazu zwingen, vor der Kamera zu sagen, dass alles, was du gefilmt hast, gelogen ist.“ Es gibt außerdem Satellitenbilder von vor und nach dem Angriff, jeder kann sich also überzeugen, dass er stattgefunden hat und enorme Zerstörung angerichtet hat (Quelle).

Wenige Stunden VOR dem Angriff behauptete die Sprecherin des russischen Außenministeriums Sacharova bereits, dass in dem Krankenhaus keine Zivilisten mehr seien, sondern nur noch Soldaten (Quelle). Offenbar war der Angriff also geplant. Putins Propaganda lügt einfach am laufenden Band.

Putins Propaganda teilt „Interview“, nachdem sie Marianna „evakuiert“ haben

Offenbar ist es gelungen, Marianna, die inzwischen bekannte Frau, die das russische Kriegsverbrechen überlebte, auf russisch kontrolliertes Territorium zu „evakuieren“. Das ist ein Widerspruch zum Evakuierungs-Abkommen mit der ukrainischen Regierung, das laut dem neutralen Roten Kreuz eigentlich nur Evakuierungen auf ukrainisches Territorium erlaubt (Quelle).

In einem stark geschnittenen Interview wird nun Marianna von der russischen Propaganda benutzt. Es ist unklar, ob sie unter Druck stand, während sie das Interview gab. Verschiedene Dinge sind offenbar bewusst vage gehalten und so geschnitten, dass sie Raum für Verschwörungstheorien lassen. Aber der wichtigste Punkt ist: Marianna stellt komplett klar, dass das Krankenhaus eben nicht leer war und sie und andere Zivilist:innen dort waren, als es zur Explosion kam. Dinge, die Russland zuvor dreist geleugnet hatte. Und den anderen Punkt, dass das Krankenhaus von russischen Truppen bombardiert wurde, haben Lawrow und andere ja schon zugegeben.

Hier widerspricht dieses von russischer Propaganda verbreitete Interview klar der früheren russischen Propaganda und bestätigt unseren letzten Faktencheck. Richtig peinlich für die russische Propaganda, dass sie so extrem inkonsistent und schlecht gemacht ist, dass sie UNSEREN Faktencheck bestätigt. Sie faktenchecken sich quasi aus Versehen selbst!

Russische Propaganda bestätigt versehentlich unsere Faktenchecks

Der Angriff war echt und hat mehrere Zivilist:innen das Leben gekostet. Was die lügenden und mordenden Schergen Putins zuerst geleugnet haben. Unter anderem verstarb die schwangere Frau, die auf der Bahre aus dem Krankenhaus getragen worden war, an ihren Verletzungen, genauso wie ihr ungeborenes Kind (Quelle).

Marianne behauptet jetzt in dem Video, sie hätten keine Flugzeuge gehört (bei Freifallbombe hätte auch eine hohe Flughöhe dafür der Grund sein können), Lawrow behauptet aber, es hätte einen Luftangriff gegeben. Auch viele Waffenexperten sprechen von einer Fallbombe als wahrscheinlichster Ursache (Quelle). Auch die von AP News vor Ort interviewten Personen sprachen von einem Luftangriff. Zuvor war ein Flugzeug zu hören gewesen (Quelle).

Kein Zweifel an russischen Kriegsverbrechen

Überhaupt erstmal ist der Angriff von Russland auf die Ukraine ein illegaler Angriffskrieg (Gerichtsurteil des Internationalen Gerichtshofs). Ihr könnt euch noch weiter überzeugen, dass Russland eben nicht nur militärische Ziele angreift, indem ihr euch dieses Drohnen-Video anseht:

Mariupol ist größtenteils komplett zerstört durch Putins Luftangriffe und Beschuss. Es kann uns niemand weismachen, dass das alles militärische Ziele sein sollen. Putins Truppen haben einfach wie Feiglinge aus der Ferne und aus der Luft die komplette Stadt dem Erdboden gleichgemacht.

Russische Propaganda-Lügen widersprechen sich ständig selbst

Wir haben auch bereits Truppen-Stellungen von Putins Streitkräften analysiert, die klar zeigen: Mariupol ist von russischen Truppen umstellt. Unter anderem die deutsche Putin-Propagandistin Alina Lipp hatte behauptet, dass ukrainische Truppen die eigene Stadt von „außerhalb“ beschießen würden. Doch „außerhalb“ von Mariupol sind nur russische Truppen, wie öffentlich verfügbare Datenquellen zeigen (Quelle). Hier auf der Karte in grün sind Sichtungen russischer Truppen dargestellt:

Russische Propaganda legte Satellitenbilder vor, die allerdings zehn Kilometer vom Standort des Krankenhauses entfernt waren, um zu „belegen“, dass dort ukrainische Truppen stationiert gewesen seien. Nach Putins Logik kann man also praktisch alles im Umkreis von zehn Kilometern um ukrainische Soldaten herum dem Erdboden gleichmachen:

Das mag die Strategie der feigen russischen Generäle sein, ein Bruch der Genfer Konvention ist es trotzdem.

Selbe Strategie wie in Syrien

Einen ähnlichen Vorfall gab es bereits in Syrien. Dort ging nach einem Luftangriff durch Assads Truppen auf Aleppo das Bild eines kleinen Jungen mit dem Gesicht voller Staub um die Welt. Hier ein Artikel voller Evidenz, dass der Luftangriff wirklich stattgefunden hat. Hier ein Video, wie Aleppo nach dem Bombardement durch Assads Truppen aussah.

Assad behauptete zuerst, die Bilder des Jungen wären ein „Hoax“. Als die Truppen Aleppo dann eingenommen hatten, erschienen der Junge und sein Vater auf einmal im streng kontrollierten Staatsfernsehen, wo beide „zufälligerweise“ Pro-Assad Positionen vertraten und die Opposition diskreditierten (Quelle). Klingt vertraut? Glaubt den russischen Kriegsverbrechern und Dauerlügnern kein Wort. Sie haben die Geburtsklinik in Mariupol bombardiert und Zivilist:innen getötet. Dafür müssen sie zur Rechenschaft gezogen werden.

Artikelbild: shutterstock.com / Screenshots

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