Dugin: Ausführliche Analyse des neofaschistischen Vordenkers hinter Putin

| Recherche AfD | 21. März 2022

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Eine ausführliche Analyse des neofaschistischen Ideologen hinter der russischen Neuen Rechten und Putin: Alexander Dugin.

Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus

Никогда больше войны – никогда больше фашизма

„So läuft der Unterschied zwischen traditionellen und modernen politischen Lügen im Grunde auf den Unterschied zwischen Verbergen und Vernichten hinaus.“

—  Hannah Arendt, Buch Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft

Vorwort

Dieser Artikel ist extrem lang, weil ihr hier sehr sehr viele Informationen findet. Der Artikel ist so lang, dass unser Quellenverzeichnis in einem extra Artikel vermerkt werden musste, nämlich hier.

Als Putin „besondere militärische Operationen“ in der Ukraine ankündigte, sprach er von einer „Entnazifizierung“ der ukrainischen Regierung. Und ja, dass es in der politischen Galaxie des ukrainischen Nationalismus Gruppen mit Nazi-Sympathien gibt und entsprechenden Gedanken gibt, hier als Beispiel Asov und deren Kontakte zum deutschen, neonazistischen „III. Weg“, „die Rechte“ und bis in die AfD und Identitäre Bewegung, ist  eine Tatsache! 

Warum der Vorwand dennoch nur Kriegspropaganda ist, lest ihr dazu hier: 

Putins Propaganda-Mythos von „Entnazifizierung“ der Ukraine widerlegt

Und doch sollte Putins Russland vielleicht zu Hause schauen, wenn es um die Entnazifizierung geht.

Man könnte zum Beispiel über die Figur des Vordenkers Aleksandr Dugin nachdenken. Eine Art Ideologe der Linie oder „Vision“ des Kremls. Dugin hat den Spitznamen „Putins Rasputin“ erhalten, und das nicht nur wegen seiner Ähnlichkeit mit dem russischen Mystiker, dem privaten Berater der Romanows und einer sehr einflussreichen Figur unter Nikolaus II. von Russland.

Dugin schrieb das Strategiehandbuch, das Putins Außenpolitik prägte. Eine Strategie, die vor einigen Jahren vorgestellt wurde. Dugin war nicht nur Berater von Duma-Abgeordneten und Putin, sondern auch Gründer und Mitglied der Bolschewistischen nationalen Partei, der Bolschewistischen nationalen Front und der Eurasischen Partei. Sinnbildlich ist der von ihm geprägte Slogan: „Russland ist alles, der Rest ist nichts!“. Das von Dugin selbst entworfene Symbol des Nationalbolschewismus weist merkwürdigerweise mehrere Bezüge zur Geschichte der Nazi-Symbolik auf. Auch ist es eine Tatsache, dass der Nationalbolschewismus prekäre Ähnlichkeiten zum Programm der NSDAP aufweist.

Ähnlichkeiten zum Programm der NSDAP

Außerdem macht Aleksandr Dugin in seinen Schriften keinen Hehl aus seiner Bewunderung für die Waffen-SS, indem er für die Notwendigkeit plädiert, in Russland einen „radikal revolutionären und kohärenten faschistischen Faschismus“ zu schaffen. Dugin ist auch der Meinung, dass das Internet verboten werden sollte, und hat erklärt, dass Chemie und Physik dämonische Wissenschaften sind. Der Neo-Rasputin“ des russischen Präsidenten hat auch die Eurasische Jugendunion gegründet, die ukrainische Nationaldenkmäler verwüstet hat. Aus diesen Gründen sind sowohl die Bewegung als auch Dugin selbst aus der Ukraine verbannt.

Quelle: Mit seiner zerzausten Kleidung und seinem langen Bart wirkt Dugin wie ein orthodoxer Mystiker und hat eine unheimliche Ähnlichkeit mit dem berüchtigten Mönch Grigori Rasputin. Im Westen würde ein Philosoph wie Dugin, der seine Bewunderung sowohl für den Satanismus als auch für die Waffen-SS zum Ausdruck bringt, als Spinner abgetan werden – Verkündungen, dass nationale Größe in einem „echten, wahren, radikal revolutionären und konsequenten, faschistischen Faschismus“ zu finden sei, würden weder bei Kollegen noch in der breiten Öffentlichkeit Anklang finden. In Russland jedoch ist Dugin ein Berater hochrangiger Mitglieder von Putins Partei Einiges Russland. Noch beunruhigender ist, dass sein Werk Foundations of Geopolitics von 1997 laut Foreign Policy seit einer Generation zur Pflichtlektüre für Studenten an der Militärakademie des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation gehört.

Dugin, der in den letzten Tagen der Sowjetunion aus dem antikommunistischen Rechtsaktivismus hervorging und eine spezifisch antiliberale und aufklärungsfeindliche Philosophie des Autoritarismus, Irrationalismus und Hypernationalismus vertrat, träumt von einem wiedergeborenen orthodoxen Zarenstaat, der die Grenzen und Einflusssphären überschreitet, die vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1989 bestanden – von einem Noworossija, das nicht auf sozialistischen, sondern auf faschistischen Grundsätzen beruht. Und wenn man wissen will, was die Faschisten vorhaben, ist es klug, darauf zu achten, was sie wörtlich sagen.

Der Begriff „Eurasien“ klingt vertraut, da er in Orwells „1984“ vorkommt. Und hier wird sie durch die Suggestion, die sie hervorruft, noch beunruhigender. Nach der Orwellschen Erzählung im Roman 1984 ist Eurasien nämlich eine der drei kontinentalen Supermächte, die nach dem von George Orwell erfundenen hypothetischen Atomkrieg in den 1950er Jahren entstanden sind. Die von dem großen britischen Schriftsteller vorgeschlagene Regierungsform ist der Neo-Bolschewismus, der aus der Asche der Kommunistischen Partei der Sowjetunion entstanden ist.

Für Dugin ist 1984 keine Dystopie, sondern ein Wunsch

Für Dugin ist dieser dystopische Roman daher keine Warnung, sondern ein anzustrebendes Modell. Als alter sowjetischer Philosoph ist Dugin antikapitalistisch, antiliberal, anti-demokratisch und pro-diktatorisch. Für Dugin ist nicht Lenin, sondern Stalin der große ideologische Held. Wie Putin glaubt auch Dugin, dass die Auflösung der Sowjetunion eine Katastrophe war. Dugin schlägt in seinen Schriften die gewaltsame Wiedererrichtung des Sowjetimperiums vor. Als Putin 2008 in Georgien einmarschierte, forderte Dugin ihn auf, die Ukraine anzugreifen.

Der postsowjetische Philosoph und Berater der Putin-Elite ist nicht nur ein Ideologe des Neobolschewismus, sondern paradoxerweise auch ein Held und eine Inspiration für die westliche extreme Rechte. Weiße Rassisten und Alt-Right-Anführer in Charlottesville verehren ihn.

Im Jahr 2008 traf er sich mit dem Trump-Berater und rechtsextremen Aktivisten Steve Bannon und sprach mit ihm. Es gibt viele, die glauben, dass die Gründe für Trumps nachgiebiges Verhalten gegenüber Putin mit eben diesem Treffen zwischen Bannon und Dugin zu tun haben. Aleksandr Dugin hat mehr als 30 Bücher geschrieben, doch das bei weitem bedeutendste ist das 1997 erschienene Buch Fundamentals of Geopolitics.

Dieses Werk wurde als Lehrbuch an der Generalstabsakademie der russischen Armee verwendet. Sie wird auch in russischen Schulen empfohlen. In den Grundlagen der Geopolitik wurden sehr präzise Ziele für die Architektur von „Großrussland“ festgelegt. So sprach sie sich beispielsweise dafür aus, Großbritannien politisch vom übrigen Europa abzuschneiden. Das wurde dann durch den Brexit realisiert.

Um aber Dugin zu erklären muss man weit zurück und zwar in die Mitte der achtziger Jahre!

Seit der Wendezeiten und Glasnost in der Sowjetunion haben gerade deutsche Rechtsextremisten und Neonazis Kontakt zu Gleichgesinnten in Russland gesucht. Ein Beispiel ist die DVU, aber auch die NPD. In der Jelzin-Ära waren die Kontakte zwischen russischen Politikern und der europäischen/amerikanischen extremen Rechten spärlich. Man könnte sich auf vier Hauptbereiche dieser Kontakte konzentrieren, die von Aleksandr Dugin,  Sergey Glazyev,  Pavel Tulaev und  Vladimir Zhirinovsky hergestellt wurden.

Neonazismus & Neofaschismus in Deutschland von 1945 bis 1980 – Netzwerke, Strukturen, Verbindungen, Spender

Wladimir Schirinowski, der Führer der irreführend als liberal (Sie ist rechtsextrem,ultranationalistisch) bezeichneten Liberaldemokratischen Partei Russlands (LDPR), versuchte bereits Anfang der 1990er Jahre, Beziehungen zu europäischen rechtsradikalen Parteien zu knüpfen. Eduard Limonow von der Nationalbolschewistischen Partei machte Schirinowski im Herbst 1992, als er in Frankreich lebte, mit Jean-Marie Le Pen, dem damaligen Vorsitzenden des Front National (FN), bekannt. Diese Begegnung erwies sich für Schirinowski als vorteilhaft, da der FN später „logistische Unterstützung [für die LDPR] leistete, einschließlich Computern und Faxgeräten, die in Moskau zu dieser Zeit Mangelware waren“.

Bereits bei seinem ersten Treffen mit Le Pen schlug Schirinowski die Gründung des internationalen Zentrums der Rechtsparteien in Moskau vor und lud Le Pen in die russische Hauptstadt ein. Le Pen, so Limonow, „beschränkte sich darauf, das Projekt zu loben“. Als Le Pen 1996 schließlich Moskau besuchte, sprach Schirinowski erneut von der Gründung eines gesamteuropäischen rechtsextremen Bündnisses unter dem Namen „Union der rechten Kräfte Europas“. Damals wurde dieses Projekt nicht verwirklicht, aber Schirinowski nahm diese Idee wieder auf – und verwirklichte sie in gewissem Maße, nachdem Wladimir Putin russischer Präsident geworden war.

Ein weiterer wichtiger ausländischer Kontakt Schirinowskis in der Jelzin-Ära war die rechtsextreme Deutsche Volksunion (DVU) unter der Führung des inzwischen verstorbenen Gerhard Frey, des „millionenschweren Medienzaren“, der mehrere Zeitungen besaß und herausgab und auch der Hauptsponsor seiner Partei war. Bereits 1992 sprachen Schirinowski und Frey auf den Parteitagen des jeweils anderen. Nach dem überwältigenden Sieg bei den Parlamentswahlen 1993 – die LDPR erhielt 22,92 % der Stimmen – traf Schirinowski in München auf dem Weg nach Österreich erneut mit Frey zusammen, wo der LDPR-Vorsitzende einige Tage in Begleitung von Edwin Neuwirth verbrachte, „einem örtlichen Industriellen, Holocaust-Leugner und stolzen ehemaligen Mitglied der Waffen-SS“. Im Jahr 1994 unterzeichneten die LDPR und die DVU ein Freundschaftsabkommen.

Laut dem russischen Journalisten Leonid Mlechin, der mit einem der Leiter der Anti-Extremismus-Abteilung des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz sprach, unterstützte Frey die LDPR finanziell „im Austausch für das Versprechen, die Oblast Kaliningrad an Deutschland zurückzugeben, nachdem Schirinowski Präsident Russlands geworden war“. Frey selbst schrieb, dass „wenn Herr Schirinowski in Russland an die Macht käme, er mit Deutschland über die Rückgabe der verlorenen Provinz Ostpreußen verhandeln würde“. In der Tat schlug Schirinowski in seinem Buch Der letzte Vorstoß nach Süden vor, Deutschland in seinen Grenzen von 1937 wiederherzustellen. Die Bereitschaft Schirinowskis, sich von der Oblast Kaliningrad zu trennen, schien der DVU wichtig zu sein, die darauf bestand, dass Pommern, Schlesien und Ostpreußen an Deutschland zurückgegeben werden.

Vladimir Zhironovsky und Gerhard Frey in München, 1993

 

Es liegt die Vermutung nahe, dass Schirinowskis Auslandsbeziehungen nicht ausschließlich ideologischer Natur waren, sondern auch ein erhebliches finanzielles Interesse beinhalteten. So untersuchten die deutschen Behörden 1994, ob Schirinowski über seinen deutschen Kontaktmann Werner Girke, der für die ostdeutschen Kommunisten ausländische Finanzanlagen verwaltete und ihnen geholfen haben soll, diese Gelder verdeckt in westliche Unternehmen zu investieren, mit dem Geld des untergegangenen DDR-Regimes finanziert wurde. 1996 verdächtigte die italienische Polizei Schirinowski, in den Handel mit Nuklearmaterialien verwickelt zu sein, an dem auch Licio Gelli beteiligt war, ein faschistischer Aktivist seit den 1930er Jahren und Großmeister der Freimaurerloge Propaganda Due (P2).

Zu Schirinowskis weiteren rechtsextremen Kontakten in der Jelzin-Ära gehörten Zmago Jelinčič, der Führer der Slovenska Nacionalna Stranka (Slowenische Nationale Partei), und Vojislav Šešelj, der Gründer und Führer der Srpska Radikalna Stranka (Serbische Radikale Partei). Darüber hinaus unterstützte Schirinowski 1997 die separatistischen Bestrebungen der Lega Nord von Umberto Bossi, die einen Staat namens „Padania“ in Norditalien schaffen wollte. Bossi freute sich über die Unterstützung seines Sezessionsprojekts durch „die dritte politische Kraft des russischen Parlaments“, während Schirinowski an der Eröffnungssitzung des padanischen „Parlaments“ teilnahm und erklärte, dass er, wäre er russischer Präsident, die Unabhängigkeit Padaniens anerkennen würde.

Auch die Verbindungen von Putin in seiner Dresdener Zeit sollten allgemein nochmal geprüft werden. Hier in einem kurzen Beispiel der verstorbene Neonazi und Stasi-Spitzel Rainer Sonntag.

Eine der interessantesten Operationen Putins ist sein Umgang mit Rainer Sonntag als KGB-Agent. Sonntag war ein berüchtigter Neonazi, der in Ost- und Westdeutschland bekannt war. Der Neonazi und Kleinkriminelle wird in den 1980er Jahren von Georg S. rekrutiert; damit ist Putin für die Kontrolle von Sonntag verantwortlich. Da Putin den Auftrag hat, Agentenmultiplikatoren zu finden, ist es Sonntags Aufgabe, das Agentennetz mit ihm bekannten Personen wie Mitgliedern der Neonazibewegung zu erweitern.

Sonntag wird 1987 nach Westdeutschland abgeschoben und macht Karriere als enger Vertrauter des Neonazi-Führers Michael Kühnen. Ein Agent, der Putin unterstellt ist, kann nur mit dessen Erlaubnis abgeschoben werden. Sonntag ist nun ein „Agent im Einsatzgebiet“, also ein Spion in Westdeutschland. Er hält den Kontakt zu Georg S. und über ihn zu Putin.

Nach dem Fall der Berliner Mauer kehrt Sonntag nach Ostdeutschland zurück, so Zuchold. Am Grenzübergang Hirschberg lässt sich Sonntag von seinem Kontrollbeamten Georg S. abholen. Zurück in Dresden hilft Sonntag, die ostdeutsche Neonazi-Szene zu organisieren. Seine Rückkehr verhilft der rechtsextremen Bewegung in Dresden zu schnellem Aufschwung.

 

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