Naidoo: Leugnet Corona, will Deutschland verklagen & mit rechtsextremem Rapper arbeiten

| Kommentar | 24. April 2020

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Naidoo leugnet Corona

In dieser für uns alle nicht einfachen Lage treiben sachlich berechtigte und weniger berechtigte Ängste viele Menschen in die offenen Arme der Verschwörungsideolog*innen und selbsternannten Systemkritiker*innen des rechten Spektrums.

Schon sind wir schnell wieder beim selbst ernannten Rassisten Xavier Naidoo, der vor ein paar Tagen in einem YouTube-Interview von seinem guten Draht zum rechtsextremen und bereits vom Verfassungsschutz beobachteten Rapper Chris Ares schwärmte und eine kommende Zusammenarbeit mit den Worten „Mit Chris Ares stehe ich sowieso in Kontakt […] und ich mag ihn auch. Von dem her ist alles möglich.” nicht ausschloss.

Kurz darauf ließ sich Chris Ares („Ich bin rechts und unser Kommen ist europaweit zu spüren / Bin im Recht und jetzt erst recht brechen Teutonen über Dünen / Übernehmen jedes Land, das ist die Rückkehr der Germanen / Ja wir opfern unser Dasein nur aus Rücksicht auf die Ahnen”) nicht lange bitten und befragte seine Fans und Follower, wie sie eine Zusammenarbeit fänden (Quelle).

 

Naidoo endgültig in der rechtsextremen Szene

Wir reden von Xavier Naidoo, der sich für keine Verschwörungstheorie mehr zu schade ist, dessen Maske (keine Corona-Maske, dazu kommen wir noch) 2020 und während der Krise auch ohne Pro7 und auch für RTL seit mehreren Monaten komplett gefallen ist. „Masked Singer“ hatte ich als Konzept immer anders verstanden.

 

Nachdem er viele Jahre Anlauf nahm, versucht er sich seit 2020, untypisch für seine Musik, quasi offen im (rechtsextremen) Stagediving. Getragen wird er sowohl vom Publikum als auch Backstage im Shitstormbereich von rechten YouTuber*innen wie Oliver Janich, Niki oder dem vom Verfassungsschutz beobachteten Compact Magazin (mehr dazu). Mehr zum Thema:

Mario Götze musste Video löschen: Naidoo inszeniert rechte Aluhut-Shitstorms

ES WAR WIEDER SOWEIT

Nachdem Xavier zuerst die Existenz von Viren an sich diese Woche in Frage stellte (Quelle) und wieder einmal über den bevorstehenden Bevölkerungsaustausch schwadronierte (Quelle), ließ er es noch einmal richtig krachen. In einem kurzen Video-Statement vom 22.04.20 auf YouTube erklärt ein wieder einmal sehr aufgewühlt wirkender Xavier Naidoo, im Auto sitzend, gegen die “Verantwortlichen” in dieser Corona-Krise/Pandemie, die Shutdowns oder Maskenpflicht veranlasst haben, rechtliche Schritte prüfen zu wollen. Er hofft, die Verantwortlichen (und seine eigenen Fans) vor Gericht zu treffen (Quelle).

Kurze Zeit später setzt die Musik ein, während sich Xavier „zu Diensten“ meldet und Masken als ‚für‘ n Arsch“ bezeichnet und an ALLE appelliert, sich „doch nicht mehr verarschen zu lassen“. Dramatisch wird die falsch herum aufgesetzte OP-Maske weggeworfen und voller Inbrunst in ein eigenes älteres Lied eingestimmt, das aus dem Autoradio ertönt. „Und was bitte schön erzählt ihr uns morgen? Welche Sau treibt ihr dann wieder durchs Dorf? Das heißt, was schafft Angst, Kummer und Sorgen?“

Die Musik verstummt und seine Tirade geht weiter:

„Ihr könnt uns jetzt alles erzählen. Wir tragen Mundschutz, der Kopfschmerzen verursacht. Was tut ihr uns an? Lieber Herr Spahn, lieber Herr Drosten, böse Frau Merkel, es tut mir leid. Wir können das nicht mitmachen.“

„Nicht nur, dass Sie unsere Wirtschaft an die Wand fahren. Sie bringen unsere Alten um. Wenn ich Ihnen Böses wollte, dann könnte ich sagen, wir wissen, dass sie die Rentenkassen geplündert haben und wollen jetzt, dass so viel wie möglich Rentner – ich will es gar nicht aussprechen.“ (Wie bringt man denn “die Alten” um? Wer überhaupt? Und warum?)

„Wir müssen diese Dinge tragen und damit zeigen, dass wir unser Hirn abgegeben haben. Bringt uns verdammt noch mal Beweise, um uns zu zeigen, dass dieses Ding echt ist. Lasst uns wieder zu unseren Alten gehen. Meine Fresse. Manche Leute sind demenzkrank, die haben gar keine Ahnung, warum sie dieses Ding überhaupt anhaben.“ (Die Beweise sind da, tausendfach! Du musst sie halt auch mal akzeptieren)

„Ihr bringt gerade Deutschland um, wenn ich es nicht besser wüsste, dass sie alle verlieren werden, die dies anstreben, dann würde ich sagen: Wow, ihr habt es geschafft. Aber ihr habt gar nichts geschafft. Jetzt geht es nämlich erst richtig los: Wir wehren uns! Ich persönlich gehe vor Gericht. Mir reicht es.“ (Moment, wer bringt “Deutschland” um, wenn nicht das Virus? Und wie überhaupt? Das Virus existiert nicht, aber die Toten? Macht irgend etwas an dieser wirren Geschichte Sinn?)

Kurz zusammengefasst also der schräge Vorwurf einer vorgetäuschten Pandemie, deren Existenz wohl niemand mehr wirklich beweisen muss und der unsinniger Maßnahmen für eine vermeintlich viel größere Sache. Hier haben die geneigten Zuschauer*innen die Wahl, sich entweder für die Ausrottung der Rentner*innen und die Plünderung der Rentenkassen oder für den gewollten Wirtschaftscrash begeistern zu lassen. Wer weiß, was die „böse Frau Merkel“ hier noch alles ausheckt, um ihr Volk zu drangsalieren! Warum macht sie das eigentlich? Nebensächlich für den Verschwörungsmythos ist die Suche nach einem Motiv. Folgerichtig ist eines: Xavier will sie alle vor Gericht sehen.

Folgerichtig ist aber auch etwas anderes: Eine Überprüfung aller zukünftig geplanten Konzerte des ideologisch braunen Barden, so wie es die Stadt Dortmund gerade prüft (Quelle). Wenn ich seiner Logik weiter folge, müssten wir auch hinterfragen, ob er überhaupt ein Sänger ist oder jemals war.  Schön war die Zeit, in der eine Renaissance absurder rechter Theorien noch im Kino für Lachen sorgen konnte (wie in der Romanverfilmung “Er ist wieder da”). Die Realität 2020 hat uns ein- und überholt. Wir dürfen gespannt sein, wie diese Realsatire weitergeht. „So sad“, wie ein anderer bekannter Verschwörungsideologe mal sagte.



Artikelbild: Screenshot youtube.com

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