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Faktenchecks zu Ukraine, die nicht um Leben und Tod gehen

von | Mrz 7, 2022 | Aktuelles, Analyse, Ukraine

Faktenchecks zu Ukraine, wo niemand stirbt

Die Situation in der Ukraine und Putins Invasion ist düster und schrecklich. Krieg ist Krieg und dementsprechend brutal. Auch gibt es viel Desinformation, gezielt als Propagandainstrument von Putin-nahen Medien, aber auch falsche Zuschreibungen, urban legends und Missverständnisse von anderen Seiten. Wir arbeiten gemeinsam mit vielen Faktenchecker:innen und Journalist:innen kollektiv daran, für diverse Richtigstellungen zu sorgen und kommen natürlich nicht hinterher. Es ist eben auch eine emotionale Zeit und nichts lässt Fake News leichter verbreiten, als Emotionen.

Wer eine Übersicht über diverse Faktenchecks rund um die Ukraine sucht, die aber explizit nicht direkt mit Krieg und Tod zu tun haben, sondern gerade etwas „Leichteres“ braucht, für die haben wir das hier zusammengestellt.  Achtung: Diese Faktenchecks vermeiden den Tod, jugendfrei sind sie deswegen aber trotzdem nicht zwangsläufig 😉 !

1. Dieses Straßenschild mit Richtungen wie „F*ckt euch ist nicht echt

Die russische Übersetzung der Worte auf diesem Straßenschild ist knapp und lautet: „F— dich“, „F— dich wieder“ und „F— dich zurück nach Russland“. Dies ist jedoch kein echtes Foto. Der Schriftzug auf einem authentischen Foto des Schildes – das von einer ukrainischen Regierungsbehörde veröffentlicht wurde – wurde digital verändert.

Am 26. Februar kündigte Ukravtodor, die für das ukrainische Straßennetz zuständige Behörde, auf Facebook an, Straßenschilder zu entfernen, um russische Truppen abzuschrecken. Die Ankündigung enthält das Bild des veränderten Straßenschilds.

„Helfen wir ihnen, direkt in die Hölle zu fahren“, schrieb die Agentur in ihrem Posting. „Ukravtodor fordert alle Straßenorganisationen, Gebietskörperschaften und lokalen Regierungsbehörden auf, sofort mit der Demontage von Straßenschildern in der Nähe zu beginnen.“

Die Agentur teilte dem US-amerikanischen Faktenchecerk PolitiFact in einer E-Mail mit, dass ihr Facebook-Post ernst gemeint sei, aber das Schild sei mit Photoshop bearbeitet worden, um die Menschen zu ermutigen (Quelle).

2. Wodka Gorbatschow ist nicht russisch, sondern deutsch

Im Zuge der teils voreiligen Bemühungen einer Bürger:innen, russische Produkte zu boykottieren, fragten sich viele, ob Wodka Gorbatschow ebenfalls ein russisches Produkt sei. Die Wodka-Marke wird allerdings seit 1921 in Berlin hergestellt (Quelle). Die Marke ist auch nicht nach dem ehemaligen sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow benannt, sondern nach dem Gründer Lew Leontjewitsch Gorbatschow.

https://twitter.com/philippvetter/status/1499387127838224391?s=20&t=Vb5MKYJ3wUcNP2JwuA19EA

3. Nein, Pornhub ist in Russland nicht gesperrt

Die Meldung, das angeblich in der ganzen Reihe an Sanktionen gegen Russland und der Boykott vieler Marken und Dienstleistungen auch eine Sperrung der Porno-Plattform Pornhub sein soll, ging ebenfalls viral.

https://twitter.com/reiseholic/status/1497332792866267140

Allerdings entspricht das nicht der Wahrheit (Quelle). Mindestens drei Faktenprüfer – Logically, Butac und Snopes – haben ein Software-Tool namens VPN verwendet, um einen Besuch bei Pornhub aus Russland zu simulieren. Alle drei bestätigten, dass es normal zu funktionieren schien. Andere Twitter-Nutzer haben dies ebenfalls bestätigt. Pornhub wurde in der Vergangenheit in Russland blockiert, aber man konnte außer diesen Beiträgen in den sozialen Medien keine Beweise dafür finden, dass es nach dem Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 blockiert wurde.

Ein Video zum Thema:

YouTube player

4. Miss Ukraine nimmt nicht an Kämpfen teil

In den sozialen Medien verbreitet sich derweil eine Behauptung über die ehemalige Miss Ukraine Anastasiia Lenna. Es wird behauptet, dass die ehemalige Miss Ukraine, die ihr Land beim Schönheitswettbewerb Miss Grand International 2015 vertrat, dem Militär beigetreten sei, um gegen die russischen Streitkräfte zu kämpfen.

https://twitter.com/SkyNews/status/1497988095161081863

Das Team von „Logical Indian Fact Check“ hat die Behauptung überprüft und für falsch befunden. Auf Instagram stellte Anastasia Lenna klar, dass sie nicht der Armee beigetreten ist und dies auch nicht vorhat. In ihrem Beitrag schrieb Leena: „I AM NOT A MILITARY, JUST A HUMAN“ Deutsch: „Ich bin kein Militär, nur ein Mensch“ [sic]. Weiter schrieb sie: „Ich bin kein Militär, nur eine Frau, nur ein normaler Mensch. Nur ein Mensch, wie alle Menschen in meinem Land. Ich bin auch eine Airsoft-Spielerin seit Jahren. Ihr könnt googeln, was #airsoft bedeutet. Alle Bilder in meinem Profil sollen die Leute inspirieren.“ [sic]

Das bedeutet eindeutig, dass die Behauptung falsch ist. Sie ist nicht der ukrainischen Armee beigetreten. Das ganze Missverständnis begann, als Anastasiia Leena ein Bild auf ihrem Instagram-Konto postete, auf dem sie mit einer Waffe in der Hand zu sehen ist. Die Bildunterschrift enthält einen Hashtag mit der Aufschrift #StandWithUkraine. Seit diesem Foto, auf dem sie eine Waffe in der Hand hält, glauben die Menschen und die Mainstream-Medien, dass sie der ukrainischen Armee beigetreten ist, ohne nachzufragen (Quelle).

5. Eine Ukrainerin hat nicht mit einem Gurkenglas eine russische Drohne aus der Luft geholt – es waren eingelegte Tomaten!

Vor einigen Tagen ging die Geschichte viral, dass eine Ukrainerin eine russische Drohne auf ihrem Balkon mit einem Gurkenglas aus der Luft geholt habe.

https://twitter.com/TsybulskaLiubov/status/1500075457798189057

Und offenbar ist die Geschichte wahr! Zumindest fast: Es war ein Glas eingelegter Tomaten. Die Seite liga.net soll die Frau gefunden haben. Sie erzählte, sie war rauchend auf dem Balkon, als sie eine Drohne sah. Aus Angst griff sie zum nächstbesten Gegenstand und soll damit die Drohne getroffen haben.

https://twitter.com/kgorchinskaya/status/1500840773822169090?s=12

Fazit: Vorsicht, auch bei „guten“ Geschichten

Diese obskure Geschichte scheint diesmal der Wahrheit zu entsprechen, aber seid vorsichtig beim Teilen von unbestätigten Nachrichten oder auch tollen Geschichten per Memes oder Tweets. Auch wenn sie positiv aus der Sicht der Ukraine sind, müssen sie deshalb nicht gleich wahr sein. Umgekehrt ist auch nicht zwangsläufig jedes Video, das von Putins Medien stammt, gleich aufwändig mit CGI und Greenscreen gefälscht. Wie diese Geschichte hier mit den Flugbegleiterinnen. Das Gespräch mag eine PR-Inszenierung sein, für computerbearbeitete Szenen gibt es jedoch keine Belege:

Faktencheck: Kein Beleg, dass Putins Stewardess-Video gefälscht ist

Artikelbild: pixabay.com, CC0 / Screenshots

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