Bill Gates warnte bereits 2015: Steht uns die nächste Pandemie schon bevor?

| Gastkommentar | 2. Januar 2021

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Steht uns die nächste Pandemie schon bevor?

Gastautorin: Josephin Becker, Biotechnologin

„Die Corona-Pandemie war doch geplant!1!11!!! Bill Gates wusste doch schon 2015 davon!!!11!1“

(Link)

Ja, mittlerweile steht sogar in Bill Gates’ Wikipedia-Eintrag etwas über seine Warnungen vor Pandemien. Tatsächlich findet man auch schon einen Artikel von ihm aus dem Jahr 2010, wo er Bezug zum H1N1-Virus von 2009 nahm und beschrieb, wie viel Glück wir hatten, dass sich dieses nicht zu einer Epidemie entwickelte, da wir für so etwas gar nicht vorbereitet waren.

„Hopefully this outbreak will serve as a wakeup call to get us to invest in better capabilities, because more epidemics will come in the decades ahead and there is no guarantee we will be lucky next time.”
Zu Deutsch: „Hoffentlich dient dieser Ausbruch als Weckruf, um uns dazu zu bringen, in bessere Fähigkeiten zu investieren, denn in den kommenden Jahrzehnten werden weitere Epidemien kommen, und es gibt keine Garantie, dass wir beim nächsten Mal Glück haben werden.“ Quelle

Die Schweinegrippe oder auch H1N1 brachte in den Jahren 2009/2010 eine Letalitätsrate von 0,4 % mit sich und forderte 5700 Tote (Quelle). Schon nach dieser Pandemie gab es vom RKI Empfehlungen zum Schutz der Bürger:innen durch Vermeidung von Händeschütteln, Niesetikette und auch das Tragen von Masken (Quelle).

Vor 10 Jahren haben die Medien aber noch ganz anders kommuniziert, nicht auf Sozialen Medien. Heute können wir durch einen Klick jede Schlagzeile teilen, wodurch sich leider auch viele Fehlinformationen schnell verbreiten. Und wie Herr Gates schon sagte, wir hatten einfach Glück, dass sich dieses Virus nicht so schnell verbreitete und nicht so tödlich war. Wir wären darauf nicht vorbereitet gewesen. Aber es scheint, als wären wir 10 Jahre später auch nicht auf Covid-19 vorbereitet gewesen, hätte uns doch bloß jemand gewarnt….

Tatsächlich beschäftigen sich Wissenschaftler:innen seit Jahrzehnten bzw. sogar seit Jahrhunderten mit den Ursachen von Pandemien.

[Was bedeutet Pandemie eigentlich? Eine Pandemie ist eine örtlich unbegrenzte Ausbreitung einer Krankheit, wobei sich eine Epidemie nur auf einen begrenzten Ort bezieht]

Seit vielen vielen Jahren ist also bekannt, dass uns große Ausbrüche von Krankheiten bevorstehen, wir haben sogar schon viele in den letzten Jahren durchlebt.
Im Jahr 2011 war es EHEC, 2002/2003 SARS, 2004 Vogelgrippe, 2009/2010 Schweinegrippe, 2014-2016 und 2018-2020 Ebola, seit 2019 Covid-19. Vor 2000 gab es natürlich schon viele Pandemien und zwischen den Aufgezählten habe ich sogar einige weggelassen, aber an diese Ausbrüche erinnern wir uns definitiv alle. Und um noch mal Herrn Gates zu zitieren, wir hatten bisher so viel Glück. Doch wir haben leider aus all den Pandemien und leider vielen Menschen, die auch schon an den vergangenen Erkrankungen verstorben sind, nicht gelernt.

Nun, woran liegt das eigentlich, dass die ganzen Wissenschaftler:innen wissen, dass uns Pandemien bevorstehen? Züchten sie etwa die Viren selbst im Labor? Woher kommen die Viren?

Dazu gibt es wahrscheinlich so einige Theorien, doch die am ehesten zutreffende ist, dass wir alle selbst dran schuld sind. Hier haben zum Beispiel schon 2009 einige Wissenschaftler:innen des RKI (Robert Koch-Institut) zusammen getragen, dass der Klimawandel Pandemien begünstigt.

„Die erste Konferenz der Weltgesundheitsordnung (WHO) zu den Auswirkungen des globalen Klimawandels auf die menschliche Gesundheit im April 2008 in Bonn betonte die Auswirkungen des Klimawandels auf die Verbreitung von Infektionskrankheiten.“

Wenn die Temperaturen steigen, dann begünstigt das die Verbreitung von Krankheitserregern

Einige Viren oder Bakterien kommen hauptsächlich in wärmeren Gebieten vor, wenn jedoch die Temperaturen überall auf der Welt steigen, fühlen sich die Erreger auch abseits ihres natürlichen Ursprungs wohl und können sich dann durch Reisende munter verbreiten. Auch einige Tiere, welche Krankheiten übertragen, wie z.B. die Mücke, fühlen sich im Warmen wohl. Auch durch milde Winter können sich Nagetiere, welche Krankheiten mit sich tragen, weiter vermehren. Zudem konnte bereits beobachtet werden, dass sich Pollensaisonen durch wärmere Temperaturen verlängerten, durch die vielen Hitzesommer mehren sich Herz-Kreislauferkrankungen.

[Robert Koch war einer der heute bekanntesten Mitbegründer der Mikrobiologie, er erkannte, dass Bakterien und Viren ursächlich für Erkrankungen sind und brachte somit die Therapie und Prävention vor Krankheiten voran. Quelle]

Doch auch etwas anderes fällt auf: die letzten Pandemien hatten alle irgendwas mit Tieren zu tun. Der Ursprung von Ebola war, dass Menschen Affenfleisch konsumierten, welche das Ebola-Virus trugen.  Schweinegrippe und Vogelgrippe erklären sich von selbst, andere Viren konnten aus Fledermäusen, Dromedaren und anderen Tieren isoliert werden (Quelle). Auch andere Krankheiten, welche nicht zu Pandemien führten, z.B. Pest und Samlonellen, sprangen vom Tier auf den Menschen. Genannt wird dies Zoonose, also Krankheiten, die von Tier zum Menschen oder vom Mensch zum Tier übertragen werden können (psst… deswegen arbeiten im RKI auch Tierärzt:innen, Quelle). (Hier eine schöne Übersicht.)

Wir arbeiten bereits an der nächsten Pandemie

Da wir also mehr und mehr in den Lebensraum von Tieren eindringen, indem wir Wälder roden, Massentierhaltung betreiben und sie konsumieren, riskieren wir immer mehr Pandemien. Und durch den Einsatz von Antibiotika werden wir bald so viele Resistenzen haben, dass wir Krankheiten nicht mal mehr behandeln können.

[Antibiotika funktionieren nur bei bakteriellen Erkrankungen, gegen Viren helfen sie nicht.]

Nun werden wir seit mehreren Jahrzehnten gewarnt, was alles auf uns zukommt, der Klimawandel macht uns wortwörtlich krank (neben Naturkatastrophen und Artensterben). Warum passiert denn eigentlich immer noch nichts dagegen?

Nun ja, die Frage können wir sicher alle beantworten, oder? Wie viele sind bereit ihren Lebensstil zu ändern? Weniger oder gar kein Fleisch essen, saisonale oder regionale Produkte kaufen, keine unnötigen Dinge anschaffen, nachhaltig reisen…

Zudem muss die Politik auch die festgelegten Ziele endlich verfolgen. Anstatt weitere Wälder abzuholzen, um Autobahnen zu bauen und neue Kohlekraftwerke zu eröffnen, in klimaschädliche Projekte zu investieren gibt es etliche Ansätze etwas zu ändern. Gefordert wird eine klimafreundliche Politik auch schon seit Jahrzehnten, dennoch wird das aufgeschoben. Bis die nächste Krise kommt, dann wird wieder kurzzeitig darüber diskutiert, dann stellt man aber fest, dass es ziemlich teuer ist, klimafreundlich zu sein.

Es wird aufgeschoben, bis zur nächsten Krise….

Warten wir also ab, bis die unaufhaltbare nächste Krise kommt, die von den Wissenschaftler:innen ja auch schon vorhergesagt wird, um etwas zu verändern? Soll das ein Problem der kommenden Generationen werden, welche dieses Problem dann aber leider nicht mehr lösen können?

Pandemien gibt es schon immer, mal weniger gefährlich, wenn wir Glück haben, mal gefährlicher, wie im Jahr 2020. Aber sie werden sich sicher häufen und gefährlicher werden, denn obwohl wir uns mitten in einer Pandemie befinden, sind wir immer noch nicht vorbereitet und tun auch nichts dagegen, dass neue entstehen.

Gastautorin: Josephin Becker, Biotechnologin. Artikelbild: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa

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