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Sprachverbot geht nach hinten los: AfD gendert aus Versehen selbst

von | Jul 17, 2023 | Aktuelles

Die rechtsextreme AfD-Fraktion im Stadtrat in Hoyerswerda hat vor Kurzem einen Antrag auf ein Gender-Verbot gestellt – und sich damit gehörig blamiert. Nicht nur verspotteten die anderen Stadtratsmitglieder die Rechtschreib- und Grammatikfehler des AfD-Antrags, die das angeblich nur machten, um die deutsche Sprache zu schützen, indem man nicht gendert. Die Verbotspartei AfD schaffte es doch glatt, im Antrag selbst zu gendern. Der gescheiterte Antrag war ein Musterbeispiel dafür, wie die restlichen demokratischen Parteien die Rechtsextremisten schön auflaufen ließen.

Verbotspartei AfD ausgelacht

„Kein gendergerechte Sprache in der Stadtverwaltung & Co“ [sic] titelte die Verbotspartei AfD in ihrem Antrag. Ja, das sind keine Tippfehler von uns, das hat die AfD so geschrieben. In einem Antrag, in welchem sie sich dafür einsetzt, die deutsche Sprache unverändert zu nutzen. Ups! Die Lausitzer Rundschau hat den Antrag mit dem nicht korrekten Deutsch via Foto sogar dokumentiert.

Screenshot Lausitzer Rundschau

Doreen Schwietzer von der AfD erklärte zusätzlich, ohne den Widerspruch zu sehen: „Wir sind ja eine kulturelle, freie Stadt“, während sie buchstäblich versuchte, diese Freiheit einzuschränken. Und irgendetwas darüber, dass man „Vorbild für die Jugend“ sein solle. Das dürfte der AfD dann wohl deutlich nicht gelungen sein.

Hoyerswerdas Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD) musste glatt lachen wegen der Rechtschreib- und Grammatikfehler des AfD-Antrags. Und nicht nur das: Was die Stadtverwaltung sei, könne er problemlos zuordnen, sagte er. Aber was sei „& Co.“? Welche Eigenbetriebe solle die Stadtverwaltung auffordern, nicht zu gendern? Denn: Die Stadt hat gar keine.

Screenshot @aushoywoj

Linken-Stadtrat Haenel kommentiert: „Der Antrag ist für mich der blanke Populismus“. Denn natürlich interessiert die Rechtsextremisten die deutsche Sprache oder die Freiheit nicht die Bohne, sie möchte nur wie immer emotionale Themen instrumentalisieren, um die Macht im Land zu ergreifen. Dieser Antrag diene allein dazu, Stimmungen in der Bevölkerung aufzugreifen und populistische Ansichten zu verbreiten. Es zeigt, dass das ganze „Freiheit“-Gerede der Rechtsextremisten auch pure Heuchelei ist: Sie selbst sind die größten Feinde der Freiheit.

AfD gendert versehentlich selbst

Für SPD-Stadtrat Jan Kregelin, hauptberuflicher Rechtsanwalt und selbst kein Befürworter des Genderns, ist die Diskussion im Stadtrat überflüssig: „Schon im Grundgesetz steht, dass Männer und Frauen gleichgestellt sind“, sagt er. Solange dies so bleibt, wird es seiner Meinung nach keine Vorschriften geben, wie in Verwaltungen geschrieben werden muss.

Umso witziger, dass im AfD-Antrag die Rechtsextremisten es auch selbst schafften, zu eine „geschlechtergerechte Sprache“ zu verwenden, wie @aushoywoj auf Twitter dokumentierte. Denn ja, auch wenn die AfD das Gendern mit Binnen-I meint, eine „geschlechter- oder „gerechte Sprache“ ist es, wenn generisch maskuline Bezeichnungsformen umgangen werden – eben wie „Bürgerinnen und Bürger“. „Gendern“ ist gleichbedeutend mit „Sprache geschlechtergerecht gestalten“. Falls die AfD das nicht weiß, dann umso schlimmer.

Screenshot @aushoywoj

Doch wie endet die Debatte mit dem Antrag, in dem die AfD selbst gendert? Oberbürgermeister Ruban-Zeh erklärt, dass er praktisch nicht gewährleisten kann, dass in der Verwaltung keine gendergerechte Sprache verwendet wird. Er kann schließlich nicht jedem Bürger oder jeder Behörde außerhalb des Rathauses vorschreiben, wie sie Dokumente verfassen sollen. Daher seine klare Position: Wenn der Antrag angenommen wird, müsste er ihn anfechten. Man muss kein Fan des Genderns sein, um es anderen nicht gleich verbieten zu müssen, wie es der Reflex der rechten Verbotspartei ist.

Und so spricht sich am Ende Hoyerswerda deutlich gegen ein Verbot von Gender-Sprache aus. Nur sechs Abgeordnete der AfD unterstützen das Gender-Verbot. 15 Stadträte stimmen dagegen, vier enthalten sich. Darunter zwei aus der AfD-Fraktion. Denen war der ganze Antrag wohl selbst zu peinlich.

Artikelbild: Mangostar, Screenshot twitter.com