6.060

Gas-Lügen bei rechtem Portal aus Österreich

von | Aug 24, 2022 | Faktencheck, Ukraine

Zu wenig Gas – Preise steigen

Erstmal die echten Infos, die euch AUF1 verschweigt. Warum ist das Gas so teuer? Darauf gibt es eine einfache Antwort: Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich, da Russland durch seine Pipelines viel weniger Gas liefert als technisch möglich wäre. Drei Hauptversorgungs-Pipelines führen aus Russland in die EU: Nordstream 1, die Jamal-Pipeline und die Pipeline durch die Ukraine. Durch alle drei Pipelines (nicht nur Nordstream 1) fließt aktuell viel weniger Gas. Angebliche technische Probleme sind nur vorgeschoben – tatsächlich ist es einfach Wladimir Putins Entscheidung, weniger Gas nach Europa zu schicken.

Warum führt das zu steigenden Preisen? Noch sind offenbar viele Betriebe bereit, beliebig hohe Preise zu zahlen, um weiterhin produzieren zu können. Aber nicht nur deswegen steigen die Preise. Statt Pipelinegas aus Russland kaufen EU-Länder gerade besonders viel LNG (Flüssiggas) ein, und das war schon vor der Krise teurer als russisches Pipelinegas. Damit die LNG-Tanker nach Europa fahren und nicht nach Asien, zahlen Europäer einen hohen Aufpreis (Quelle). Man kann relativ einfach sehen, dass in ganz Europa zwar deutlich mehr LNG ankommt, aber dies das fehlende russischen Gases nicht völlig ausgleicht, insgesamt fließt also weniger in die EU (mehr Grafiken)

Diese Grafik gibt den Ursprung unserer Gasimport an. Sie zeigt, dass Gas aus Russland zurückgeht (rot) und LNG (blau) mittlerweile die bedeutendste Quelle ist. Soweit die bekannte Faktenlage.

AUF1 schaut selektiv auf Österreich

Nun kommen die professionellen Fake-Verbreiter:innen vom rechten österreichischen Medienportal Auf1 ins Spiel. Wer Informationen von dieser Seite bezieht, läuft Gefahr, Opfer von ein paar besonders dreisten Tricks zu werden. Das Desinformationsportal schaut sich nämlich nur die Speichersituation in Österreich an. Österreich hat hier eine besondere Lage, denn im Land stehen viel mehr Speicher als das Land selbst benötigt. Ohne diesen wichtigen Kontext zu erklären, behauptet nun AUF1, dass ja genug Gas in Österreich vorhanden sei. Und es gar keine Gaskrise gebe. Ja wirklich.

AUF1 Chefredakteur verbreitet ein Video, welches die Gasknappheit leugnet.

Hier wird aber einiges verschwiegen. Das Gas in den Speichern gehört nicht nur dem Staat Österreich, sondern teilweise Firmen aus ganz Europa, die die Speicher gemietet haben. Diese Firmen sind im Winter auf das Gas angewiesen (mehr dazu)! Die Speicher werden aktuell auch deswegen gefüllt, um eben einen gewissen Vorrat für den Winter zu haben, wenn der Verbrauch deutlich höher ist und niemand abschätzen kann, welche Verbrechen Putin noch begehen wird. Volle Speicher heißen aber nicht, dass dann keine Einsparungen mehr nötig sind, denn die Speicher ersetzen keine Importe im Winter (Quelle). Übers Jahr hinweg fehlen eben weiter große Mengen an Gas, was nur durch Einsparungen im Winter ausgeglichen werden kann (Quelle). 

AUF1 verbreitet nun einfach dreist, dass hohe Preise “politisch gewollt” seien. Und das ist genau genommen gar nicht mal falsch. Denn gerade Wladimir Putin setzt die hohen Preise bewusst als Waffe ein, um damit Futter für dreiste Fake-News Sender wie AUF1 zu liefern. Ja: Putin will diese hohen Preise, um mittels Erpressung unsere Politik bestimmen zu können. Unsere Demokratien wollen sich nicht erpressen lassen und können somit nur entscheiden, wie die hohen Kosten verteilt werden. Da gibt es dann durchaus einige berechtigte Kritik, aber dafür müssen erst einmal die grundlegenden Fakten geklärt sein, worin die Ursachen für den aktuellen Gasmangel liegen: Nämlich bei Putin.

Die Gaskrise ist real und Putin will sie

Bei allen legitimen Diskussionen über den genauen Umgang mit der Knappheit: Fakt ist, die Gasknappheit ist allein von Putin gewollt. Der einzige Grund für sie sind fehlende Gaslieferungen über die Pipelines. Querdenker:innen können sich ihre Finger in die Ohren stecken und Lalala schreien, aber es bleibt dabei: Putin will uns erpressen, Politik zu machen, die seinen Interessen nützt. Darauf sollten wir mit Solidarität reagieren und nicht mit dem Leugnen simpler Fakten.

AUF1 hatte schon zur Corona-Krise massiv Desinformation verbreitet (mehr dazu, noch mehr) und möchte jetzt auch sein Angebot auf Deutschland ausweiten. Bisher sind sie vor allem in Österreich aktiv. Mal sehen, ob sie auch in Deutschland vermehrt Menschen finden, die sich gern verarschen lassen. Wenn ihr verhindern wollt, dass eure Freund:innen und Bekannten darauf hineinfallen, teilt diesen Artikel mit ihnen.

Eine weitere, häufige Kreml-Lüge ist die, dass die Sanktionen keine Wirkung zeigen würden. Auch diese haben wir ausführlich widerlegt: