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So genial lässt Maischberger AfD-Chef Chrupalla auflaufen!

von | Jan 26, 2024 | Analyse

… aber das werden AfD-Wähler nie mitkriegen

Sorry für den kleinen plot twist. Der Chef der rechtsextremen AfD, Tino Chrupalla, kam wirklich in der Maischberger-Sendung vom 23.01. ins Schwimmen, wie es die SZ formulierte. Er verstrickte sich in Widersprüche und schlechten Versuchen der Relativierung der Deportationspläne der AfD. Und ja, eine derartige Schlagzeile würde Volksverpetzer wirklich bringen. Haben wir oft genug. Und haben wir buchstäblich auch zu dieser Sendung ganz ähnlich auch in Videos auf unserem Tiktok-Kanal und Instagram:

@volksverpetzer

AfD-Chef Chrupalla blamiert sich bei Maischberger. Wenn es nach ihm ginge, müsste die AfD die Hälfte ihrer Mitglieder rauswerfen – er verstrickt sich in schlechten Ausreden nach der Enthüllung der Deportationspläne. #afdverbot #maischberger #volksverpetzer

♬ Originalton – volksverpetzer

Aber ich möchte nicht, dass jetzt der falsche Eindruck entsteht, ich fände es gut, was mit Chrupalla bei Maischberger passiert sei. Dass ich diese Videos und diese Schlagzeilen trotzdem bringe, liegt nicht daran, dass ich die Szenen feiere. Das ist Schadensbegrenzung. Denn trotz ihrer journalistischen Kompetenz hat Frau Maischberger einen gravierenden Fehler begangen.

Rechtsextreme Einladen richtet nur schaden an

Kurz: Sie hat ihn überhaupt erst eingeladen. Verfechter der Einladung von AfD-Rechtsextremisten in Talkshows meinen, dort könnte man sie gut „stellen“ und „entlarven“. Außerdem sei es ja auch irgendwie demokratisch, auch (potentielle) Verfassungsfeinde zu Wort zu kommen zu lassen, auch wenn sie diese Fairness nie uns entgegenbringen würden. Manche behaupten, der ÖRR müsse das auch, was im Übrigen nicht stimmt. Diese Einstellung ist zwar löblich und ehrenhaft. Sie scheitert aber an der Realität. Und krankt an zwei entscheidenden Stellen.

Zum einen der ganz praktische Fall: Nicht jedem Journalisten gelingt es auch, diese Rechtsextremisten zu stellen und ins Schwimmen zu bringen. Im schlimmsten Fall wird der AfD-Politiker wie ein seriöser Politiker behandelt, während der Journalist hilflos nickt, während faschistische Propaganda und Vorwürfe von „Gleichschaltung“ unwidersprochen in seiner oder ihrer Sendung läuft. Na gut, das könnte man ja durch kompetente Medienleute fixen. Der zweite Punkt ist viel entscheidender:

Selbst im besten Fall, wenn ein Rechtsextremist ordentlich gekontert wird, wenn kompetent widersprochen wird, Widersprüche aufgedeckt und im Nachhinein auch ein Faktencheck veröffentlicht wird, wie bei Maischberger: Es ist nichts dadurch gewonnen.

Studie: Rechtsextreme einladen macht rechtsextreme stärker

Wir haben vor einer Weile bereits über eine Studie geschrieben, die sich genau mit diesem Thema beschäftigt. Fazit: Interviews und Auftritte rechtsextremer Akteure im Fernsehen führen dazu, dass ihre Ansichten und Statements eine höhere Zustimmung in der Bevölkerung erzielen. Die „Entzauberung“ rassistischer, rechtsextremer und falscher Statements, welche durch solche Auftritte angestrebt werden soll, findet also überhaupt nicht statt. Im Gegenteil.

Auch kritische Journalisten verfehlten laut der Studie ihre Wirkung, dass Zuschauer rechtsextreme Aussagen hinterfragten. Im besten Fall können gekonnte Journalistinnen wie Maischberger den Schaden für das Mainstream-Publikum reduzieren und negieren. Richtig eingebettet sieht man ja, dass der AfD-Chef hier keine gute Figur macht:

@volksverpetzer

Maischberger entblößt die Doppelmoral vom AfD-Chef Chrupalla! Der Rechte verstrickt sich in Widersprüchen! #afdverbot #maischberger #volksverpetzer

♬ Originalton – volksverpetzer

Aber man hat nichts dadurch gewonnen. Gut, dass man verhindert hat, dass gefährliches Gedankengut und Desinformation nicht das Publikum überzeugt hat. Aber diese Verhinderung wurde doch erst nötig, weil man den Rechtsextremisten eingeladen hatte und er die Gelegenheit hatte, auf bester Bühne seine Relativierungen und Opferinszenierungen zu präsentieren! Viel schlimmer: Das AfD-Publikum kriegt das auch nicht mit.

„Chrupalla erteilt Maischberger Lektion!“

Die radikalisierten AfD-Fans haben es bereits seit Jahren antrainiert bekommen, gar keine Öffentlich-Rechtlichen Medien zu konsumieren. Die gucken doch nicht Maischberger. Die gucken die Zusammenschnitte bei „AfD TV“, dem hauseigenen Propagandasender oder bei einem der etlichen anderen Propagandakanälen der selbst aufgebauten Blase. Und dort kriegen sie nichts von irgendeiner Blamage zu lesen. Im Gegenteil.

via @Bladda3

Danke, Frau Maischberger, jetzt hat die rechtsextreme Bubble ganz viele Videoschnipsel bekommen, in der man sich einreden kann, dass die „ARD im Schock“ war und sie „zerstört“ wurden. Stimmt zwar nicht, aber das hat die AfD-Bubble ja nie aufgehalten. Die arbeiten fundamental mit Lügen und das ist denen völlig egal. Die feiern das. Das war Prime Time, das war ein Gewinn für die.

Und auch der beste Journalismus kann das nicht retten. Wenn man Faschisten einlädt, damit man mehr Quote hat, weil man nur erst dann auf Twitter trendet, soll man das zugeben. Aber es hilft nicht dabei, irgendwen zu „entlarven“. Sonst wäre die AfD nicht in Umfragen bei über 20 %. Nein, sie ist da, unter anderem WEIL sie eingeladen werden. Das wissen wir doch alle längst.

Hört auf, eine Bühne zu bieten!

Und es ist so unnötig. Es gibt so viele gute, seriöse Medien. So viele aufrichtige Journalisten und Journalistinnen. Journalistin Eva Quadbeck sagte bei ProSieben, als sie übrigens über die Volksverpetzer-Petition sprachen, (richtig!), dass man das „Gift“ der AfD „neutralisieren“ müsse. Alle nickten und das Fazit der Runde war ein: Hoffen wir, dass es nicht noch schlimmer wird. Und ich frage mich: Und WIE neutralisieren wir das „Gift“? Wann wollen wir damit anfangen? Wir bei Volksverpetzer sagen diese Dinge seit Jahren. Es kann so nicht weitergehen. Aber ich habe das Gefühl, die deutschen Medien haben bereits aufgegeben.

Es muss sich fundamental in der deutschen Medienschaft etwas ändern. Und zwar schnell. Denn natürlich ist der AfD-Aufstieg nicht alleine die Schuld von den Medien, aber an politischen Ansichten kann nur das herauskommen, was zuvor in den Diskurs hereingekommen ist. Wir können ja ÜBER sie und ihre Desinformation reden. Es gibt genug Experten und Forscher, die das zeigen könnten. Das ganze Problem analysiert und was wir alle, aber auch insbesondere Medienschaffende tun können, um der Desinformation und dem Faschismus Einhalt zu gebieten, bevor es zu spät ist – und trotzdem nicht auf Klicks zu verzichten – erkläre ich in meinem kommenden Buch „Werbung für die Wahrheit“, welches am 5.2.2024 erscheint. Hier kann man es vorbestellen.

Chrupalla mag sich bei Maischberger blamiert haben und sie einen guten Job gemacht. Nur kriegen diejenigen, die man damit überzeugen müsste, das niemals mit. Im Gegenteil.

Artikelbild: Screenshots https://www.daserste.de/information/talk/maischberger/sendung/maischberger-878.html