Statistische Bundesamt belegt endgültig: Übersterblichkeit im ersten Pandemiejahr

| Aktuelles | 9. Dezember 2021

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Übersterblichkeit im ersten Pandemiejahr belegt

Das Statistische Bundesamt hat heute endlich ausführliche Zahlen veröffentlicht, die diverse Fake News und Mythen von Pandemie-Leugner:innen widerlegen. In ihrer aktuellen Pressemitteilung belegen sie endlich für das erste Pandemiejahr von März 2020 bis Februar 2021 eine von Querdenker:innen heftig geleugnete Übersterblichkeit. Bisher wurde lediglich das Jahr 2020 betrachtet, was den Einfluss der Pandemie jedoch verschleiert, da diese erst im März in Deutschland ankam. In den Monaten zuvor gab es nämlich eine Untersterblichkeit durch eine schwache Grippewelle. Eine deutlichere Analyse liegt jetzt vor. „Von März 2020 bis Februar 2021 starben fast 71 000 Menschen mehr als in den zwölf Monaten davor“, heißt es in der Pressemitteilung.

Übersterblichkeit belegt, nicht durch Alterung allein erklärbar

Diese höheren Zahlen lassen sich eindeutig auf die Pandemie zurück führen. Bei 47 860 Verstorbenen im Jahr 2020 war COVID-19 entweder die Haupttodesursache oder trug als Begleiterkrankung zum Tod bei. Eine erhöhte Sterblichkeit gab es nicht nur im ersten Pandemiejahr, sondern über den gesamten Pandemiezeitraum. Christoph Unger, Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes, erklärt: „Von März 2020 bis Mitte November 2021 sind in Deutschland mehr Menschen verstorben, als unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung zu erwarten gewesen wäre. Der Anstieg der Sterbefallzahlen ist nicht allein durch die Alterung der Bevölkerung erklärbar, sondern maßgeblich durch die Pandemie beeinflusst.“ Weiter heißt es vom Amt:

„Eine erhöhte Sterblichkeit zeigt sich sowohl für die isolierte Betrachtung des Kalenderjahres 2020 als auch für die ersten zwölf Monate seit Pandemiebeginn von März 2020 bis Februar 2021. Insgesamt starben im Jahr 2020 bundesweit rund 985 600 Menschen. Das waren 5 % oder 46 000 Verstorbene mehr als im Jahr 2019. Alleine aufgrund der Alterung der Bevölkerung wäre nur ein Anstieg der Sterbefallzahlen um etwa 2 % oder etwa 20 000 Fälle zu erwarten gewesen. In den ersten zwölf Monaten der Pandemie von März 2020 bis Februar 2021 starben 7,5 % oder fast 71 000 Menschen mehr als in den zwölf Monaten davor.“

Parallel mit dem rapiden Anstieg der Corona-Impfungen fielen die Corona-Todeszahlen der zweiten Welle und ab Februar 2021 lagen die Sterbefallzahlen aufgrund der nahezu ausgebliebenen Grippewelle im Winter 2020/2021 zunächst unter dem mittleren Wert der vier Vorjahre. In der dritten Welle bewegten sich die Fallzahlen wieder größtenteils außerhalb der typischen Grippezeit wieder über den Vergleichswert. Weiter schreiben sie: „Eine deutliche Übersterblichkeit ist aktuell seit Anfang September 2021 zu beobachten.“ Diese sei allerdings nicht ausschließlich durch Corona zu erklären. Und nein, eine Folge der sicheren Impfungen ist auszuschließen:

Geimpfte haben geringeres Sterberisiko von ALLEN Todesursachen, nicht nur Corona – Studie

Die meisten die „MIT“ Corona starben, starben „AN“ Corona

Ein weiterer Mythos der Pandemie-Leugner:innen wird ebenfalls widerlegt: Die Unsicherheiten in der Frage, ob Patient:innen AN oder MIT Corona verstorben sind, fütterte das Streuen von Verschwörungsmythen. „Neu vorliegende Ergebnisse der Todesursachenstatistik geben erstmals Aufschluss über die Zahl der Verstorbenen, bei denen COVID-19 im Jahr 2020 als sogenannte Begleiterkrankung auf der Todesbescheinigung verzeichnet war.“ Im Jahr 2020 verstarben 47 860 Verstorbene, bei denen COVID-19 entweder als Grundleiden die Haupttodesursache war (83 %) oder als Begleiterkrankung zum Tod beitrug (17 %).

Eine im Livestream gezeigte Grafik zeigt, mit 39 758 Menschen, die AN Corona verstorben sind, war die RKI-Zahl von AN und MIT Corona verstorbenen für 2020 (41.607, Quelle) nur geringfügig höher.

Wichtige Zahlen gegen Querdenken-Fake News

In der Vergangenheit wurden regelmäßig diese Tatsachen, auch aufgrund teils mangelnder Daten, von Leugner:innen der Pandemie für ideologische Zwecke geleugnet und die vorhandenen Daten missbraucht. Dass die meisten der gezählten Corona-Todesfälle auch wirklich ursächlich durch das Virus verstorben ist, wurde stets ohne Beweise geleugnet. Ebenso wurde die Übersterblichkeit vehement geleugnet. Teils wirklich aufwändig wurden die Daten und Zahlen verzerrt.

Faktencheck: Die Widerlegung des Fake-Videos „Pandemie in den Rohdaten“

Der Sinn dahinter war ideologisch: Der Irrglauben der Querdenker:innen und der AfD musste aufrecht erhalten werden, deshalb hat man sich die Zahlen und Daten zurechtgelogen, wie man es brauchte. Unterfüttert wurde das mit Verschwörungsmythen, die jeden, der widerspricht, als Teil der Verschwörung abtun konnte und alle seriösen Medien missachten. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes räumen jetzt endgültig mit diesen Behauptungen auf. Natürlich werden die meisten der unwiederbringlich Indoktrinierten einfach diese Zahlen wieder leugnen, aber AfD-Frau Weidel zeigte gestern, dass man doch gerne dem Statistischen Bundesamt vertraut – selbst wenn die eigentliche Behauptung schlicht gelogen war.

Weidel blamiert sich mit Lügen! Statistisches Bundesamt entlarvt AfD-Fake

Artikelbild: Statistisches Bundesamt

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