Faktencheck: Die Impfung wirkt, das ändert auch nicht der Ventavia-Vorfall

| Corona-Fake | 20. Dezember 2021


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Die Impfung wirkt! Wie Bhakdi versucht zu beweisen, dass die Impfung nicht wirkt

Gastbeitrag von Annika Schnabel

In diversen Studien – unabhängig von den Studien der Impfstoffhersteller – konnte bereits die Effektivität der Impfung gegen Covid-19 und Mutationen, sowie die Reduzierung der im Krankenhaus behandelten Fälle belegt werden (u. a. Quelle, Quelle). Die Impfung schützt in den meisten Fällen vor einem schweren Verlauf, sehr oft sogar vor einer Ansteckung oder Weitergabe des Virus. Pandemieleugner:innen und Verschwörungsideolog:innen versuchen aber immer wieder, die Wirkung der Impfung zu negieren. In seinem neuesten Video versucht Dr. Sucharit Bhakdi, ehemals anerkannter Mikrobiologe, nun Querdenker und Verschwörungsideologe, erneut, die Impfung gegen das Coronavirus zu verunglimpfen. Er täuscht darüber über die Tragweite des Ventavia-Vorfalls.

Er behauptet, die Wirkung der Impfung beruhe auf gefälschten Daten, was durch einen Artikel in einer der renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften, dem British Medical Journal aufgedeckt worden sei. Deshalb gebe es überhaupt keinen Beweis für die Funktionalität der Impfung. Damit liegt er jedoch falsch.

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Gefundenes Fressen für Verschwörungsideolog:innen

Den Artikel in der Fachzeitschrift gibt es tatsächlich (Quelle). Darin wird von einer „Whistle Blowerin“ berichtet, die einige schwerwiegende Verstöße gegen die Datenintegrität und Patient:innensicherheit bemerkt und gemeldet hatte. Sie war im September 2020 in der klinischen Forschungsorganisation Ventavia beschäftigt, die einen kleinen Teil der klinischen Studie zur Zulassung des Covid-19-Impfstoffes durchgeführt hatte. Die Betreuung der etwa 1000 von insgesamt rund 44.000 Proband:innen fand im Rahmen des Phase-3-Prüfungsverfahren, also noch vor der endgültigen Zulassung des Impfstoffs durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) statt.

Die Whistle Blowerin Brook Jackson berichtet, sie habe während ihrer zweiwöchigen Beschäftigung bei Ventavia erlebt, dass ungeschultes Personal für die Impfungen angestellt wurde, auf den Patient:innenblättern offen vermerkt wurde, ob die Teilnehmenden den Impfstoff oder einen Placebo bekommen würden und dass unerwünschten Nebenwirkungen nicht, wie im Studienprotokoll eigentlich festgehalten, innerhalb eines Tages nachgegangen wurde.

Bhakdi sieht darin, dass „es deswegen überhaupt keinen Beleg gibt, für die Wirksamkeit dieser Impfung“. Dadurch könnten Ungeimpfte auch keine Gefahr für geimpfte Menschen darstellen, da diese ohnehin keinen Schutz vor dem Virus hätten. Der „Wirrwarr“ an für Bhakdi „unlogischen Fakten“, welche auf „keiner wissenschaftlichen Grundlage beruhen“ sei ein „Betrug am Volk“.

Keine gute Recherche, Dr. Bhakdi

Herr Bhakdi scheint seine eigene Zeit als Wissenschaftler immer mehr zu vergessen. So sollte er eigentlich wissen, dass Zahlen eines Forschungsinstituts, welche gerade einmal drei von insgesamt 153 Forschungseinrichtungen betreut, nicht wirklich aussagekräftig sind. Die von Ventavia betreuten Proband:innen machen etwa 2,5 Prozent der Zahlen im endgültigen Forschungsergebnis aus.

Hinzu kommt, dass die Whistleblowerin zwar die Forschungspraxis in der Einrichtung stark kritisiert und Vorwürfe bringt. Sie zweifelt aber keineswegs an der Wirksamkeit des Impfstoffes oder stellt diese anhand ihrer Kritikpunkte in Frage. Inzwischen liegen außerdem zu viele Studien vor, welche die Wirksamkeit des Biontech/Pfizer Impfstoffes auch unabhängig der von Pfizer beauftragten Forschungsinstitute bestätigen (Quelle, Quelle). Sogar die Fachzeitschrift, welche Bhakdi anscheinend gelesen hat, veröffentlichte erst kürzlich eine Studie zur Wirksamkeit der Impfstoffe gegen Mutationen des Corona-Virus (Quelle).

Bhakdi unterschlägt außerdem die weiteren Impfstoffe, welche auf dem Markt sind. Neben dem von Biontech/Pfizer gibt es auch noch die Impfstoffe von Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson, welche alle zugelassen und wirksam sind (Quelle, Quelle). Sein Argument, Ungeimpfte seien keine Gefahr für Geimpfte, ist ebenfalls nicht haltbar.

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Fazit

Die Vorwürfe, die Brook Jackson gegenüber Ventavia veröffentlichte, sollten dringend von der amerikanischen Nahrungs- und Arzneimittelbehörde (FDA) oder der WHO untersucht werden. Sie sind jedoch keineswegs ein Beleg dafür, dass die Impfung unwirksam sei. Im Gegenteil: Es existieren inzwischen so viele unabhängige Studien von unabhängigen ernsthaften Wissenschaftler:innen, dass die Wirksamkeit nicht angezweifelt werden kann. Wer sich und seine Umgebung vor einem schweren Verlauf von Covid-19 schützen möchte, sollte sich also impfen lassen.

Gastbeitrag von Annika Schnabel. Artikelbild: Screenshot

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