Querdenker instrumentalisieren Flut: Sie kassieren ab, verhöhnen Flutopfer & verbreiten Lügen

| Der Aufklärer | 21. Juli 2021

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Querdenker sind zurück!

Lange war es ruhig um die Pandemie-Leugner:innen-Bewegung. Wir berichteten im Mai, dass sich die Bewegung im Niedergang befand:

Flucht ins Exil, im Streit oder erfolgslos: So unterhaltsam geht die „Querdenken“-Bewegung unter

Das hat sich auch nicht groß geändert, die Verschwörungsideolog:innen sind viel weniger präsent. Doch nun kehren einige Köpfe der „Querdenker“-Clique wieder zurück aus der Versenkung – um von der Flutkatastrophe zu profitieren. Sie missbrauchen die Katastrophe, um Fake News zu verbreiten und sich zu inszenieren: Es sind falsche Polizeifahrzeuge im Einsatz, sie geben sich als Helfer:innen aus, sie sammeln viel Geld oder fantasieren von Wettermanipulation.

Allen voran Schwindelarzt Bodo Schiffmann, der schnell auf PayPal einen Moneypool für sein privates Konto eingerichtet hat. Er behauptet, die Summe gehe zu „100 % an die Hochwasseropfer“.

Wie „Querdenker:innen“ die Flutkatastrophe für ihre Zwecke ausnutzen, zeigen wir zunächst am Beispiel des Verschwörungsideologen Schiffmann. Am Ende des Artikels zeigen wir weitere Beispiele für die Instrumentalisierung des Leidens von Flutopfern durch Pandemie-Leugner:innen und Rechtsextremist:innen.

Rückkehr aus dem afrikanischem Exil

Schon vor Wochen rief Schiffmann seine Fans dazu auf, ihm doch Geld zu spenden, anscheinend damit er sich ein schönes Safari-Leben in Tansania aufbauen und vermeintliche Safari-Touren anbieten kann:

Nun ist er aus dem Exil zurückgekehrt und wittert offenbar seine Chance. Damit allen klar wird, auf welchen Leveln des Wahnsinns dieser Herr unterwegs ist, hier ein aktuelles Video, in dem er sich selbst als eine Art Jesus zu sehen scheint:

Und ohne Schiffmann würde im Katastrophen-Gebiet überhaupt nichts laufen – allerdings auch nur laut seiner eigenen Aussage. Sehr größenwahnsinnig:

Was darf nun nicht fehlen? Eine emotionale Heul-Show natürlich:

Nicht das erste Mal, dass Schiffmann diese Propaganda-Methodik nutzt, um Lügen zu verbreiten. Alte Tricks, neues Thema:

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Außerdem lässt Schiffmann auch keine Gelegenheit aus, um seine Anti-Impfpropaganda zu verkünden. Das ist der Grund für die Instrumentalisierung der Katastrophe: das Verbreiten der eigenen Ideologie.

Falls sich jemand fragt, woher diese ganze Impfskepsis kommt: Verschwörungsideolog:innen wie Schiffmann können seit Anbeginn der Pandemie ungestraft Fehlinformationen streuen. Da können Faktenchecker noch so viel Aufklärungsarbeit leisten. Man stellt sich die Frage, wie lange dieser Mann noch mit nachweislichen Falschaussagen ungestraft die Öffentlichkeit täuschen darf. Seine Zulassung als Arzt wird er wohl bald verlieren.

Falsche Atteste & Impf-Lügen: Schwindel-Arzt Schiffmann soll Zulassung verlieren

Wendler und Hildmann: Verschwörungsmythen zur Flutkatastrophe

Weiter geht’s. Die Flutkatastrophe wird von „Querdenker:innen“ instrumentalisiert, um ihre demotivierte und desillusionierte Anhängerschaft wieder zu mobilisieren und Geld in die eigene Kasse zu spülen. Nachdem die meisten Deutschen bereits geimpft, wohlauf und die Corona-Zahlen noch niedrig sind, wirken die „Querdenker“-Lügen ja zurzeit noch dümmer als sonst. Auf den Telegram-Kanälen ist jetzt aber wieder mehr Bewegung zu erkennen. Die totgeglaubte Bewegung wittert eine günstige Gelegenheit zur Mobilisierung:

Der Sänger Wendler liefert ein Musterbeispiel dafür, wie die Verschwörungsideolog:innen im Untergrund versuchen, mit dem aktuellen Anlass neuen Blödsinn in die Welt zu setzen:

Die Pandemie-Leugner:innen-Bewegung macht, was sie am besten kann: Gezielt Wissenschaft leugnen und erlogenen Schwachsinn daher erzählen. Eine Jahrhundert-Umweltkatastrophe wird wieder einmal in eine Verschwörung der Regierung umgedichtet, was denn sonst! Hier von Neonazi Hildmann aus dem türkischen Exil zusammengekocht und gesendet:

Anscheinend will Attila das türkische Exil verlassen, weil er von der rechtsextremen QAnon-Sekte gewarnt wurde:

Völlig irre! Und solche wilden Verschwörungsmythen häufen sich gerade wieder im Telegram-Untergrund:

Das kann im Moment niemand gebrauchen. Vor allem braucht man auch nicht Akteur:innen wie Schiffmann, die den Leuten offenbar wieder einmal das Geld aus der Tasche ziehen wollen.

Schiffmann verhöhnt Katastrophenopfer mit „Määääh“

Wir haben vorhin bereits erwähnt, dass Schiffmann mittlerweile über 500.000 Euro auf seinem privaten PayPal-Konto gesammelt hat – angeblich für die Flutopfer. Doch erste Vorwürfe von Anwälten werden laut, die von „Betrugsstrafbarkeit“ sprechen (Finanzamt, lest ihr mit?). Anwalt Jun erklärt, wie sich der „Querdenker“ mit seiner Spendenaktion vielleicht strafbar macht:

Für die Inszenierung muss Schiffman irgendwie sichtbar machen, dass das Geld auch sinnvoll für die Flutopfer verwendet wird. Aber niemand will offenbar mit den „Querdenkern“ zusammenarbeiten, wie dieses Video zeigt:

Und wie reagiert Schiffmann mit der Ablehnung seiner Hilfe? Mit Hohn für die Opfer:

Schiffmann bezeichnet die Opfer der Flutkatastrophe offenbar herablassend als Schafe. Das ist so ziemlich die unterste Schublade, in die man greifen kann. Da verlieren Menschen nahezu alles und Schiffmann fällt nichts Besseres ein, als diese dann als „Schlafschafe“ zu diffamieren, nur weil sie seine Hilfe ablehnen.

Hochwasserhilfe nur gegen Gehorsam

Der Wahn Schiffmanns und anderer Köpfe überträgt sich auch auf die Anhängerschaft.

„Querdenker“ Schiffmann schreibt auch zuerst, er böte Allen Hilfe an. Später dann offenbar NUR, wenn den wirren Forderungen der „Querdenker“-Bewegung Gehorsam geleistet werde.

Hier findet ihr ebenfalls eine sehr gute Recherche über das Treiben von Schiffmann im Katastrophengebiet. Schiffmann wollte für 12.000 Euro am Tag eine Baufirma beauftragen: Die lehnte aber dankend ab. Zuvor hatte Schiffmann behauptet, nur durch ihn seien überhaupt Baumaßnahmen im Gang.

Sonstige Handlungen im Katastrophengebiet von „Querdenker:innen“, Nazis, Rechten und AfD

Aber Schiffmann und sein Handeln sind nur die Spitze des Eisberges. Leider sind auch zahlreiche Rechtsextremist:innen und Verschwörungsideolog:innen in den Katastrophengebieten unterwegs und suchen die Bevölkerung dort förmlich heim, wie Augenzeugen berichten:

Hier der verurteilte Holocaustleugner und Ex-Lehrer Nikolai Nerling, ebenfalls im Katastrophengebiet:

Hier der religiöse Prediger und „Querdenker“ Samuel Eckert, der ebenfalls nach Ahrweiler gereist ist, um die Katastrophe zu instrumentalisieren:

Und noch mehr „Querdenker:innen“, die einfach nur stören:

Im Katastrophengebiet sammelt sich so ziemlich alles an, was weder die Betroffenen noch die Hilfskräfte vor Ort haben wollen:

Offenbar werden sogar polizeiliche Einsatzfahrzeuge simuliert, die mit Lautsprechern Lügen verbreiten (Quelle). Ist das zu fassen? Warum werden solche Leute nicht eingesperrt?

Die Polizei ermittelt teilweise wegen Amtsanmaßung, Behinderung von Rettungskräften und einigem mehr und warnt vor Falschmeldungen (Quelle).

Fazit: „Katastrophen-Terroristen“ instrumentalisieren Flut für eigene Zwecke

Verschwörungsideolog:innen nutzen die Situation, um sich zu inszenieren und als „Helfer:innen“ zu verkaufen. Dabei haben sie es offenbar nur auf ihren eigenen finanziellen und politischen Profit abgesehen. Bisher ist unklar, ob das gesammelte Geld die Opfer auch wirklich erreicht. In Teilen liegt es nachweislich auf den privaten Konten einiger Personen, die sich möglicherweise strafbar machen.

Das Ganze dient der Selbstverharmlosung: „So inszenieren sich Verschwörungsgläubige als helfende Hände, um so ihre Ideologie zu normalisieren.“

Und vor allem stehen sie wie auch schon bei der Corona-Pandemie völlig im Weg rum, um Videos zu drehen, die sie als Helfer:innen inszenieren, während echte Einsatzkräfte Probleme lösen wollen.

In Koblenz kam heraus, dass sich „Querdenker:innen“ und Neonazis vor Ort als Helfer:innen ausgaben – ohne Absprache mit den Behörden (Quelle).

Diesen „Katastrophen-Terroristen“ muss das Handwerk gelegt werden

Genauso wie es Aufgabe des Staates ist, den Menschen vor Ort zu helfen, muss es auch die Aufgabe von Behörden sein, „Querdenker:innen“ und Neonazis von den ohnehin Geplagten fernzuhalten, um sie vor diesen Extremist:innen zu schützen, die ganz sicher nicht das Wohl der Betroffenen im Sinn haben.

Links: Eine Katastrophe. Rechts: Die Folgen der Flut. Artikelbild: Thomas Frey/dpa

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