So sehr will dich dieser Artikel über Greta manipulieren

Wie viel PR steckt in (dem Hass gegen) Greta Thunberg?

Wow, dass sich diese Medien nicht schämen, so einen manipulativen und grottenschlechten Artikel zu veröffentlichen, will sich mir nicht erschließen. Bei meiner Recherche über verschiedene Kritikpunkte, Fake News und Vorwürfe an Greta Thunberg habe ich einige Artikel in – wie ich annahm – seriösen Medien gelesen. Ich wollte nicht nur offensichtliche Fake News von rechtsextremen Medien sehen, sondern auch, was die seriösen Argumente seien. Resultiert hat diese Recherche in diesem Artikel über die Fakten zu ihrer Segelreise (Quelle) und in diesem Faktencheck über die Fakten und nicht ausgeschmückten Tatsachen um Greta Thunbergs Bekanntheit:

6 Fakten über Gretas Segelreise: Keine 5 extra Flüge, kein „Filmteam“

Während meiner Lektüre stieß ich auf einen Artikel, der so grauenvoll tendenziös, manipulativ und falsch ist, dass ich es eigentlich bis jetzt nicht glauben kann, dass man so etwas veröffentlichen ließ. So einen Artikel hätte ich in den Fake News- und Hetzschleudern der rechtsextremen Szene im Dunstkreis der AfD erwartet, aber nicht bei n-TV, „The European“ oder dem Focus. Die alle in kurzem Abstand den gleichen Artikel veröffentlichten. Ich hätte gedacht, dass diese Plattformen zumindest ein bisschen Anstand haben würden. Doch das Geschäft mit dem Greta-Hass lohnt sich wohl: Zigtausende Interaktionen und Teilungen verzeichnet der Artikel „Wie viel PR steckt in Greta Thunberg“, der zuerst am 13. August auf n-TV veröffentlicht wurde.

Ich möchte den Autor Wolfram Weimer nicht persönlich kritisieren, und möchte nicht über dessen journalistische Fähigkeiten oder sonstige Arbeit urteilen, aber dieser Artikel ist derartig fürchterlich falsch und manipulativ, er hätte von einem Pressesprecher der AfD kommen können. Jedoch ist er umso perfider: Anstatt auf einem rechtsextremen Hetzblog zu erscheinen, wirkt er auf den ersten Blick seriös: n-TV, Focus, er stellt eine harmlose Frage im Titel. Doch gleich in den ersten Zeilen erwarten den Leser ein finsteres Framing und Falschdarstellungen vom Feinsten.



Jeder Satz ist ungeheuerlich

Bereits der Teaser mit dem „Medienspektakel“ und den im „Hintergrund“ „PR-Strippen“ ziehenden „Profis“, die „erstaunliche Geschäfte“ machen ist nur dazu gedacht, die Greta-Hasser anzulocken. Großspurige Ankündigungen, ein Manipulations-Framing, alles Elemente für die rechte Verschwörungstheorie der bösen PR-Greta. Der erste Absatz fährt großspurig fort, und spricht von einem „zerbrechlichen Kind“, das sich in die „Atlantikfluten stürzt“, um die „Apokalpyse“ zu verhindern. Gehts noch eine Nummer kleiner?

Ich muss hier bereits einhaken. Denn genau diese lächerliche Übertreibung der Berichterstattung (die ich nebenbei im Ausmaß ebenfalls überzogen fand) füttert genau das Misstrauen der Rechtsextremen und Klimawandelleugner. Welche Zeitung hat denn das derartig dargestellt? Ich habe von so einem Unsinn nichts gelesen. Es ist eine sinnlose Übertreibung, die nur den Zweck hat, die Berichterstattung verdächtig erscheinen zu lassen. Aber habt ihr die selben Nachrichten gelesen wie ich? Das ist übrigens eine typische Methode von Verschwörungstheoretikern: Eine reale Tatsache wird falsch oder entstellt dargestellt, um Misstrauen zu erzeugen.

Wahnwitzige Vergleiche

Dazu gehört auch der Vergleich mit dem „Kinderkreuzzug“ von 1212. „Historiker“ würden durch ihre Reise daran erinnert werden, heißt es. Wieder wird die Reise der Schwedin künstlich und völlig aberwitzig überdimensioniert mit völlig abwegigen Vergleichen. Es soll so dargestellt werden, als würden sie oder ihre Anhänger*innen ihre Überfahrt damit vergleichen. Dabei machen das ausschließlich ihre Kritiker – oder soll ich sagen: Hater? Eben um sie zu diskreditieren. Es ist das gleiche, falsche „Greta-Heilig“-Narrativ, auf das ich gleich noch komme.

Auf die verblödeten Vergleiche von Greta mit Nikolaus von Köln, der den „Kindern, die sich um ihn geschart hatten“, Wunder versprochen haben soll, gehe ich nicht groß ein. Historisch bestenfalls flüchtig sind die Parallelen zu Greta quasi nicht existent und beschränken sich auf „eine Reise“ und irgendwie auf Kinder, auch wenn Greta „das Kind“ (Hey, sie ist 16, sie ist eine junge Frau) ist, und Nikolaus von Köln nicht. Wo habt ihr diese Parallele her? Aber Hauptsache irgendwas mit einem gescheiterten Kreuzzug, um das Bild von (Irr-)Gläubigen zu beschwören.

Eine Gegenüberstellung, die keine ist

Dann kommt vielleicht der frechste, weil manipulierendste Absatz. Der Autor möchte einen vielleicht dazu verleiten, dass man denkt, er sei in irgendeiner Weise neutral oder ernst zu nehmen. Aber dieser Absatz ist das dreisteste, was ich außerhalb von rechtsextremen Medien seit langem lesen musste. Er stellt beide „politischen Lager“ gegenüber. Das „links-ökologische Milieu“ „verehre“ die Umweltaktivistin als „selbstlose Prophetin“ „wie eine Heilige“.

Zuerst einmal: Entschuldigung, was hat der geraucht? Es ist bereits die dritte maßlos übertriebene Darstellung der FridaysForFuture-Bewegung und wir sind erst am Anfang. „Irgendjemand“ stellt die Reise als gefährliche Atlantikfahrt und Kreuzfahrt dar, Greta als „Heilige“ und „Prophetin“? Ja, sicherlich nicht diejenigen, die das Klima retten wollen oder Greta Thunberg selbst. Zeigt mir Beispiele, anstatt ständig diese Behauptungen aufzustellen, die sich schon verselbstständigt haben. Das sind alles Unterstellungen und Behauptungen und ein rechtsextremes Narrativ, das versucht, seine Gegner als irrational und überzogen darzustellen. Das ist die gleiche Kerbe wie „Gutmensch“. Und dieser Text stellt sich einfach hin und nimmt das als Fakt. Bin ich hier bei der versteckten Kamera?

Aber es wird noch dreister: Die „andere“ Seite „-vor allem Rechtspopulisten-“ wird vom Autor ebenfalls beschrieben. Ah, er ist also ausgewogen und stellt die Karikaturen der „beiden Lager“ gegenüber, und spricht von der Gegenseite in gleichem Maße als „kohlelobbymanipulierte Nazis“, die nichts besseres zu tun haben, als eine junge Frau im Internet zu beleidigen, dar? Ha, auf gar keinen Fall. Denn die „Rechtspopulisten“ „schmähen sie als `öko-religiöse Putte` und ihr Tun als `grünen Katastrophenklamauk`.

Jep. Nachdem wir falsche und diskreditierende Anschuldigungen gegen Gretas Anhänger und sie selbst lesen mussten, dürfen wir bei der „total ausgeglichenen“ Darstellung der Gegenseite weitere falsche und diskreditierende Anschuldigungen gegen Greta lesen. Ist das dein Ernst? Es ist eine Auflistung von Anschuldigungen und Beleidigungen, einmal als Zitate und einmal als Eigenaussagen. Toll gemacht. Nicht nur das: Diese speziellen Zitate habe ich dort zum ersten Mal gelesen. In der Art und Weise, wie Greta in diesen rechtsextremen Gruppen mit Gewalt gedroht wird, wie ihr der Tod gewünscht wird und wie sie beleidigt wird, ist das de facto bereits Verharmlosung.

Lausanne: So geheuchelt & widerlich reagieren Rechtsextreme auf Greta

Völlig falsche und einseitige darstellung

Bei dieser dreisten Manipulation und verzerrten Darstellung der Debatte muss es niemanden wundern, dass der ganze Text voller Unterstellungen, Fake News, Verschwörungstheorien und Diskreditierungen ist. Und nur nebenbei: Sie ist kein „krankes Mädchen“, sie hat Asperger, keinen Krebs. Ein weiterer Baustein, der den Mythos von der manipulierten und inszenierten Greta bekräftigen soll. Aber hey, das einzige, was hier manipuliert, ist dieser unsägliche Text.

Wenn er davon schreibt, dass „im Publikum“ angeblich „Skepsis wächst“, wer sie denn „inszeniert“ oder dass sie „Kritik einstecken“ musste, weil sie sich im Hambacher Forst mit einer Aktivistin fotografieren ließ, die nicht erkannt werden wollte, ist das nur der Versuch, die Anschuldigungen aus dem rechtsextremen Kontext zu entkontextualisieren und zu verschleiern, dass er sie gerade selbst hervorgebracht hat. Übrigens: Die Aktivistin wollte eben anonym bleiben. Big deal, der Autor zieht von Vermummung dann jedoch sofort den irren Bezug zu einer (welcher??) „gewaltbereiten“ und „linksextremistischen Szene“. WTF? Welche denn? Und was hat das jetzt mit Greta zu tun?

Framing, Framing, Lügen

Zu diesem grottenschlechten Artikel gäbe es eigentlich in jedem Satz etwas zu sagen, aber er versucht weiter, Gretas Reise damit zu diskreditieren, dass das Boot teuer war (Äh, ja und?) und das Team, das es normalerweise fährt aus Monaco stammt, was ein Steuerparadies sei (JA UND?? WAS HAT DAS MIT GRETA ZU TUN) und der Stuttgarter Unternehmer, der ihr die Reise ermöglicht, sei aus irgendeinem Grund „ominös“. Warum denn???

Wow, große Klasse. Du hast dein leichtgläubiges Publikum hier prächtig mit Nichts manipuliert. Mit dem richtigen Framing kann man alles verdächtig darstellen. Ein Stuttgarter Unternehmer, der ein Rennboot gekauft hat, hat es Greta für ihre Überfahrt zur Verfügung gestellt. Oder wie dieser Text es sagen würde: Ein „kalt inszeniertes Produkt cleverer Marketingstrategen, die Profit aus dem Hype schlagen wollen“. Wahnsinnig!

Merkt ihr überhaupt noch was? Der ganze restliche Text geht genau so weiter im Stil eines Verschwörungstheoretikers und Propagandisten. Da werden Tatsachen verzerrt, Kontext weggelassen, Motive und Details hinzugedichtet, alles, um den ganzen Aktivismus von Greta Thunberg in einem zwielichtigen Licht darstehen zu lassen. Und sie irgendwie mit Leuten in Verbindung zu bringen, die ihren Namen und Gesicht für Publicity nutzen. Ich habe alle Fakten in diesem Artikel schon einmal aufgedröselt, ihr findet es auch bei Mimikama und Correctiv.

Es reicht! Abrechnung mit der „systematischen PR-Kampagne mit Greta“

Dieser Text ist eine einzige manipulative Verarsche

Dieser Text, der so weit verteilt wurde und das Futter für Rechtsextreme, Klimawandelleugner und Greta-Hasser aller Coleur lieferte, ist aber reine Stimmungsmache und grenzt an Hetze. Er ist voller wahnwitziger Unterstellungen, manipulativem Framing, Auslassungen und konstruierten Zusammenhängen. Alles mit dem Ziel, Gretas Reise in ein schlechtes Licht zu rücken.

Dabei sind es doch genau jene Autoren und Medien, die den Hass auf Greta pushen. Die Medien wie n-TV und Focus, die aufgrund des völlig überzogenen Hasses gegen die Aktivistin Klicks, Interaktion und Geld verdienen. Wie viel PR steckt hinter dem Hass auf Greta Thunberg? Verdienen verschiedene Konzerne daran, wenn die Klimabewegung lächerlich gemacht wird und ins Zwielicht gerückt? Arbeiten ihre Lobbygruppen daran, diese Zweifel und Misstrauen zu streuen? Verdienen die Zeitungen an der Dauerbeschallung mit dem Thema, eben weil sich so viele Menschen darüber aufregen werden? Vielleicht sollten wir eher anfangen, die richtigen Fragen zu stellen, als solchen völlig unseriösen Artikeln eine Plattform zu geben.

Artikelbild: Golubovy, shutterstock.com / Screenshot facebook.com beeboys

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So vulgär reagieren AfD-Fans auf Liefers, weil er ihren Missbrauch der Wende aufdeckt

AfD Fans wollen jan josef liefers boykottieren

Der Schauspieler Jan Josef Liefers hielt zur Wende eine bewegende Rede auf dem Alexanderplatz. Es war eine Demonstration gegen die SED-Diktatur und für die Freiheit. Er weiß also, wovon er redet, wenn er gemeinsamen mit zahlreichen anderen Unterzeichnern einer offenen Erklärung der Robert-Havemann-Gesellschaft erklärt, dass die AfD die friedliche Revolution unverschämt für ihren Wahlkampf missbraucht. Die AfD wirbt mit „vollende die Wende“ und unterstellt damit, in einer Diktatur zu leben. Mehr dazu:

„Vollende die Wende“: Warum das Gerede von „Wende 2.0“ Blödsinn ist

Die Unterzeichnenden erklären: „Die Alternative für Deutschland (AfD) versucht im Wahlkampf die Revolution von 1989 für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Mit Parolen wie ,Vollende die Wende‘ unterstellt sie, die Revolution von 1989 sei nicht erfolgreich gewesen. Zugleich behauptet sie, in der Bundesrepublik herrschen heute ähnliche Verhältnisse wie in der DDR.“ Und auch: „Beteiligte Bürger und Bürgerinnen der Geschehnisse von 1989 wollen nicht mit solch absurden Gleichsetzungen und Aneignungsversuchen der Revolution von 1989 in Verbindung gebracht werden.“



AfD-Fans reagieren extrem und vulgär wie immer

Liefers Rede wurde in der BILD im Volltext abgedruckt, sie titelte „Jan Josef Liefers gegen AfD“.

Attribution: Bundesarchiv, Bild 183-1989-1104-032 / CC-BY-SA 3.0
500.000 Bürger beteiligten sich an einer Demonstration für den Inhalt der Artikel 27 und 28 der Verfassung der DDR. Auf dem anschließenden Meeting auf dem Alexanderplatz ergriff auch der Schauspieler Jan-Josef Liefers vom Deutschen Theater das Wort.

In den „Patrioten“-Gruppen kam dieser Teaser alles andere als gut an. Dass ihrer Instrumentalisierung der Wende ausgerechnet von denen widersprochen wird, die es besser wissen müssen, hat den Rechtsextremen nicht geschmeckt. Typisch überzogen und vulgär reagierten sie auf den Artikel, wie #DieInsider dokumentieren:

Diese Sprache, diese Entfesselung und Vulgarität ist in diesen Gruppen vollkommen normal und Alltag. In diesen Gruppen wird durch gezielte Hetze, Fake News und Instrumentalisierung regelrechte Gehirnwäsche betrieben und durch fehlende Moderation und gar Ermutigung dieser Hass tagtäglich geschürt. Kein Wunder also, dass diese Menschen glauben, in einer „Diktatur“ zu leben. An Lübcke und vielen anderen täglichen Einzelfällen kann man sehen, wohin diese Verblendung letztlich führt und nicht nur in digitalen Filterblasen bleibt. Die Zivilgesellschaft muss standfest mit der Wahrheit dagegen halten.

Artikelbild: Stefan Brending / Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-3.0 de / Screenshots DieInsider

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Es reicht! Abrechnung mit der „systematischen PR-Kampagne mit Greta“

Weitere mythen über greta

Ich habe schon lange keine Lust, über Greta Thunberg zu schreiben. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich nach dem ersten Artikel im Dezember auch gar nichts mehr darüber geschrieben. Wie ich vergangene Woche bereits geschrieben habe, bin ich kein „Fan“ von Greta Thunberg. Ich finde es gut, dass sie die Klimabewegung angestoßen hat, die schon lange überfällig war, aber ob sie mal was mit Plastik gekauft hat oder auf ihrer Überfahrt über den Atlantik in Eimer kackt, ist mir total egal.

Aber ich mache eine Seite, die propagandistische Narrative und Fake News verfolgt, analysiert und aufdeckt. Und wenn „Greta-Hasser“ reihenweise Hass, Gewaltdrohungen und Lügen über ihre Person verbreiten, dann werde ich das nicht unkommentiert lassen. Erst Recht, wenn jemand einen „dumme Göre“-Kommentar ablässt und dann meint, damit sei die Klimadebatte erledigt. Geheimtipp: Wenn ihr den Medien nicht so viele Klicks und Kommentare liefert, jedes Mal, wenn sie Greta Thunberg aufgreifen, dann werden die auch weniger berichten.

Und wenn ihr keine Fake News und Verschwörungstheorien über sie verbreitet, kann ich das Thema auch ad acta legen. Ich wäre sehr froh, wenn wir das Thema von dem persönlichen Leben der Schwedin weg und hin zu Debatten beispielsweise über CO2-Bepreisung verschieben können. Es liegt an euch. Aber gut, einer der ältesten Vorwürfe an Greta Thunberg ist, dass hinter ihr „nur“ eine PR-Kampagne steckt, von dem sie und/oder ihre Eltern profitieren. Schauen wir uns das einmal an.



„Rein zufällig“ wird sie entdeckt?

Jain. Da gab es diesen Kettenbrief, den auch die Kollegen von Mimikama bereits ausführlich geprüft haben, deshalb nur das wichtigste hier:

„Greta sitzt mit selbstgebasteltem Pappschild an einer Hauswand in Schweden auf dem Boden. REIN ZUFÄLLIG kommt an genau diesem Tag, in genau dieser Stunde, an genau diesem Ort Ingmar Rentzhog, REIN ZUFÄLLIG PR-Experte, dort vorbei. Macht Fotos. REIN ZUFÄLLIG hat Herr Rentzhog auch exzellente Kontakte zu Organisationen, die mit viel Geld ausgestattet sind und dichte, global verzweigte Netze und sehr reiche Geldgeber haben.“

Greta saß am 20. August nicht an irgendeiner Hauswand, sondern am schwedischen Parlament. Nicht sehr unauffällig. Sie wollte gesehen werden, also ist es nicht verwunderlich, dass sie gesehen wurde. Außerdem sind ihre Eltern schließlich nicht völlig Unbekannte, ihr Vater ist Schauspieler und Produzent, die Mutter eine Opernsängerin. Zu den Eltern später mehr. Der Unternehmer Ingmar Rentzhog hat wirklich zufällig von ihr erfahren.

Weitere Falschbehauptungen des kettenbriefs

Er hat wirklich ein ein Finanzmarkt-Kommunikationsbüro und war 2007 Mitglied der von Al Gore gegründeten Organisation Climate Reality. Aber das war keine abgesprochene Aktion, sondern er hat eine Chance gesehen, ihren Streik aufzugreifen und hat dies nun mal getan. Keine Magie dahinter, er ist auf den Zug aufgesprungen. Er ist aber nicht Vorsitzender des Think Tanks „Global Challenge“, die auch nichts mit irgendeiner Ministerin oder Milliardärin zu tun hat. Weitere Lügen und Falschdarstellungen in dem Kettenbrief wie gesagt bei Mimikama oder auch bei Correctiv.

Es steckt also keine geplante PR-Kampagne dahinter, der Unternehmer war einfach einer der ersten, der Greta entdeckt hatte. Auf Facebook äußerte er sich auch zu den Vorwürfen. Er hatte Thunbergs Namen für ein Prospekt seiner Firma ohne ihr Wissen verwendet, Thunberg war kurzzeitig „Youth Advisor“ für die Stiftung des börsenorientierten Unternehmens We Don’t Have Time AB, trat jedoch zurück, als sie erfuhr, dass ihr Gesicht und Name ebenfalls ohne ihr Einverständnis für Werbung verwendet wurde. Selbstverständlich erhielt sie nie Geld für diese Instrumentalisierungen.

Andere verdienen geld mit greta

Entgegen der Unterstellungen verdient Greta auch kein Geld mit dem Aktivismus. Wenn Unternehmen oder Agenturen ihr Bild und ihren Namen verwendet hatten, dann meist ohne ihr Einverständnis, geschweige denn gegen Bezahlung. Ja, es gibt Leute, die Geld mit Greta verdienen wollen. Dafür kann sie nichts. Auch dubiose Agenturen im Netz, die behaupten, man könne sie für Workshops buchen, sind lediglich Abzocke und Instrumentalisierung ihrer Person. Sie verlangt kein Geld für ihre Reden und spendet ihre Einnahmen aus Büchern und Auszeichnungen an wohltätige Zwecke. Mimikama hat hier ein paar dieser Fake-Agenturen entlarvt.

Auch ihre Eltern haben nichts mit ihrem Aktivismus zu tun, Greta beschrieb, dass ihre Eltern zuvor alles andere als KlimaaktivistInnen waren. Erst durch ihren Aktivismus setzten sie sich mit der Thematik auseinander und begannen, sie dabei zu unterstützen (Mehr dazu). Die Firmen ihres Vater erzielten 2018 keine höheren Gewinne als zuvor (Quelle), auch das Buch, welches die Familie Thunberg veröffentlichte, hat nichts mit ihren Schulstreiks zu tun.

Das Buch wurde bereits lange vor dem Streik geplant und geschrieben und dass der Veröffentlichungstermin zeitlich so nah an ihrem ersten Streiktag lag, ist nicht von der Familie so terminiert worden. Es gab nämlich zuvor Streitigkeiten mit dem Herausgeber, sonst wäre das Buch längst veröffentlicht gewesen. Der Schulstreik lag auch am ersten Tag nach den Schulferien und war damit auch nicht willkürlich. 100% der Gewinne gehen ohnehin an acht verschiedene Wohltätigkeitseinrichtungen. Das merkt man auch daran, dass das Buch noch mehr mit der Bekanntheit der Mutter wirbt, als mit ihrer Tochter, die damals noch unbekannt war (Mehr dazu).

Keine systematische PR-Kampagne

Die meisten Behauptungen rund um Greta Thunberg und ihre Prominenz sind dazugedichtet oder werden dramatisiert. Nur weil Greta bekannt geworden ist, heißt das nicht, dass dahinter ein dubioser Plan irgendwelcher bösen Mächte steht. Es stimmt, viele Leute wollen mit ihrem Gesicht und ihrem Namen Geld verdienen. Übrigens auch viele, die sich über sie aufregen und Falschbehauptungen über sie aufstellen. Das ist auch lukrativ, wie man sehen kann.

Und überhaupt: Will man einer Klimaaktivistin, die Aufmerksamkeit für ein Problem erzeugen wollte, wirklich vorwerfen, dass sie Aufmerksamkeit bekommen hat? Eine Aktivistin dafür zu kritisieren, dass sie bekannt wurde, ist auch ein wenig absurd. Das war ihr Ziel, wer hätte es gedacht. Das wäre so, als würde mann Müllmännern vorwerfen, den Müll zu „klauen“. Greta verdient kein Geld damit und spendet ihre Preisgelder. Und selbst wenn sie davon leben würde, macht es die Klimakrise nicht weniger real oder gefährlich. Das ist alles eine große Diskussion, die völlig am Thema und an der Realität vorbei geht.

Keine „Greta-Religion“

Ich kenne keine „Greta-Jünger“, die Greta als „Prophetin“ „verehren“ wie eine „Heilige“. Ich tue es sicher nicht, und keiner um mich herum macht das. Und mir und meinem Umfeld wird dieser schwachsinnige Vorwurf ständig gemacht. Wer Greta gut findet, der bedankt sich bei ihr, dass sie ihr ökologisches Verständnis aufgerüttelt hat. Keiner baut ihr einen Schrein, wir beten nicht fünfmal am Tag Richtung Stockholm. Merkt denn keiner, wie sehr dieses manipulative Framing von Rechtsextremen und Klimawandelleugnern um sich greift? Solche Formulierungen sind keine sachliche Kritik.

Besonders, wenn der unglaubliche Hass, der fast nur aus vulgären Beleidigungen, Lügen und Falschbehauptungen besteht, völlig verharmlost wird. Das ist keine „Kritik“. Diskutiert meinetwegen über die Klimaneutralität von Gretas Trip, oder ob eine Videokonferenz sinnvoller gewesen sei. Aber Beleidigungen und das hundertste „Greta-Jünger“-Gerede könnt ihr euch sparen. Wenn die junge Aktivistin so viel Aufmerksamkeit bekommt, dann nicht, weil böse, „grüne“ Mächte euch manipulieren wollen.

Sondern weil euch lobbyfinanzierte Gruppen, die den Klimawandel leugnen, dazu manipulieren wollen, eine junge Frau irrational zu hassen. Weshalb ihr alle Medien mit Interaktion und Klicks belohnt, sobald sie irgendetwas über sie schreiben – sei es positiv oder negativ. Die machen das für euch, nicht für nicht-existente „Jünger“. Es gibt genau so Leute, die mit eurem Hass auf Greta Geld verdienen. Das macht euch nicht zu… Greta-Heiden? Aber zu einem wütenden Mob, der sich vielleicht einmal bewusst werden sollte, dass er eine junge Frau beleidigt und Lügen über sie verbreitet. Und vielleicht kann ich dann auch endlich mal über etwas anderes schreiben.

Artikelbild: 360b, shutterstock.com

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6 Fakten über Gretas Segelreise: Keine 5 extra Flüge, kein „Filmteam“

Fakten über Gretas Segelreise

Anstatt über den gigantischen Waldbrand im brasilianischen Regenwald zu berichten, der den Himmel komplett verdunkelte (Mehr dazu), regen sich anscheinend viel lieber über die Segelreise von Greta Thunberg über den Atlantik auf. Eine Aufmerksamkeit, die erst zu der Berichterstattung führt, die sie aufregt. Dennoch besteht die „Kritik“ an ihrer Reise in seltenen Fällen aus sachlicher Argumentation und besonders in den Kommentarspalten aus Lügen, Fake News und Beleidigungen. Einige dieser häufigsten Mythen und Fake News möchten wir hier aufklären.



1. Keine fünf extra flüge

Die taz rechnete vor einigen Tagen vor, dass Gretas Segelreise mehr Flüge verursachen würde, als wenn sie selbst geflogen wäre. So müsste ein fünfköpfiges Team extra nach New York fliegen, um die Segelyacht wieder zurück zu fahren. Doch wie der Skipper Boris Hermann gegenüber Ankerherz erklärt, sind hingegen zwei Teammitglieder bereits vor Ort, die die Rückführung als Trainingssession nutzen. Gegenüber der dpa erklärte Hermann, dass er es positiv sieht, dass Flugreisen als Problem erkannt wurden. „Das ist es ja, was wir wollen.“

Er erklärte weiter: „Man kann nicht alle Verantwortung auf individueller Ebene lösen. Die Diskussion um unsere Reise ist sehr kurzfristig, wenn man darüber nachdenkt, was die Intention ist: Es muss sich politisch was verändern. Unsere Flüge ändern nichts daran, dass Greta emissionsfrei nach New York kommt. Wir selbst sind ohnehin ein Rennteam und würden sonst in dieser Zeit trainieren und auch fliegen.“ (Quelle)

2. Kein Filmteam, keine „100 Einsatzflüge“, Keine beiboote

Eine Grafik mit der irreführenden Überschrift „Fakten“ wird verbreitet, die behauptet, an Bord seien ein ganzes Filmteam und das Boot werde von „100 Einsatzflugzeugen“ begleitet. Das ist völlig frei erfunden. An Bord mit Greta Thunberg sind lediglich der Dokumentarfilmer Nathan Grossman, ihr Vater Svante Thunberg und die Segler Pierre Casiraghi und Boris Herrmann. Wie Boris Herrmann auf seiner Seite berichtet, wird die Fahrt lediglich von Land aus mit einem speziell vorbereiteten Team unterstützt. Mehr dazu:

Völlig frei erfunden: Diese Grafik über Greta Thunberg ist Fake!

3. Kein „ROTHSCHILD-BOOT“

Derzeit teilen viele ein Foto, dass das Boot von Greta Thunberg zeigen soll, auf dem der Name „Edmond de Rothschild“ steht. Dass Greta mit diesem „Rothschild-Boot“ ihre Segelreise in die USA durchführen soll, soll ein Beleg für eine „Pariser Klimabanker Agenda“ sein. Die Yacht hieß tatsächlich früher so und gehörte den Rennseglern vom Team Gitana, wurde aber längst verkauft, umlackiert und umbenannt. Geheime Geldgeber oder antisemitische Verschwörung stecken nicht dahinter. Mehr dazu:

Nein, Greta segelt NICHT mit einem „Rothschild-Boot“: Mit Antisemitismus gegen das Klima?

4. Der Eimer ist echt

Das stimmt allerdings tatsächlich: An Bord gibt es keine Toilette. Die Crew nutzt lediglich einen Eimer, der darauf im Meer entleert wird. Dies ist natürlich weniger appetitlich, aber auch nicht die große Umweltsünde.

5. Das Boot ist aus Carbon

Es stimmt auch, dass das Boot eine Segelyacht aus Carbon ist, allerdings wurde es nicht extra für diese Überfahrt gebaut. Das Boot lief 2015 mit dem Namen „Gitana 16“ vom Stapel, da es von den Rennseglern Team Gitana gesegelt wurde. Später wurde es beschädigt, umlackiert und vom Stuttgarter Immobilienunternehmer Gerhard Senft für das Team Malizia gekauft. Und wird dementsprechend weiter als Rennyacht mit dem Namen „Malizia II“ genutzt. Es ist quasi „gebraucht“ genutzt.

6. Die Fahrt selbst ist komplett CO2-Frei

Der Törn von Greta ist nach der Versiegelung des Bordmotors komplett CO2-frei, wegen der Photovoltaikanlage und durch die Hydrogeneratoren an Bord. Ziel der Reise ist auch nicht, unter dem Strich CO2-neutral zu sein, wie auch Boris Hermann bestätigt hatte, sondern die Reise symbolisch klimaneutral anzutreten, um Aufmerksamkeit auf die Klimakrise zu richten und systemische Veränderungen anzustoßen. Wäre Greta Thunberg einfach geflogen, hätte man sie schließlich auch dafür kritisiert. 

Konklusion

Das meiste der Kritik, vom vulgären Kommentar-Troll bis zum Zeitungskolumnisten scheint sich um dubiose Unterstellungen und dem Verbreiten von Falschmeldungen und Diskreditierungen zu drehen. Immer wieder werden Lügen über Greta Thunberg verbreitet (Mehr dazu). Der Hass, die Hetze und die Lügen, die dieser Aktivistin entgegen gebracht werden, ist unglaublich und hat nichts mehr mit einem sachlichen Diskurs oder Kritik zu tun.

Ob derartige Verleumdungskampagnen und so ein Hass das ist, was wir als Gesellschaft von einem Diskurs erwarten, ist stark anzuzweifeln. Insbesondere wenn die Kritik an derartigen unzivilisierten Methoden mit Beleidigungen und Lügen als „Forderungen einer Meinungsdiktatur“ uminterpretiert wird, wie man stets lesen muss. Lügen und Beleidigungen sind nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt. Wer Greta Thunbergs Segelreise sachlich kritisieren will, der darf und soll das tun. Aber bitte bei den Fakten bleiben.

Mir reicht’s! Eine Abrechnung mit den Greta-Hassern

Artikelbild: Per Grunditz, shutterstock.com

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Rezo „zerstört“ die Zeitungen? – Was Rezo wirklich gesagt hat (& was nicht)

Rezo „zerstört“ die zeitungen (?)

Rezo, der mit seiner „Zerstörung der CDU“ auch außerhalb von Youtube größere Bekanntheit erlangte, war vor wenigen Tagen in einem Video zu Gast bei den „Space Frogs“. Dort sprachen sie nicht nur über den Kulturschock beim Lesen von Zeitungen, wenn die junge Generation weder Printmedien noch Fernsehen konsumiert, sondern auch über schlechten Journalismus und einige kritisierenswürdigen Praktiken bestimmter Medien. Hier das Video:



Was hat rezo wirklich gesagt?

Im Video schauen sich Rezo und Rick von den „Space Frogs“ vor allem die B.Z. und die BILD an. Sie äußern Unverständnis darüber, Printmedien und Fernsehen zu konsumieren – Etwas, das in ihrer Generation und bei jüngeren Menschen relativ weit verbreitet ist. Sie machen sich über die Klatsch-Inhalte der Zeitungen lustig, wie Berichte, die das Privat-Leben von Prominenten ausschlachten. Dann teilt Rezo auch gegen bestimmte Berichte, Medien und Praktiken aus.

Die BILD kritisiert er dafür, dass sie sich an Facebook wendet, dass diese nichts gegen Hetze unternehmen, während diese Zeitung nicht nur selbst mit reißerischen und oft faktisch falschen Berichten für eben diese Hetze sorgt, sondern auch trotz wiederholter Kritik die Hetze unter den eigenen Beiträgen nicht moderiert (Mehr dazu). Direkt vergleichen sie eine BILD-Schlagzeile vom nächsten Tag über „übermäßig gewaltbereite Flüchtlinge“ als Beweis. Rezo kommentiert das mit: „Wer liest das? Wer kauft das? Wer unterstützt das finanziell? So ein moralisch degenerierter …“

Er beschwert sich auch über eine Anfrage der FAZ an ihn, die eine Aussage zu ihm über einen Flug eines Youtube-Kollegen haben wollte, welche er als „die unnötigste E-Mail, die ich seit Langem erhalten habe“ bezeichnete. Den Vorfall kommentierte Rezo mit „Ohne Scheiß, Journalisten sind teilweise so dumm“. Auch kritisierte er das Verhalten eines BILD-Reporters, der ihn unangemeldet besuchen wollte und welchen er wegschicken ließ.

Er kritisierte die Medien für die viele „Billo-Shit-Unterhaltung“, ergänzte aber, dass das in Youtube nicht anders sei. Seriösere Medien wie „Süddeutsche“, „FAZ“, „Zeit“ und „Spiegel“ sollten die Praktiken von „Asi-Printmedien“ häufiger kritisieren. So wie der BILDBlog oder „Übermedien“ es tun, meint Rezo.

Kritik vom Journalisten-Verband

Vorneweg: Es ist kein Aufklärungs-Kritik-Video, sondern ein Gastauftritt bei einem Comedy-Format, das sich auch schon so ähnlich über die Youtube-Szene lustig machte, das vergessen so einige Berichterstatter. Rezos Kritik wurde in verschiedenen Medien verbreitet, manche darüber, was er gesagt hatte, wie beispielsweise t-online.de, andere kommentierten seine Aussagen kritisch, wie sachsische.de. Deren Kritik an den „Eigentoren“ geht allerdings ein am Thema vorbei – und lässt auch zu wünschen übrig. Denn Rezo liest selbstverständlich Zeitung – aber eben online, wie er sagt.

Besonders interessant ist hingegen die Stellungnahme des Deutsche Journalisten Verbandes, der Rezo „billige Stimmungsmache“ unterstellt:

Darin wirft DJV-Vorsitzender Frank Überall Rezo vor, „die Journalistinnen und Journalisten aller gedruckten Zeitungen pauschal als dumm und moralisch degeneriert zu diffamieren“. Und bezeichnet es als an „Hetze“ grenzend. Doch wie im Video zu sehen hat Rezo das niemals getan. Er sagte über Journalisten, dass diese „teilweise so dumm“ seien, wenn sie sinnlose Anfragen stellen würden. Und bezeichnete einen konkreten Bericht, schlimmstenfalls die Berichterstattung der BILD über Schutzsuchende als „moralisch degeneriert“. Mehrfach differenzierte er zwischen guten journalistischen Praktiken und Journalisten und schlechten. Explizit forderte er bestimmte Medien auf, gegen solche Praktiken vorzugehen.

Später wirft Überall Rezo vor: „Es ist billig, einerseits die Recherchen von Journalisten für das Anti-CDU-Video intensiv zu nutzen, und wenige Wochen später der gesamten Berufsgruppe kollektive Hirnschäden anzudichten.“ Dieser Vorwurf ist absurd, denn Rezo hat nichts dergleichen getan und das überhaupt nie erwähnt. Wie gesagt, hatte er sich über konkrete Vorfälle und Berichte echauffiert und bestimmte Medien wegen ihrer Berichterstattung kritisiert. Mehrfach differenzierte er explizit zwischen guten Journalisten und anderen und zählte sogar einige Zeitungen auf, welche er als „seriös“ betitelte.

DJV-Pressemitteilung gegen Rezo ist billige Stimmungsmache (?)

Auf Twitter äußerte sich Rezo zu der Pressemitteilung: „Kurz Popcorn für alle: Der Journalisten-Verband  hat wegen des aktuellen Videos der @SpaceFrogs (in dem ich auch vorkomme) eine Pressemitteilung gegen mich rausgehauen. In dieser wirft der Vorsitzende @ueberalltv mir ausschließlich Aussagen vor, die ich nie gemacht habe.“ Er ergänzt: „Ich weiß nicht genau, was ich dazu sagen soll. Bin halt nicht wütend, weil ich ja im Grunde nicht kritisierte wurde sondern eine fiktive Projektion von mir. Aber irgendwie ist das auch merkwürdig, wenn da so ein Quatsch steht.“

In der Tat ist es merkwürdig, wenn der Journalisten-Verband Rezo wegen seiner „billigen Stimmungsmache“ kritisiert. Und ihm dann Aussagen in den Mund legt und Ansichten unterstellt, die dieser nicht geäußert hat. Um Überall zu zitieren: „Das passt nicht zusammen“. Man könnte umgekehrt also ihm den Vorwurf der „billigen Stimmungsmache“ machen. Der DJV sollte sich hingegen vielleicht lieber seine eigenen Leute kümmern, die ebenfalls Berichte mit faktisch falschen Behauptungen und rechtspopulistischen Narrativen teilen:

Screenshot twitter.com

Nachtrag:

Der Deutsche Journalistenverband hat die Pressemitteilung inzwischen zurückgezogen: „Wir haben die Pressemitteilung zu #Rezo zurückgezogen, weil es intern unterschiedliche Auffassungen über die Tonalität seiner Aussagen gab. Um es klar zu sagen; #Medienkritik ist nicht nur legitim, sondern unverzichtbar im demokratischen Diskurs.“ Laut Rezo soll sich der Vorsitzende entschuldigt haben. Für Rezo sei demnach die Sache erledigt.

Artikelbild: Screenshot youtube.com

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Nein, Greta segelt NICHT mit einem „Rothschild-Boot“: Mit Antisemitismus gegen das Klima?

Mit Antisemitismus gegen das Klima?

Derzeit teilen viele ein Foto, dass das Boot von Greta Thunberg zeigen soll, auf dem der Name „Edmond de Rothschild“ steht. Dass Greta mit diesem „Rothschild-Boot“ ihre Segelreise in die USA durchführen soll, soll ein Beleg für die „Pariser Klimabanker Agenda“ sein. Und eine Verschwörung, die dahinter stecke. Hier die betreffende Grafik:

Screenshot

„Dieser Moment, wenn du begreifst das du mit nem Rothschild-Boot unterwegs bist.
#Pariser Klimabanker Agenda“



Das foto ist echt

Das Foto auf der Grafik stammt aus dem Jahr 2015 und wurde von „Th. Martinez“ geschossen. Man kann es auf der Seite „yachtingworld.com“ sehen. Dort berichtet man von einer Testfahrt eines Bootes mit Namen „Edmond de Rothschild“. Das Boot lief 2015 mit dem Namen „Gitana 16“ vom Stapel, da es von den Rennseglern Team Gitana gesegelt wurde. Später benannten sie das Boot „Edmond de Rothschild“, da der französische Bankier das Team im Jahr 2000 gegründet hatte.

2016 wurde das Boot bei einem Rennen durch extreme Wetterbedingungen beschädigt, wurde später umgefärbt und lag in Monaco vor Anker, wo es 2019 von dem Stuttgarter Immobilienunternehmer Gerhard Senft für das Team Malizia gekauft wurde. Jetzt segelt es unter deutscher Flagge, ist im Hamburger Schiffsregister eingetragen und heißt „Malizia II“. Und es ist tatsächlich das Boot, mit dem Greta derzeit über den Atlantik segelt.

Es gehört aber nicht mehr dem Team Gitana und heißt auch nicht mehr „Edmond de Rothschild“. Und hat dementsprechend auch nicht mehr das Segel mit diesem Namen. Sondern stattdessen eines mit der Aufschrift „Unite behind the Science“ (Hier zu sehen). Normalerweise hat es ein Segel mit dem Logo von BMW, das das Team sponsert. Dieses wurde ausgetauscht, ebenso wie alle anderen Logos des Automobilkonzerns. Eben weil Greta Thunberg keine Werbung damit machen will und kein Geld verdienen.

Antisemitismus?

Die Verbreitung des Bildes und die Behauptung, sie würde mit einem „Rothschild-Boot“ fahren, ist demnach ein weiterer Versuch der Diskreditierung. Nicht nur will man sie so in die Nähe von Bankern rücken, womit eine finanzielle Agenda hinter der Klimarettung suggeriert werden soll. Mit „Rothschild-Boot“ bringt man sie auch in die Nähe von antisemitischen Verschwörungstheorien. Wie die Bundeszentrale für politische Bildung informiert, ist moderner Judenhass oft kodiert und ersetzt das „Internationale Finanzjudentum“ mit Begriffen wie einer „internationalen Finanzelite“.

Dabei werden besonders Namen und Schlagworte als Hinweise darauf gestreut, die diese mit Juden in Verbindung bringen sollen. Dazu gehört auch die Erwähnung von „Goldman Sachs“. Oder eben den „Rothschilds“, denen seit jeher unterstellt wird, heimlich die Weltgeschicke zu manipulieren. Auf diese bezogen sich auch die Nationalsozialisten und auch heutige Neonazis (Mehr dazu). Es ist also ebenfalls ein Code für rechtsextreme Greta-Hasser, um sie mit einer antisemitischen Verschwörung zu verknüpfen und so weiter zu diskreditieren.

Siehe auch den Faktencheck bei Mimikama. Artikelbild: Mix and Match Studio, shutterstock.com / Screenshot facebook.com

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Falsch: 2018 wurden NICHT 230 Deutsche durch „Zuwanderer“ getötet

Falsche interpretation einer schlechten statistik

Es ist ein wenig absurd, aber in rechten und rechtsextremistischen Kreisen verbreitet man mit Hinweis auf das BKA (Bundeskriminalamt) die Behauptung, 230 Deutsche seien Todesopfer durch so genannte „Zuwanderer“ geworden. Auch seriöse Medien wie die WELT titelten „Gewalt von Zuwanderern gegen Deutsche nimmt zu“. Wenn man bedenkt, dass diese Schlagzeile genau gegenteilig lauten könnte, wenn die polizeilichen Ermittlungen zum Anschlag vom Breitscheidplatz vom Dezember 2016 nicht erst im April 2018 abgeschlossen worden wären, sondern noch im Jahr 2017. Ja richtig, dann wäre laut Statistik die Opferzahl im Vergleich zum Vorjahr rapide gefallen.

Merkwürdig? Auf jeden Fall. Das hat unter anderem damit zu tun, dass die Statistik des Bundeskriminalamtes „Bundeslagebild Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ (2018) eine Eingangsstatistik ist, also die abgeschlossenen Ermittlungen aufzählt. Und damit im Jahr 2018 auch alle Opfer des Attentats vom Dezember 2016. Doch das ist nicht alles. Weder sind „Zuwanderer“ immer diejenigen, die man meinen könnte, noch sind die meisten dieser Opfer wirklich tot. Wir erklären, wie hier eine sehr erklärungsbedürftige Statistik von rechten Hetzern missbraucht wird.



„Zuwanderer“ sind nicht Migranten und auch nicht zwingend Flüchtende

Fangen wir zuerst bei der Definition von „Zuwanderer“ an. Entgegen der weitläufig verbreiteten Bedeutung von „Zuwanderer“ handelt es sich hierbei größtenteils nicht um Migranten. Darunter fallen (erst seit 2017) Geflüchtete mit anerkanntem Aufenthaltstitel (international/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte), aber auch Asylbewerber und Menschen mit „unerlaubtem Aufenthalt“. Doch auch „Schutzsuchende“ als Synonym dafür ist falsch, da in der Definition des BKA auch „unerlaubter Aufenthalt“ dazu gehört, der nicht nur abgelehnte Asylbewerber meinen kann. Darunter fallen nämlich auch Studenten, Touristen, Arbeitnehmer, Geschäftsleute, aber auch professionelle Diebesbanden, die sich im Land ohne gültige Visa aufhalten. Es sind also teilweise weder Migranten, noch Schutzsuchende dabei.

Genau aus diesem Grund kann auch keine „Tatverdächtigenbelastungszahl“ ermittelt werden. Sprich: Man kann die Zahlen der Straftaten nicht in Relation zu den hier lebenden „Zuwanderern“ setzen. Das schreibt das BKA auch selbst:

Quelle: Bundeslagebild Kriminalität im Kontext von Zuwanderung

Mehr dazu hat der Kollege Tobias Wilke ist seiner Analyse verfasst:

Bei Zuwanderern verzählt, bei Kriminalität verrechnet: Nicht nur Rechte stolpern über BKA-Statistik

91,3% der Todesopfer sind falsch!

Besonders absurd wird der Verweis der 230 deutschen Opfer von „Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen“, an welchen mindestens ein „Zuwanderer“ beteiligt wird, wenn man berücksichtigt, dass die meisten davon noch leben. Erstens sind nur 102 Personen davon Opfer eines „vollendeten Tötungdeliktes“ geworden. Das heißt, es handelte sich bei mehr als der Hälfte der Fälle ausschließlich um Versuche. Das darf man an dieser Stelle nicht vergessen.

Zweitens ist auch ein Großteil der Opfer der „vollendeten Tötungsdelikte“ noch am Leben. Wie das BKA selbst erklärt, werden alle Opfer des Anschlags am Berliner Breitscheidplatz vom 19.12.2016 als Opfer eines „vollendeten Tötungsdeliktes“ erfasst. Das heißt, von den 102 Delikten aus der Statistik für 2018 sind 82 Deutsche aus dem Jahr 2016, und davon 75 Verletze.

Quelle: Bundeslagebild Kriminalität im Kontext von Zuwanderung, S.52

Diese Information findet sich auf Seite 52 und insbesondere in den Fußnoten:

Die Kategorie „Opfer nichtdeutsch“ vom Breitscheidplatz hat das BKA hingegen anscheinend „vergessen“. Beim Terroranschlag wurden schließlich auch Menschen aus der Ukraine ermordet, aus Israel, aus Polen, Italien und der Tschechischen Republik.

Ohne die sieben Todesopfer von 2016 bleiben also noch 20 vollendete Tötungsdelikte für das Jahr 2018 übrig, an denen mindestens ein „Zuwanderer“ beteiligt gewesen ist. Wie viele Täter davon tatsächlich auch Schutzsuchende waren und wie viele der Opfer auch tatsächlich getötet wurden, kann man allerdings aufgrund der Ungenauigkeit dieser Statistik tatsächlich nicht sagen. 230 waren es hingegen sicherlich nicht.

unnötige vorlage für rechte hetze

Auch bei der Berechnung der Straftaten bei den Sexualdelikten gibt es enorme Ungenauigkeiten, die Vergleiche unmöglich machen. So hat sich im Laufe der Jahre die Definition, was unter ein „Sexualdelikt“ fällt, ebenso geändert wie was man unter „Zuwanderern“ verstehen soll. Ich möchte hier noch einmal auf den Artikel des Kollegen verweisen (Mehr dazu). Diese zahlreichen Unschärfen, die in die Statistik eingehen, machen sie vielleicht zu einem Arbeitsnachweis der Polizei, aber für brauchbare Aussagen über die Kriminalität von Nichtdeutschen (Mehr dazu) oder Schutzsuchenden ist sie nahezu unbrauchbar.

Man sollte sich im Angesicht der Tatsache, dass daraus die Behauptung gebastelt wird, es hätte 2018 230 deutsche Todesopfer durch Schutzsuchende gegeben, was völlig falsch ist, vielleicht überlegen, ob man nicht gänzlich auf diese Statistik verzichten sollte. Medien überspitzen wiederum diese bis zur völligen Unbrauchbarkeit ungenauen Zahlen. Und dann wiederum werden diese Überspitzungen von Hetzern entkontextualisiert und für rassistische Hetze verwendet.

Denn 2018 sind die „Tötungsdelikte“ im Vergleich zum Vorjahr gar nicht um „105%“ gestiegen. Wahrscheinlich – und eine genaue Bezifferung ist leider unmöglich – sind sie sogar stark gefallen, wenn man sich die 85 „vollendeten Tötungsdelikte“ aus dem Jahr 2017 (Vergleiche) anschaut und sie mit den verbliebenen 20 aus dem Jahr 2018 vergleicht. Derartige Zahlenspiele sind bestenfalls sinnlos. Aber wie man täglich in den sozialen Netzwerken sehen kann, schlimmstenfalls eine Rechtfertigung für Rassismus und rechtsextreme Einstellungen.

Zum Thema:

Kriminalstatistik: Messer-Martin dreimal so kriminell wie Chorknabe Chalid?

Artikelbild: rootstock, shutterstock.com

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Sorry AfD: Bloßgestellter AfD-Politiker aus Stralsund ist real!

AfD-Fakes über Fakes

Offenbar war einigen AfDlern der Auftritt ihres Parteikollegen beim Leser-Forum der Ostee-Zeitung doch zu peinlich. Der Lokalpolitiker und Ex-Polizist Thomas Naulin konfrontierte in Stralsund Bundeskanzlerin Merkel mit AfD-typischen Anschuldigungen. Sie habe das Land gespalten sagte er und dass es keine Meinungsfreiheit in ihrer „Diktatur“ mehr gäbe. Dass Frau Merkel trotz der überzogenen Behauptungen locker blieb und ihm erklären musste, dass er offensichtlich seine angeblich unterdrückte Meinung doch wohl gerade sagen dürfe, wurde zum viralen Hit. Hier unser Bericht und das Video dazu:

Gut gekontert: So cool erklärt Merkel einem AfD-Politiker Meinungsfreiheit – Video



Stralsund-Auftritt zu peinlich für die afd

Obwohl Naulins Narrativ einer unterdrückten Minderheit, die es in Wahrheit gar nicht gibt, und auch der Mythos vom Rechtsbruch 2015 typische AfD-Darstellungen sind, war einigen in der rechtsextremen Partei der Auftritt anscheinend doch zu peinlich. Wenige Tage später tauchte plötzlich dieser Artikel auf, der die Behauptung aufstellte, der AfD-Politiker sei ein bezahlter Schauspieler der „linken Presse“ gewesen:

Screenshot

Darin wird unter anderem erklärt, der AfD-Politiker hieße „Nolin“ – welchen es natürlich nicht gibt – oder sein Verband sei „Pommern-Rügen“ statt „Vorpommern-Rügen“, um zu belegen, dass es eine False-Flag-Aktion gewesen sei sollte. Natürlich ist es einfach, Ungereimtheiten zu finden, die man sich gerade selbst ausgedacht hat. Doch Thomas Naulin gibt es natürlich sehr wohl, und auf seiner Facebook-Seite hat er sich auch zu dem Vorfall geäußert. Naulin ist darüber hinaus bekannt, weil seine Partei im Kreistag Vorpommern-Rügen gleich zwei verschiedene Fraktionen stellt – und dafür doppelt Steuergelder bekommt (Quelle).

Die Seite „telegra.ph“ ist eine Fake-News-Seite, auf welcher sich jeder selbst einen Artikel erstellen kann:

Screenshot

Dennoch verbreiten einige AfD-Politiker diese Fake News:

Screenshots #DieInsider

Die Logik hinter so einem Fake

Es ist typische, rechtsextreme Propaganda und eine Verwirrtaktik: Wenn alle eigenen Fehler und Unzulänglichkeiten immer wieder als bösartiges Komplott und Fake dargestellt werden, immunisiert man sich nicht nur vor Kritik, (da man natürlich nie etwas falsch machen kann, wenn alle Fehler nur die Schuld meiner Gegner sind). Dadurch wird auch immer weiter der irrationale Hass auf Andersdenkende und politische Gegner geschürt, der genau in solchen peinlichen Auftritten wie in Stralsund mündet, wo man die Kanzlerin mit offensichtlich falschen und überzogenen Anschuldigungen konfrontiert, weil man den ganzen Tag nur tendenziöse Medien und Fake News konsumiert.

Durch das Erfinden angeblicher Fehler wird Misstrauen gestreut. Die angeblichen Fehler (oder Autorennamen wie „C. Lars Reklotius“) werden nicht als Hinweise darauf interpretiert, dass die Behauptung gelogen sei. Sondern als Ungereimtheiten, die der großen Verschwörung des Systems zugeschrieben werden. Am Ende steht in der Augen der Opfer dieser Fake News nur Behauptung gegen Behauptung. Und dann glauben sie letztlich nur dem „Fake-Vorwurf“, der ins eigene Selbstbild passt, völlig unabhängig davon, ob man eines davon belegen kann und das andere nicht. Ein zivilisierter und konstruktiver Diskurs wird dadurch unmöglich.

Offenbar selbst der AfD peinlich

Es ist dennoch bezeichnend, dass die eigenen Parteikollegen es für nötig sehen, die Vorwürfe Naulins zu verleugnen. Diese entspricht schließlich eins zu eins der eigenen Parteiposition. Einfach nur, weil man sie ohne große Kunst entlarven konnte. Denn Frau Merkel wurde zwar für ihre Reaktion gefeiert. Aber dass man inzwischen Applaus dafür kriegt, dass man einigen Menschen erklären muss, dass sie ihre Meinung offensichtlich sagen dürfen, sagt nichts Gutes über den Zustand unserer Diskurse aus.

Artikelbild: Red Moccasin, shutterstock.com/DieInsider

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Doch, Sor




Völlig frei erfunden: Diese Grafik über Greta Thunberg ist Fake!

Fakten? Von wegen

Die Diffamierung, die zu dem vielen Hass gegen Greta Thunberg führt, wird auch durch solche Sharepics gefüttert:

Der Text:

„FAKTEN

Wusstest Du das bei der Atlantiküberquerung der Greta Thunberg auf einem Segelboot auch ein Filmteam (aus medialen Gründen) an Bord der Jacht ist und die Fahrt der Jacht von mehr als ein Dutzend militärischen Überwachungsflugzeugen mit weit mehr als 100 Einsatzflügen über dem Nordatlantik aus Sicherheitsgründen überwacht wird….

Das wird die mit Abstand teuereste Atlantiküberquerung der Neuzeit!

Mit dem höchten Co2-Verbrauch seit dem 2. Weltkrieg!“



Frei erfunden!

An Bord mit Greta Thunberg sind lediglich der Dokumentarfilmer Nathan Grossman, ihr Vater Svante Thunberg und die Segler Pierre Casiraghi und Boris Herrmann. Wie Boris Herrmann auf seiner Seite berichtet, wird die Fahrt lediglich von Land aus mit einem speziell vorbereiteten Team unterstützt. Dort steht auch, dass es zwar einen Motor für Notfälle gibt, dieser aber vor der Abfahrt offiziell versiegelt wurde (Quelle). Die Infos auf diesem Sharepic sind also frei erfunden. Nachzulesen auch bei Mimikama.

Wie die taz berichtet, hat ihre Reise dennoch mehr Klimafolgen, da die Yacht auf der Rückfahrt von fünf Seglern zurückgebracht werde, die dafür extra nach New York fliegen. Die taz rechnet dafür zwar vor, dass sie dadurch sechs Flüge verursacht hat, das würde aber nur gelten, wenn alle mit unterschiedlichen Flugzeugen fliegen würden und die Linienflüge nicht ohnehin fliegen würden. Nichtsdestotrotz verursacht diese Reise so diese zusätzlichen Emissionen.

Doch laut Greta Thunberg und ihrer Crew ist es nicht das Ziel der Überfahrt, so das Klima zu retten. Denn schließlich sei das auch keine Reiseoption, die viele Menschen wahrnehmen könnten. Es sei eine Aktion, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, schließlich wäre sie für den Flug nach New York auch für angebliche Heuchelei kritisiert worden. Denn es geht nicht darum, dass wenige Einzelpersonen klimaneutral leben – was in der modernen Welt ja gar nicht möglich ist. Und genau darin liegt das Problem, es müssen größere Veränderungen vollzogen werden. Jedoch sind Fake News wie diese Grafik nur dazu da, weiter Missgunst und Hass zu streuen.

Mehr dazu:

4 Gründe, warum Greta Thunberg deinen Hass verdient hat!

Artikelbild: Alex E. Proimos, Flickr,  (CC BY 2.0), changes were made, Screenshots facebook.com

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Faktencheck: Nein, eine CO2-Steuer wäre nicht verfassungswidrig!

Faktencheck

Vor kurzem veröffentliche der wissenschaftliche Dienst des Bundestages ein Gutachten über eine mögliche CO2-Steuer. Im Zuge des Klimakabinetts will die Regierung im September ein Klimaschutzpaket beschließen, das auch den Vorschlag einer CO2-Steuer enthält. Um Geringverdiener zu entlasten, hatte Umweltministerin Schulze vorgeschlagen, diese potentielle Steuer mit einer Klimaprämie zu verbinden. Die Ergebnisse dieser Studie werden aber von einigen Medien und Politikern verzerrt wiedergegeben.

So schreiben beispielsweise WELT oder FOCUS Online, dass der Dienst die Steuer für verfassungswidrig hält. In einer ursprünglichen Version sprach FOCUS Online sogar von „ist verfassungswidrig“ statt „könnte […] sein“. Auch andere Medien berichten ähnlich. Der Tagesspiegel korrigierte einen Folgeartikel, der seine eigene, erste Darstellung als „stark verkürzt“ und „grob missverständlich“ bezeichnet. Dieses Framing, zusammen mit der irreführenden Behauptung, es sei verfassungswidrig, wurde selbstverständlich von der klimaschutzfeindlichen AfD aufgegriffen:

Screenshots #DieInsider



Was wirklich richtig ist

Zunächst einmal ist die Einschätzung des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages nur das: Eine Einschätzung. Das letzte Wort hätten selbstverständlich die Gerichte, wenn es um die Verfassungskonformität eines (möglichen) Gesetzes geht. Zweitens gibt es bisher verschiedene Entwürfe für eine CO2-Steuer, weshalb das Gutachten nur mit einem vagen Begriff arbeiten kann. Ein konkretes Gesetz könnte anders aussehen. So steht in dem veröffentlichten Gutachten, dass es kein „Steuererfindungsrecht“ gibt. Sprich, eine Steuer müsse daher die Bedingungen der vorher vorhandenen Steuerarten beinhalten. Einfache CO2-Emissionen direkt zu besteuern wäre demnach nicht möglich.

In dem Gutachten steht, dass eine CO2-Steuer hingegen als Verbrauchs-, Aufwands- oder Verkehrssteuer möglich wäre, eine direkte Besteuerung von CO2-Emissionen sei hingegen ihrer Einschätzung nach verfassungswidrig. „Denn eine CO2-Emission ist weder der Verbrauch eines Verbrauchsguts (CO2 wird emittiert und nicht verbraucht), noch ist es ein Rechts- bzw. Wirtschaftsvorgang oder der Besitz einer Sache. Eine Besteuerung einer CO2-Emission lässt sich keinem bestehenden Steuertypus zuordnen und ist mithin steuerverfassungsrechtlich ausgeschlossen.“

Also ja, eine direkte CO2-Steuer auf Emissionen wäre verfassungswidrig, aber so kann und muss die CO2-Steuer ja auch nicht aussehen. Wenn dieser Kontext weggelassen wird, entsteht ein falsches Bild. Und Fake News, die die AfD nutzt. Alternativ könnte man hingegen einen „CO2-Aufschlag auf die bestehende Energiesteuer“ einführen, wie das Bundesumweltministerium vorschlägt. Oder man könnte eine Steuer auf auf den Verbrauch von „Kohle, Erdgas, Benzin, Diesel und vergleichbaren Gütern“ erheben, wie die Juristen erklären.

Bundesumweltministerium widerspricht

Das Bundesumweltministerium hat deshalb die Kritik des Gutachtens an der CO2-Steuer zurückgewiesen. Denn das Ministerium habe laut Sprecher gar nicht vor, eine direkte Besteuerung von Emissionen zu „erfinden“. Das Modell von Umweltministerin Schulze arbeite eben mit der bestehenden Energiesteuer, womit es klar „eine Verbrauchssteuer, und […] damit verfassungsrechtlich abgesichert“ wäre.

Die Berichterstattung führte also in die Irre und stellt das gesamte Gutachten verkürzt dar. Klimafeindliche Parteien wie die AfD nutzen das, um gegen die CO2-Steuer und Klimaschutzmaßnahmen allgemein zu wettern. Die AfD leugnet den wissenschaftlichen Konsens des menschengemachten Klimawandels und ist mit ihren Positionen eine der klimafeindlichsten Parteien Europas (Mehr dazu). Derartig ungenaue Berichterstattung führt zu Missverständnissen und Fake News. Und bei den Anhängern kommt dann nur noch Unsinn heraus:

Artikelbild: pixabay.com, CC0 / Screenshots DieInsider

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