Fail: AfD entwickelt Anti-Corona App – sie wird zum teuren Eigentor

| Bericht | 8. Juli 2020

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AfD blamiert sich mit eigener Corona App

Die Corona-Warn-App wurde nach drei Wochen bereits über 15 Millionen mal heruntergeladen (Quelle). Das reicht laut einer Oxford-Studie, damit sie Wirkung zeigt (mehr dazu). Die App der Bundesregierung (AndroidApple) ist freiwillig, anonym und die Daten werden nur begrenzte Zeit und lokal auf dem Smartphone gespeichert. Erst bei einer gemeldeten Infektion werden Daten weitergegeben. Auch der „Chaos Computer Club“ hat datenschutztechnisch nichts an der App auszusetzen (Quelle), die Software ist sogar öffentlich einsehbar.

Das hindert die realitätsferne AfD jedoch nicht daran, gegen die Corona App zu hetzen, um beim Klientel der Verschwörungsideologen und Maßnahmen-Gegner nach Stimmen zu fischen. Ihre jüngste Aktion war jedoch ein teurer Reinfall. Ein AfD-Politiker ließ für einen fünfstelligen Betrag eine Art Anti-Corona-App entwickeln, um die App der Bundesregierung zu diskreditieren. Doch nicht nur gibt es Apps mit den gleichen Funktionen bereits, weder funktioniert die App richtig, noch lädt sie überhaupt jemand herunter.

Was die AfD erreichen wollte

Die AfD besteht entgegen der Meinung der meisten Expert*innen darauf, dass die Corona-Warn-App datenschutzrechtlich bedenklich wäre. Um zu zeigen, wie schlimm die Warn-App sei, ließ ein stellvertretender AfD-Fraktionsvorsitzender seine Softwareentwickler-Firma eine Art Anti-Corona-Warn-App entwickeln, die anzeigen soll, wie viele aktive Corona-App-Nutzer*innen sich in der Nähe befinden und wie weit sie entfernt sind (Quelle). Das solle in der Theorie einen Grusel-Effekt auslösen, in Kombination mit den Lügen der AfD.

Doch die AfD-App, die 1,19 Euro kostet, wird zum großen Reinfall: Nicht nur wurde sie nur etwa 100 mal heruntergeladen, ihre Bewertung liegt bei gerade mal 1,9 Sternen. Die App, deren Entwicklung einen fünfstelligen Betrag gekostet haben soll, funktioniert nämlich eigentlich wie ein stinknormaler Bluetooth-Scanner, von denen es schon viele gibt. So findet man aber nicht nur Smartphones mit der Corona-Warn-App, sondern alle Smartphones mit aktivem Bluetooth. Und nicht nur das: Die App verlangt sogar MEHR Zugriffsrechte als die App der Bundesregierung, wo man dieser doch vorwirft, eine Datenkrake zu sein.

Teuer, unbeliebt, sinnlos

Doch selbst wenn sie so funktionieren würde wie behauptet: Man kann mit diesen Informationen nichts anfangen und niemanden identifizieren, denn die Codes ändern sich alle 15 Minuten. Selbst wenn sie funktionieren würde, wäre ihr Nutzen: Null. Sie würde hingegen eher beweisen, wie sicher die Corona-App der Regierung wirklich ist. Aber nicht einmal das kann sie. Dafür hat die AfD also mindestens 10.000 € ausgegeben. Für eine App, die ohnehin kaum jemand nutzt. Im Gegensatz zur Warn-App.

Anstatt ihre Lügen zu untermauern, die Corona-Warn-App sei eine „Datenkrake“ (Brandner), hat die AfD eine kostenpflichtige, teure und nutzlose App entwickelt – die mehr Daten von ihren Nutzer*innen verlangt als die App, gegen die die in großen Teilen rechtsextreme Partei Stimmung machen wollte. Und sie hilft nicht einmal dabei, irgendwelche Ansteckungen zu erschweren. Die Sinnhaftigkeit dieser AfD-Aktion lässt sich stark bezweifeln. Zum Glück kostet sie diesmal nicht Steuergelder.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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Unsere Autor:innen nutzen die Corona-Warn App des RKI: