Corona-Verharmloser Homburg belegt aus Versehen unseren Text über PCR

| Corona-Fake | 6. Oktober 2020

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Homburg belegt aus Versehen unseren Text über PCR

Nach unserem Artikel über Corona-Test-Qualität ist der Finanzprofessor Homburg anscheinend unglücklich, dass seine Narrative über Corona widerlegt wurden und fängt an, uns auf Twitter als “Hassportal” zu beleidigen. Und ja, natürlich gehen wir juristisch dagegen vor, wenn uns jemand so diffamiert. Hier unser Artikel zum Nachlesen:

PCR-Tests sind sehr genau: Teile diesen Text, um die zentralen Lügen der Pandemie-Leugner zu widerlegen

Homburg, auf dem Titelbild zu sehen als Sprecher auf einem AfD-Parteitag 2015, teilt auch einen Twitter-Thread mit angeblichen “PCR-Fehltests” als “Faktensammlung”, die uns widerlegen soll. Schauen wir uns die doch also mal genauer an.

Aber erstmal müssen wir ein paar Hürden überwinden.

Neuen privaten Tab öffnen, uff geschafft.

Strohmann-Homburg

Erstmal ist das ganze Argument von Homburg et. al. natürlich hauptsächlich ein Strohmann und er stellt unsere Darstellung (bewusst?) falsch dar. In unserem Fazit aus dem gestrigen Artikel sprechen wir davon, dass die Corona-Tests in der Praxis eine Spezifität von mindestens 99,9% aufweisen müssen, um die teils extrem niedrige Zahl an Positiven unter zigtausenden Tests zu erklären. Die Zahl von 100% Spezifität haben wir nur im Zusammenhang mit Validierungen der Tests verwendet, was auch völlig korrekt war.

Aber ich kann Sie verstehen, Herr Homburg, immerhin hängt ihre Glaubwürdigkeit als Professor davon ab, dass Sie nicht regelmäßig beim Teilen von Falschinfos erwischt werden. Da bleibt Ihnen halt mittlerweile kaum noch was anderes übrig, als auf Strohmänner einzuschlagen, sonst müssten Sie sich ja wirklich mit unseren Argumenten und den realen Fakten auseinandersetzen.

Selbst bei 99,99% Spezifität käme es bei 1 Million Tests pro Woche zu etwa 100 falsch positiven Ergebnissen. Also eine Aufzählung von einer Handvoll Falsch Positiven Fällen aus Deutschland ist da eher so mittelgut als Gegenargument geeignet. Müsste Ihnen doch eigentlich klar sein, so als Finanzprofessor.

Geben wir uns trotzdem mal die Fälle die Homburg et. al. da aufzählt. Die belegen nämlich ziemlich gut, was wir in unserem Text geschrieben haben:

Absicherungen gegen Laborfehler:

Zum Beispiel beschreiben wir die Empfehlung des RKI und der Hersteller, bei unklaren Testergebnissen erneut zu testen, um falsch positive Resultate auszuschließen. Ein unklares Testergebnis kann zum Beispiel vorliegen, wenn die Probe nur auf einem Gen-Target positiv ist. Das RKI schreibt über solche Fälle:

“Ggf. muss zur Klärung eine geeignete laborinterne Überprüfung (z. B. Wiederholung mit einem anderen Testsystem) erfolgen bzw. eine neue Probe angefordert werden. Der Befund soll eine klare Entscheidung im Hinblick auf die Meldung ermöglichen.” (Quelle)

Homburg et. al. listen in ihrem Thread einen Fall aus Aue, wo zwei Spieler wohl doch nicht positiv waren. Mmh, lesen wir mal den Artikel dazu:

Mmh. Interessant. Ich bin mir zwar nicht so ganz sicher, was “schwach positiv” in dem Fall bedeutet, aber dieser Artikel, hier ebenfalls aus dem Thread, scheint ein ähnlicher Fall zu sein:

Also: Die Tests waren nicht eindeutig und wurden wiederholt, um Falsch Positive zu verhindern. Scheint, als hätten da genau die Mechanismen, die Falsch Positive verhindern sollen, genau so funktioniert, wie es sich gehört. Sicher, dass Sie mit solchen Beispielen unseren Artikel widerlegen wollen, Herr Homburg?

Absicherungen gegen Fehler in den Test-Kits:

Wie wir in unserem Text beschreiben, wird jedes Corona Test-Kit zigmal validiert: Vom Hersteller, von unabhängigen Prüfern, aber eben auch von jedem Labor, das diese Tests anwendet. Dass dieses System immer wieder erfolgreich fehlerhafte Test-Kits identifiziert, zeigt ein weiteres Beispiel von Homburgs Thread:

In Schweden wurden offenbar minderwertige Test-Kits aus China entdeckt. Zwei Labore in Schweden hatten in ihren eigenen Tests festgestellt, dass die Tests der chinesischen Firma BGI viele Falsch Positive generieren. Die WHO hat eine Untersuchung gestartet (Quelle).

Das Labor, das den Fehler entdeckt hat, wird jetzt andere Test-Kits nutzen, die sich auf mehrere Gen-Targets stützen, um den Fehler zu minimieren (Quelle). Wie es auch das RKI empfiehlt (Quelle).

Homburg teilt widerlegte Fake News

Unter den Artikeln im Thread ist auch einer der rechten Wochenzeitschrift “Wochenblick”. Diese Leute veröffentlichen so viele Falschmeldungen, dass die Faktenchecker:innen von Correctiv eine eigene Rubrik zu denen eröffnen könnte.

So auch in diesem Fall: In einem Artikel wird behauptet, dass 90% der PCR-Tests in den USA falsch positiv sind. Als Quelle wird ein New York Times Artikel angegeben, den wir auch in unserem Artikel verlinkt hatten. Nur was “Wochenblickt” da behauptet, steht da gar nicht (Faktencheck Correctiv). Es geht um die Frage, ob Personen, bei denen die PCR eine niedrige Viruslast nachweist, als infektiös gelten sollten. Diese Frage thematisieren wir auch in unserem Artikel. Das ist eine komplexe Debatte, denn das Virus wird ja definitiv nachgewiesen, es besteht also immer das Risiko, dass jemand dann doch noch ansteckend ist oder wird. Im Faktencheck von Correctiv sagt zum Beispiel der Sprecher von Bioscientia, einem Laborverbund:

“Wir wollen nicht riskieren, dass ein Altenpfleger mit SARS-CoV-2 arbeiten geht, nachdem er falsch negativ getestet wurde.”

Wären Sie bereit, Herr Homburg, in solchen Fällen persönlich für alle Schäden aufzukommen, die eine Veränderung der Testpraxis hier zur Folge hätte? Können Sie also nachvollziehen, warum man hier auf Nummer sicher geht? Nur mal so: In Altenheimen stirbt auch mal so eben in kürzester Zeit jede:r fünfte Bewohner:in, wenn es dort einen Covid-19-Ausbruch gibt (Quelle). Vielleicht sind das dann zwar “nur” Alte und Kranke, aber laut unserem Grundgesetz ist die Würde des Menschen nun mal unantastbar. Also überlassen wir diese Diskussion mal besser den Profis, oder?

Weitere Faktenchecks

Auch im Artikel von “Reitschuster”, (der ebenfalls regelmäßig Lügen zu Corona verbreitet), steht hier neben allerhand Schwurbelei über den Biologen Andreas Bermpohl ausnahmsweise selbst mal was vernünftiges nämlich:

“Die vorherrschende Meinung in Fachkreisen ist der von Bermpohl diametral entgegen gesetzt. Demnach ist eine Infektion die „Aufnahme eines Krankheitserregers und seine nachfolgende Entwicklung oder Vermehrung im menschlichen Organismus“, wie es im Infektionsschutzgesetz steht.”

Auch wurde gleich präventiv ein Faktencheck von Correctiv verlinkt. Also gibt Reitschuster selber zu, dass dieser Text eine absolute Minderheitsmeinung in dem Fachgebiet wiedergibt, die vermutlich falsch ist. Nett. Bitte diesen Ethos beibehalten.

Fazit

Die Diskussion über Falsch Positive Tests lässt sich schwer an Einzelfällen führen. Unserer Ansicht nach sind immer noch am ehesten Beispiele wie dieses hier geeignet, um die Falsch-Positiv-Rate in der Praxis abzuschätzen:

Solange wir Testreihen mit tausenden Tests, komplette Landkreise oder zeitweise sogar ganze Bundesländer haben, in denen von zigtausenden Tests kein einziger positiv ist, machen wir uns über die “Falsch-Positiv-Rate” erstmal überhaupt keine Sorgen. Das sind nun mal die Ergebnisse aus dem realen Laboralltag. Diese zeigen nun mal, dass es mathematisch extrem unwahrscheinlich ist, dass eine nennenswerte Zahl an Tests falsch positiv wäre. Rechnen Sie gern die Konfidenzintervalle aus, Herr Homburg. Damit sollten Sie sich doch zumindest auskennen.

Artikelbild: picture alliance / dpa / Screenshot twitter.com

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