“Wie russisches Roulette”: Keine Risikogruppe, aber fast an Covid-19 gestorben

| Gastkommentar | 9. Mai 2020

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Gastbeitrag von Walter Maderer

Hallo liebe Freundinnen und Freude!

Ich melde mich nach drei Wochen Kampf gegen dieses heimtückische Covid-19 Virus zurück. Eine Woche mit hohem Fieber im Bett zu Hause (kein Husten, keine Beeinträchtigung der Lungenfunktion, Geschmackssinn ok), dann mit Rettung ins Spital – neun Stunden Wilheminenspital Notaufnahme – Covid-19 positiv getestet, dann um 21h ab ins SMZ Süd in die Infektiologie (Franz Josef Spital).

Mein Zustand hatte sich mittlerweile so verschlechtert (schwere Lungenentzündung und überschießende Immunreaktion), dass ich für eine Woche in die Intensivstation musste – Sauerstoff über eine Maske (daher die Narben auf der Nase), Cortison, HIV-Präparat und was weiß ich noch alles … . Ich hatte zwei Nadeln in der Vene, eine in der Arterie, drei Elektroden fürs EKG, einen Oxyometer auf der Fingerspitze und eine Atemmaske mit Sauerstoffschlauch. Kein Wunder, dass das Bewegen am Bett etwas mühsam war, irgendeine der Leitungen hat immer geklemmt. Das Setup war offensichtlich für Patienten im Tiefschlaf gedacht.

In den ersten drei Tagen dachte ich, ich müsste unter der Maske ersticken, obwohl ich viel Sauerstoff bekam, aber das war wohl eher meiner ramponierten Lunge zu verdanken. Seltsamerweise hatte ich auch zu keinem Zeitpunkt Angst, obwohl ich in dem Zustand hätte abkratzen können, wie mir die Ärzte später bestätigten.

Ich war der erste Patient im SMZ Süd, der nicht in den Tiefschlaf versetzt und intubiert wurde…. Gott sei Dank.

Dann eine Woche in der Bettenstation, dabei die ersten Tage noch mit Sauerstoff.

Das Personal, von der Pflegerin/Pfleger bis zu den Ärztinnen und Ärzten war super freundlich und bemüht. Ich hatte den Eindruck, dass ihnen jede Patientin und jeder Patient wirklich am Herzen lag. Danke nochmal an das Team im SMZ Süd-Spital: Ihr habt es super hingekriegt!

Bin am Wochenende entlassen worden, und es geht mit gut. Die Lunge braucht noch ein wenig (2 Monate?), aber es wird nichts zurückbleiben. Ich fühle mich so, als wär ich auf 3000m. Sonst funktionieren alle Systeme, und ich gehe alles wieder langsam an

Die Fotos unten zeigen mich schon in der Bettenstation. Da ich mein Waschzeug erst zeitverzögert erhielt, hekam ich die Chance, mich als Räuberhauptmann zu sehen. Am Tag darauf konnte ich mich wieder duschen und rasieren … Das war eine Wonne!

Bei uns hatte die ganze Familie das Virus. Vom Schwiegerpapa (89!), bis zum Kleinsten (5). Nur ich (61) hatte eine schweren Verlauf, obwohl ich laut Ärzten (noch) nicht zur Risikogruppe zähle und sonst kerngesund war.

Lessons learned:

Man unterschätze das Virus nicht! Es ist wie russisches Roulette. In vielen Fällen harmlos, aber dann … Bummm … trifft es dich, obwohl du nie damit gerechnet hast. Und du hast einen schwere Verlauf und liegst in der Intensivstation. Sehr heimtückisch!

Ich hab’s mal kurzfristig hinter mir, aber ich kann nur sagen, dass man sich auch als gesunder Mensch nicht in Sicherheit wiegen kann. Daher: Beachtet die Regeln, tragt die Maskenm wascht euch die Hände und bleibt gesund!!

Liebe Grüße,

Walter



Autor: Walter Maderer, Original auf Facebook. Artikelbild: pixabay.com, CC0

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