Bitte lasst uns Dresdner nicht mit den Rechten allein!

Gastkommentar

image_print

Tausende Dresdner helfen Flüchtlingen, unsere Gegendemos waren größer als die der Pegida.

Dresden, meine einst geliebte Heimatstadt. Heute fühle ich mich hier nicht mehr wohl. Was ist nur aus dir geworden? Sie sagen, du wärst schon immer braun gewesen, doch das stimmt nicht. Ich bin so stolz auf dich gewesen. Jedes Jahr zum 13. Februar wollten die Nazis hier ihre Aufmärsche starten. Dresden sollte zur Nazihauptstadt werden, mit den größten Demonstrationen.

Aber da waren wir, wir Dresdner, die es schafften, sie nicht mal aus dem Bahnhof raus zu lassen. Denen es gelang, dass sie ihre Demo abgesagt werden musste. Sie sind in ihre Züge zurück gekrochen und wurden von der Bundesbahn auf freier Strecke irgendwo stehen gelassen. Wir waren so stark, wir waren so viele. Und jetzt? Ich denke, wir sind immer noch stark und wir sind immer noch viele.



Tausende Dresdner in der Asylhilfe aktiv

Wir sind die unendlich vielen, die tagtäglich in der Asylhilfe tätig sind. Die Tausenden, die in den Erstaufnahmeeinrichtungen gearbeitet haben, die sich um minderjährige allein reisende Asylsuchende kümmern und Patenschaften übernommen haben. Unendlich viele haben, teils bis an den Rand ihrer Kräfte, geholfen. Haben wir Pegida am Anfang nicht Ernst genommen? Es war uns wichtiger, Spenden zu sammeln, Wege mit Flüchtlingen gemeinsam zu erledigen.

In den Erstaufnahmeeinrichtungen zu helfen, statt jeden Montag auf die Straße zu gehen und gegen die zu demonstrieren. War es nicht die Masse der helfenden Menschen, die uns nicht glauben ließ, dass die überhaupt eine Chance haben? Ich weiß es nicht, obwohl ich in dieser Stadt lebe. Ich weiß nur, ich habe in dieser Zeit aktiv Hilfe geleistet.

Die Stadt hat uns verraten

Irgendwann kam der Zeitpunkt, als ich spürte, dass unsere sächsischen Politiker, speziell die Dresdner Politiker, nicht mehr hinter der breiten Masse der Stadt standen. Pegida bekam die besten Demonstrationplätze und die Antipegidademos wurden an den Rand gedrängt. Immer deutlicher wurde auch die Unterwanderung der Polizei. Mit vollkommenen Unverständnis haben wir wahrgenommen, dass bei Pegida alles gesagt werden durfte, während wir einen Maulkorb erhielten.

Man hat sich im Stich gelassen gefühlt, ohnmächtig, hilflos, nicht fähig, gegen diesen Staatsapparat etwas zu unternehmen. Ja, es entstand das Gefühl, dass es keinen Sinn machte, dagegen zu demonstrieren, weil wir entweder so weit entfernte Demonstrationwege bekamen, dass wir direkten Protest gar nicht stattfinden lassen konnten. Oder es so weit weg war, dass sich nicht einmal die Presse für uns interessierte.

An die Verantwortlichen: Ich klage euch an!

Wie kann man einer Gruppe wie Pegida, einen Platz an der Semperoper oder der Frauenkirche für eine Demo genehmigen? Solche Orte wurden in anderen Städten niemals genehmigt! Vor einigen Tagen las ich einen Beitrag, der sich mit der Landtagswahl im nächsten Jahr in Sachsen beschäftigte. Klare und zentrale Aussage war, dass die AfD in Sachsen ein Exempel statuieren möchte und dafür vor allen Dingen Dresden ausgewählt hat.

Was passiert hier? Welche Wege sind hier schon unterwandert? Ich lebe in einer Stadt, umgeben, von unendlich vielen helfenden, lieben, weltoffenen Menschen. Und dennoch, beherbergt diese Stadt so viele hasserfüllte Menschen. Ich denke, es geht mir, wie vielen anderen meiner Bekannten, meiner Freunde, den Helfenden hier wie mir. Wir fühlen uns hilflos in der eigenen Stadt und wissen nicht mehr, wie wir laut werden sollen?

Es gab Gegendemos, die waren bedeutend größer als die Pegidademos und dennoch haben sie nichts verändert. Es gibt so unendlich viele und tolle Veranstaltungen, die sich für ein buntes Dresden und gegen Hass aussprechen, doch sie werden in der Presse nie erwähnt. Dresden ist für euch braun und wird es bleiben. Ich bin überzeugt davon, Dresden braucht die Hilfe von ganz Deutschland.

Nicht nur im Interesse von Dresden, sondern im Interesse des ganzen Landes. Wenn es die AfD schafft, Dresden für sich zu vereinnahmen, wird das ein Zeichen für das ganze Land sein, für die nächsten Landtagswahlen in Sachsen und für viele weitere Landtagswahlen. Bitte helft uns, denn wir wollen unsere Stadt nicht weiter im braunen Sumpf versinken sehen!

Autorin: Christel SağırArtikelbild: pixabay.com, CC0

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter

1 Kommentar
  1. Juri Nello sagt

    Keine Chance! Mein Rat: Bildung (TU, etc.) abgreifen und verschwinden! Das macht sich nicht nur augenblicklich beim Verdienst bemerkbar, sondern auch doppelt bei der Rente (sollte es bis dahin nicht mehr so lange dauern).
    Kennt hier jemand zufällig das Buch „die Welle“ oder zumindest einen der Filme? Weiß noch jemand, an welcher Stelle das Experiment aus dem Ruder lief und wie es „beendet“ wurde? Wenn man die Realität von DD in die Story abstrahierte, hätte das Buch schon jetzt ein paar Seiten mehr, allerdings bei offenem Ende.
    Behandelt Dresden, wie es euch auch behandelt, als Sprungbrett. Nehmt mit, was ihr kriegen könnt und haut dahin ab, wohin es euch gelüstet und meldet niemals einen Zweitwohnsitz da an.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.