So rechtsextrem & „Querdenken“ ist Naidoo: Rostock hat alles richtig gemacht

| Hintergrund | 28. Mai 2021

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Naidoo: Warum Rostock alles richtig gemacht hat

Vor ungefähr einer Woche wurde bekannt, dass Xavier Naidoo nicht in der Stadthalle Rostock auftreten dürfen würde. Dies hatte die Bürgerschaft von Rostock am 19.05.2021 mit den Stimmen der Linken, Grünen, sowie der SPD beschlossen. Die Antragssteller:innen begründeten den Antrag u. a. damit, dass Naidoo den Reichsbürger:innen und der gefährlichen „QAnon“-Bewegung nahesteht, antisemitische Verschwörungsmythen verbreitet sowie rassistische Ressentiments schürt und den u. a. wegen versuchten Mordes verurteilten Reichsbürgers Rüdiger „Rüdi“ Hofmann (Quelle) als „wahren Held“ bezeichnete (Quelle). Über Naidoos Absturz in die Szene der Verschwörungsgläubigen und Rechtsextremist:innen haben wir unter anderem schon hier, hier, hier und hier geschrieben.

Rassismus: So rechtsextrem & verschwörungstheoretisch ist Xavier Naidoo

Das alleine würde die Entscheidung der Rostocker Bürgerschaft bereits mehr als rechtfertigen. Aber Naidoo bringt noch mehr Argumente für die Absage seines Konzertes in Rostock. An den beiden Tagen nach der Entscheidung veröffentlichte er nämlich in Zusammenarbeit mit Verschwörungsideolog:innen und Rechtsextremen zwei neue Lieder. Diese bedienen nahezu jedes aktuelle verschwörungstheoretische Narrativ. Wir haben sie uns angeschaut und analysiert.

Die Mitwirkenden – egal wer, Hauptsache gegen die Regierung

Die beiden Videos unterscheiden sich stark. Während „Ich mach da nicht mit“ ein Rapsong ist, soll „Heimat“ eher eine Art Hymne sein. Ähnlich unterschiedlich sind die Mitwirkenden, im Ersteren sind es größtenteils Rapper, während im Zweiten fast ausschließlich Verschwörungserzähler:innen singen. Die meisten Rapper sind uninteressant, da sie davor kaum bekannt waren und folglich über sie kaum etwas bekannt ist. Auch die meisten teilnehmenden Verschwörungsideolog:innen kann man getrost ignorieren, da sie sich eigentlich nicht voneinander unterscheiden und in ihren Telegram-Gruppen alle das Gleiche teilen.

Und auch schon zuvor war nahezu klar, dass Naidoo mit ihnen zusammenarbeiten würde. Ein paar stechen aber heraus. Da sind u. a. Sebastian Verboket („Fakten Frieden Freiheit“) und Umut Karakaya („Ukvali“). Neben Naidoo sind sie die Einzigen, die in beiden Videos auftreten. Mit Naidoo haben sie die Texte für die Lieder geschrieben.

Ukvali

Ukvali ist ein Rapper, der erst im Frühjahr mit der Pandemie-Leugner:innen-Bewegung bekannt wurde. In seinen bisherigen Songs teilt er die verschiedensten Verschwörungsgeschichten, meistens rund um das Coronavirus.

Verboket

Verboket hat auf Telegram mit seinem Kanal „Fakten Frieden Freiheit“ mehr als 100.000 Abonnent:innen. Dort teilt er mit seinen Fans größtenteils Verschwörungserzählungen, u. a. über den „Great Reset“ oder die Corona Schutzimpfung.

Anfang 2020 wurde er einer größeren Öffentlichkeit bekannt, nachdem er in einem Video die Meinung vertrat, dass der rassistisch motivierte Anschlag in Hanau „false flag“, also in echt zum Beispiel von einem Geheimdienst durchgeführt worden wäre (Quelle). Auf Instagram teilte er, neben anderem Schwurbel auch ein Video von Matthäus Westfal („Aktivist Mann“), in dem dieser geschichtsrevisionistische Inhalte über den Zweiten Weltkrieg teilte, die England (fälschlich) als Aggressor und Auslöser des Zweiten Weltkriegs darstellen.

„Aktivist Mann“

Eben dieser „Aktivist Mann“ singt ebenfalls in einem der Videos mit. Er ist seit mehreren Jahren Mitglied der OCG-Sekte von Ivo Sasek und während des „Sturms auf den Reichstag“ war er mit dem Holocaustleugner Nikolai Nerling zu sehen. Auch schon vor Corona beteiligte er sich an Demonstrationen Rechtsextremer, zum Beispiel der sogenannten „Haverbeck-Demonstration“ 2019. In der Zeit vor der Corona-Pandemie engagierte er sich neben der OCG-Sekte bei AfD-nahen Organisationen und führte mit verschiedenen AfD-Politiker:innen, u. a. mit Alice Weidel, Interviews (Quelle).

Wenig Berührungsängste zu Rechtsextremen und Verschwörungsideolog:innen

Wie wenig Berührungsängste Naidoo mit Rechtsextremen hat, zeigt sich auch dadurch, dass Hannes Ostendorf, Frontman der rechtsextremen Hooligan-Band „Kategorie C“ ebenfalls mitsingt (Quelle). In Liedtexten der Band „Kategorie C“ heißt es u. a. „Deutschland dein Trikot / Das ist schwarz und weiß / Doch leider auch die Farbe deiner Spieler“ oder „Hoch auf dem gelben Wagen, sitz ich beim Führer vorn, Vorwärts die Oi traben, lustig schmettert das MG“. (Quelle) Dies unterstreicht noch einmal, wie rechtsoffen Teile der „Querdenken“-Bewegung sind. Und Naidoo selbst natürlich ebenfalls.

Auch der Verschwörungserzähler Oliver Janich ist in einem der Videos zu sehen, auch wenn er nicht mitsingt. Auf Telegram betreibt er einen der größten Aluhut-Kanäle. Das ehemalige Mitglied der sogenannten Bosler-Clique, die probierte, den Aktienmarkt zu manipulieren, teilt auf Telegram Verschwörungserzählungen von 9/11 über die NWO bis zum Klimawandel. Er ist ebenfalls Anhänger der QAnon-Bewegung und glaubt so auch an einen Wahlbetrug in den USA. In einem Beitrag von Frontal21 aus dem Juni 2020 sagte er u. a.: „Viele der Leute, die heute an der Macht sind, gehören eigentlich aufgehängt.“ (Quelle, Quelle).

Da haben sich ja nur „lupenreine Demokrat:innen“ zusammengefunden.

Aufruf zur Bewaffnung im Liedtext

bnr.de beschreibt das Lied „Heimat“ als „deutschtümelnde Hymne“, die sich ähnlicher stilistischer Mitteln bediene wie die AfD, Pegida oder die IB. Das Lied lässt sich bis jetzt noch auf YouTube aufrufen. Der Text zu dem Song „Ich mach da nicht mit“ (Quelle) ist deutlich radikaler. Das dazugehörige Video deswegen wurde mittlerweile schon von YouTube gelöscht. Darin geht in einer eher schlechten Animationen ein Impfzentrum in Flammen auf und im Text wird dazu aufgerufen, sich zu bewaffnen. Es werden ebenfalls unzählige Verschwörungserzählungen geteilt, u. a. (Quelle):

  • Mit den Masken kann man nicht atmen („Digga was willst du tun wenn dieser Schlauch deine Atmung schwächt?“)
  • Wir leben in einer Diktatur („dieser bunte Faschismus macht mich krank wie diese Tunten im Business.“)
  • Great Reset („wegen der kranken Agenda, stecke dem Klaus Schwab“)
  • Satanismus („Satanische Sklaven sind apathisch und sick“)
  • New World Order („Ich sag: »Fuck NWO«“)
  • Impfungen sind Gift („euer Gift kommt niemals in uns’re Körper rein“; „Vernichte die Nadel mit deinem Gift“)
  • Mit der Impfung werden Computerchips in den Körper injiziert („Die Impfkampagne ist ein Trick: Erst der Pass, dann der Chip“)
  • 9/11 („Es geht live wie 9/11:“)
  • Deep State („Mach Alarm, bewaffne dich, vernichte den tiefen Staat.“)

Fazit

Für die beiden Videos hat sich Naidoo mit Rechtsextremist:innen, Reichsbürger:innen und anderen Verschwörungserzähler:innen zusammengetan. Schon davor war er wegen seiner verwerflichen Ideologien nicht tragbar und ist damit nochmal einen Schritt weiter in den rechten Schwurbler-Sumpf gegangen. Der Schritt der Bürgerschaft in Rostock, ihm nicht auch noch die Stadthalle zur Verfügung zu stellen, ist mehr als nur nachvollziehbar.

Auf Twitter und Telegram verteidigen trotzdem immer noch viele Naidoo und sein Verhalten. Wer das noch macht, hat sich offensichtlich nicht mit der Person Naidoo beschäftigt. Oder sympathisiert mit Rechtsextremismus und Verschwörungsmythen. Auf eben diesen Plattformen wurde oft von einem „Auftrittsverbot“ für Naidoo gesprochen. Das gibt es natürlich nicht. Die Stadt Rostock hat lediglich beschlossen, dass Naidoo nicht mehr in ihrer Stadthalle auftreten darf. Niemand hat ein Recht darauf, in Rostock oder sonst wo in einer Stadthalle auftreten zu dürfen. Eine Stadt kann frei entscheiden, wer dort auftreten darf und wer nicht. Das Ganze nennt sich Vertragsfreiheit. Sonst gäbe es ja für die Stadt einen Auftrittszwang. Das ist typisch rechtsextreme Verdrehung.

In Anbetracht von Naidoos Aussagen und Kooperationspartner:innen ist es die einzig richtige Entscheidung, ihm keine Plattform mehr zu bieten. Eine ähnliche Debatte entfachte sich, nachdem Naidoo aus der Jury der RTL Sendung „DSDS“ ausgeschlossen wurde. Viele seiner Fans sahen die Meinungsfreiheit in Gefahr. Hier zählt das Gleiche. Naidoo kann natürlich seine Meinung äußern, er hat aber kein Recht darauf, dass diese dann ohne Konsequenzen bleibt.

Noch ein Funfact zum Ende:

In den Videos wurde teilweise sogar Maske getragen und die Mikrofone waren teilweise durch eine Plastiktüte „geschützt“.

Beitrag von Laurin UArtikelbild: Screenshot youtube.com

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