Rassismus: So rechtsextrem & verschwörungstheoretisch ist Xavier Naidoo

| Hintergrund | 11. März 2020

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Abrechnung mit Naidoo

Ein Video ist auf getaucht, in welchem der Musiker Xavier Naidoo kryptisch über die rechtsextreme Verschwörungstheorie des „Untergang Deutschlands durch Zuwanderung“ singt, und mit Lügen Schutzsuchende diffamiert und Hass auf diese schürt. Er wird erwartungsgemäß von Rechten und Rechtsextremen derzeit dafür gefeiert (Quelle).

Link zum Video

Im Video behauptet er, wir seien „verloren“ und unsere Kinder „sollen leiden“, und Zuwanderung oder Schutzsuchende könnten uns „alle beenden. Wir seien „Politisch korrekt“, auch wenn man daran „verreckt“. Auch behauptet er, dass jeden Tag ein Deutscher durch einen Schutzsuchenden umgebracht werden würde (FALSCH). Es ist die gleiche rechtsextreme Sprache und Hetze der AfD.

Zur Erinnerung: Deutschland ist so sicher wie noch nie, auch Tötungsdelikte sind in den letzten Jahren zurückgegangen. Die meisten Morde werden von Deutschen begangen. 2018 gab es 20 vollendete Tötungsdelikte, an denen „Zuwanderer“ beteiligt waren (nicht alles davon Schutzsuchende). 2019 14 Fälle. Anerkannte Flüchtlinge sind sogar unterdurchschnittlich kriminell (Quelle, Quelle, Quelle). Es schürt also nicht nur Angst und rassistischen Hass, es ist auch gelogen.

Antisemitismus, Homophobie, Rassismus, Reichsbürgertum, Verschwörungs- und Gewaltfantasien – seit 1993

Dieser rechtsextreme Hass ist jedoch nichts neues bei Xavier Naidoo und es ist erschreckend, dass diesem immer noch prominente Bühnen geboten werden. Die Journalisten Frederik Schindler (Link) und Juri Sternburg (Link) sammelten auf Twitter einige der Beispiele für den nicht zu leugnenden Rassismus von Naidoo.

1999 bezeichnete sich Naidoo sogar selbst als „Rassist“ und sagte: „Und bevor ich irgendwelchen Tieren oder Ausländern Gutes tue, agiere ich lieber für Mannheim“ (Quelle). 2009 nutzte er mehrfach in seinen Songs auch schon von den Nazis verwendete, antisemitische Sprache: „Baron Totschild gibt den Ton an, und er scheißt auf euch Gockel“ („Raus aus dem Reichstag“) und behauptete in „Goldwaagen/Goldwagen“, die CIA stecke hinter allen islamistischen Anschlägen.

2011 verbreitete er Reichsbürger-Verschwörungsfantasien, dass Deutschland ein „besetztes Land“ sei (Quelle). Er trat auch bei einer Veranstaltung von Reichsbürgern auf, wo er wirre Thesen zu den islamistischen Anschlägen 2001 verbreitete (Quelle). Auch Homophobie darf nicht fehlen: 2012 verband Naidoo gemeinsam mit Kool Savas Kindesmissbrauch und Pädophilie mit Homosexualität und äußerte Gewaltfantasien.

Auch 2017 wurden in einem Song die antisemitischen Stereotypen vom jüdischen Strippenzieher im Hintergrund verwendet, zusammen mit rechtsextremen Schlagworten und Gewaltdrohungen (Quelle). Für die Echtheit des Videos sprechen thematisch und optisch ähnliche Videos:

Rassist, Aufruf zum Bürgerkrieg

Xavier Naidoo ist ein radikaler Christ, der nach eigenen Aussagen täglich die Bibel liest und daran glaubt „Gottes Wort“ zu verbreiten. Er glaubt, in einer „Endzeit“ zu leben (Quelle). Der Glaube ist für ihn die Rechtfertigung für diese rassistischen Einstellungen. Gepaart werden diese rassistischen Einstellungen mit rechtsextremen und antisemitischen Verschwörungstheorien. Er glaubt wie Reichsbürger an eine „BRD GmbH“ und hat einen Heilsbringer-Komplex, denn er glaubt, darüber aufklären zu müssen. Sternburg analysierte das 2017 schon in der Vice (Quelle).

Auch der aktuelle Liedtext im besonderen ist ein klares Beispiel für gefährliche und faschistische Sprache. Naidoo formuliert die rechtsextreme Sehnsucht nach einem starken Führer („Weit und breit ist hier kein Mann, der dieses Land noch retten kann“). Er teilt Menschen in „Wir“ und „Die“ ein, in Freunde und Feinde „(„Denn keiner darf meine Leute quälen“) und dehumanisiert Zuwanderer beziehungsweise Flüchtlinge zu (gefährlichen) Tieren („Sollen sich mit Wölfen in der Sporthalle umkleiden“).

Er konstruiert das rechtsextreme Narrativ der angegriffenen Töchter/Frauen (Eure Toechter, eure kinder sollen leiden“) und verwendet kodierte Sprache, die zu Gewalt und Bürgerkrieg aufruft („Lass uns das beenden und zwar nun Ihr seid verloren!“). Er verwendet auch deutlich die „accusation in a mirror“. Laut Expert*innen ist das eine häufige Technik, um zu Gewalt und Völkermord aufzurufen, indem man genau die Verbrechen dem „Feind“ vorwirft, die man gegen sie selbst anwenden möchte ( „Doch Hauptsache es ist politisch korrekt. Auch wenn ihr daran verreckt“, Quelle).

Drei Wochen nach hanau

Das Video soll laut Naidoo aus dem Jahr 2018 stammen, er hat es vor zwei Tagen auf seinem Telegram-Kanal geteilt (Quelle). Die Zeilen erinnern mit ihren Feindbildern, Verschwörungstheorien und rassistischen Hass nur wenige Wochen nach dem rechtsterroristischen Anschlag in Hanau an dessen Ideologie, die ihm zum Mord an 9 Menschen führte. Wenig verwunderlich auch, dass Rechtsextreme dieses neue Video von ihm feiern, bedient es doch die gleichen Feindbilder und verbreitet Hass schürende Lügen.

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Artikelbild: Screenshot twitter.com

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