Den Seenotrettern die Schuld andichten: Glaubt nicht dem rechten Pull-Mythos

| Hintergrund | 7. Juli 2018

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Glaubt nicht den haltlosen rechten Mythen

Während Rechtsextreme und immer mehr PolitikerInnen der so genannten „Mitte“ die rechtsextreme Narrative nachplappern, dass Deutschland so unsicher sei, obwohl laut offiziellen Zahlen Deutschland so sicher ist wie seit 1992 nicht mehr ist das Mittelmeer seit Juni so tatsächlich tödlich wie schon lange nicht mehr: Im Juni sind über 1000 Menschen ertrunken. Auch in den letzten Tagen noch einmal ein paar Hundert mehr, laut UNHCR.

Der Grund: Viele riskieren lieber jetzt unvorbereitet die gefährliche Überfahrt, bevor die EU noch mehr den rechtsextremen Tendenzen nachgibt und sich weiter herzlos abschottet. Rechte Politik tötet. Wie Johann Pätzold in seinem Beitrag bei uns geschrieben hat:

„Lieber würden sie zurück in das Wasser springen und ertrinken, als zurück nach Libyen zu müssen. Die schwangeren Frauen wurden über Monate hinweg von den libyschen Aufsehern vergewaltigt. Die Männer waren oft verheiratet und hatten Familie. Sie erzählten, dass man ihre Frauen gerne als demütigende Foltermethode im Beisein der Ehemänner vergewaltigt hat und wenn sie dann schwanger wurden, erschossen hat. Junge, hübsche Frauen wurden auf Marktplätzen verkauft, wie Vieh.“



keinen Beweis für einen Pullfaktor

Es existiert keine handfeste Studie, die belegt, dass die Behauptung vieler Politiker der Wahrheit entspricht, dass Menschen die Überfahrt eher riskieren, wenn es Seenotretter gibt. Alexander Betts, Chef des Refugee Studies Centre von der University of Oxford: „Fast alle Flüchtlinge würden gerne nach Hause gehen.“ Sie sitzen nicht in Flüchtlingscamps und rechnen sich aus, wo sie die größten Leistungen bekommen oder am ehesten aus dem Meer gefischt werden.

„Es gibt keinen Beweis für einen Pullfaktor“, stimmt auch Ian Goldin, Kopf des Oxford Martin School on global challenges, zu. „Wenn du das Todesrisiko halbieren würdest, würden dann mehr kommen? Verzweifelte Menschen machen diese Rechnung nicht.“ Niemand steckt Kinder in ein Boot, wenn das Wasser nicht sicherer ist als das Land.

Goldin merkt an, dass jeder Pullfaktor unbedeutend gegenüber den ganzen „Pushfaktoren“ sei, wie beispielsweise die überfüllten Flüchtlingscamps im Mittleren Osten, deren Zustände immer schlechter werden. Wenn man verhindern wollte, dass mehr Menschen die Reise nach Europa auf sich nehmen, sollte man die Zustände in den gigantischen Flüchtlingscamps im Libanon, in der Türkei und anderorts verbessern. Das Schleuser- und Schleppergeschäft in Libyen ist zu groß, als dass der Faktor der Seerettung ins Gewicht fällt.

Diejenigen, die Schuld am Sterben sind, wollen den Rettern die Schuld andichten

Diese perfide Narrative von rechts hat den Sinn, dass Täter und Retter vertauscht werden sollen. Rechtsextreme PoltikerInnen stehen einer Lösung der Flüchtlingskrise im Weg und kämpfen stattdessen für Mauern und Abschiebungen. Damit müssen sie das Ertrinken mit verantworten. Aber Seenotretter wie die Crew der „Lifeline“, deren Kapitän sich jetzt dafür vor Gericht dafür verantworten muss, sind die einzigen, die noch Menschen retten.

Nun wird gezielt und ohne Beweise unterstellt, die Menschen riskieren ihr Leben weil man sie retten würde. Deshalb sollen die Retter verantwortlich sein. Absurd! Dass diese Behauptung falsch ist, sieht man allein schon daran, dass die Todeszahlen genau dann so in die Höhe geschossen sind, seit viele Seenotretter in den Häfen festgehalten werden, wie z.B. die „Sea Watch 3“.

Diese rechten Lügen kosten Menschenleben. Und das schrecklichste ist, dass die Groko-PolitikerInnen diesen Narrativen nachgeben. Trotz niedrigster Kriminalität seit Jahren. Niedrigster Arbeitslosigkeit seit der Wiedervereinigung. Den niedrigsten Ankunftszahlen an Flüchtlingen seit Jahren. Es wird, auch mithilfe eines geheimen rechtsextremen Netzwerkes auf Social Media (Studie), eine künstliche Krise hervorgerufen. Mehr als 30.000 vor allem junge Menschen sind in den letzten Jahren ertrunken. Und die EU hat kein Konzept, das zu beenden. Warum? Damit rechtsextreme Politiker von der Angst und Unsicherheit profitieren. Und dafür sterben täglich Menschen im Mittelmeer. Das muss endlich ein Ende haben!

Artikelbild: Erik Marquardt, alle Rechte vorbehalten. Danke!

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