So sehr hat sich mein Leben wegen Greta Thunberg verändert

Kolumne "Komm, wir bauen 'ne neue Welt!"

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Ich muss mich outen, ich bin ein Fan von Greta Thunberg.

Diese junge Frau hat in einem Jahr eine globale Bewegung geschaffen und es geschafft, dass sich die Generation, der immer nachgesagt wurde, sie würde sich nur für Handys interessieren, politisiert. 

Das ist großartig! Sie hat auch dazu beigetragen, dass sich Menschen ganz persönlich Gedanken darüber machen, wie sie im Alltag zum Klimaschutz beitragen können. Sie hat dazu beigetragen, dass ich mir persönlich Gedanken mache, wie ich im Alltag das Klima und die Umwelt schützen kann. 

Nach zwei Dürresommern mit immer neuen Hitzerekorden, mit Nachrichten über schmelzende Gletscher und brennende Tundras, dürfte eh dem und der Letzten klar sein, dass die Erde wirklich aus dem Gleichgewicht geraten ist. Dass sich ganz schnell etwas ändern muss, wenn wir weiter auf unserer kleinen blauen Kugel wohnen wollen. 

Ich finde es ja auch gut, dass selbst die Politik langsam aber sicher zu begreifen zu scheint, dass Klimaschutz ein Thema ist, welches Menschen bewegt.



Aber ganz ehrlich? Die Vorschläge sind derzeit eher dürftig.

Fleischsteuer? Nett. Aber dann wird vermutlich eher die Qualität des Fleisches sinken und an den Haltungsbedingungen gespart werden, statt die Preise für die Verbraucher*innen anzuheben. Viel eher bräuchten wir gesetzliche Bestimmungen, die die Massentierhaltung eindämmen. (Gerne auch ganz beenden, sorry, lästige Veganerin hier!)

Plastiktütenverbot? Träumchen, ich bin dabei! Aber was ist mit all den Lebensmitteln, die doppelt und dreifach mit Plastik verpackt sind? Schon allein an der Obst- und Gemüsetheke meines Supermarktes um die Ecke ist es fast unmöglich, plastikfrei einzukaufen. Natürlich könnte ich auch zu einem größeren Supermarkt mit einer größeren Obst- und Gemüsetheke fahren, aber das ist natürlich auch nicht Sinn der Sache.

Immerhin, es tut sich ja etwas in kleinen Schritten. Ich muss zugeben, ich liebe diese kleinen Cherrytomaten, aber es gab sie immer nur in Plastikverpackung. Mittlerweile kriegt man sie auch ohne. So macht man mich glücklich, auch wenn es kleinteilig ist. Dass ich meinen Staudensellerie dann trotzdem nur mit Plastikverpackung bekommen habe, hat mich dann wieder betrübt.

Allerdings macht es schon auch Spaß beim Einkaufen nach Alternativen mit weniger Plastikmüll zu suchen. Ich vermeide mittlerweile Plastikflaschen und habe mir einen Wassersprudler gekauft und brauche endlich mal meine ganzen Kosmetika auf, statt mir ständig neue zu kaufen und am Ende lauter halb leere Flaschen zu haben. Den eigenen Konsum zu hinterfragen ist manchmal anstrengend, aber wenn ich dadurch auch an der einen Stelle Geld spare, kann ich vielleicht an einer anderen auf nachhaltigere, aber etwas teurerer Produkte zurückgreifen.

Trotzdem – ohne gesetzliche Regelungen geht es nicht.

Anderes Thema: Keine Inlandsflüge mehr machen?

Top, gerne doch! Aber seien wir ehrlich, solange die Bahn immer teurer wird bei gleichbleibender Unzuverlässigkeit, kann ich verstehen, wenn sich Menschen lieber schnell in einen Flieger setzen. Die Probleme in Sachen Verkehrspolitik fangen doch schon woanders an. Ich habe letztes Jahr meinen Führerschein gemacht. Mit 32 Jahren. Vorher bin ich immer Bus und Bahn gefahren.

Warum so spät? Ganz einfach: Ich habe angefangen mich weiterzubilden und mache jetzt neben meinem Vollzeitjob den Betriebswirt in der Abendschule. Das wäre mir ohne Führerschein nicht möglich gewesen, weil ich mit dem ÖPNV Abends nicht mehr sinnvoll nach Hause gekommen wäre. Die Verbindungen sind so schlecht, dass ich erst eine gute Stunde hätte warten müssen um dann noch eine Dreiviertelstunde mit dem Bus zu fahren. Nach einem 8-stündigen Arbeitstag und 3 Stunden Schule am Abend… irgendwann brauche selbst ich mal Schlaf.

Jetzt fahre ich halt 20 Minuten mit dem Auto und bin daheim. Wenn Flüge und auch Autofahrten reduziert werden sollen, dann ist es keine Lösung beides nur teurer zu machen, es müssen auch die Voraussetzungen geschaffen werden, sinnvoll vom Fleck zu kommen.

Wichtig in der ganzen Konsum- und Klimaproblematik sind ganzheitliche und logische Ansätze.

Ganz, ganz toll, wenn mir Menschen immer wieder predigen, dass SUVs mittlerweile fast genauso sparsam und wenig klimaschädlich sind, wie ältere Kleinwagen. Aber mehr und größere Autos benötigen mehr Platz, was dann wieder zu mehr Oberflächenversiegelung führt und zum nächsten Problem. Was nützen uns Städte voller riesiger Autos, die zwar total wenig Sprit verbrauchen und Abgase ausstoßen, wenn für diese mehr Parkplätze gebaut werden müssen, was dazu führt, dass sich durch eben die Bodenversiegelung die Städte im Sommer noch weiter aufheizen?

Ja ich weiß, Parkplätze sind genormt. Aber habt ihr mal versucht, in eine Parklücke zwischen zwei SUVs zu kommen? Aber bei allem Gemecker: Schon allein, dass ich mir über so etwas Gedanken mache und meinen Konsum verändere, lässt mich hoffen, dass es auch andere tun. Und das ist auch der Verdienst der jungen Schwedin Greta Thunberg, die es geschafft hat, eine weltweite Bewegung zu gründen. 

Hatte sie dabei Hilfe von Menschen, die sich mit Marketing auskennen? Womöglich. Aber was genau ist schlimm daran? Wer eine wichtige Forderung hat, kann diese nur mit der richtigen Reichweite in die Welt hinaus tragen. Botschaften verbreiten sich nur, wenn sie weiter getragen werden, und die heutige mediengeprägte Welt verlangt auch nach guten Bildern.

Es gibt keinen Grund, gegen sie zu hetzen, nur weil sie es schafft, ihre Botschaft medienwirksam zu verbreiten. Besser, die Welt mit guten Bildern retten, als sie ohne Bilder weiter in den Abgrund zu reißen.

Zum Thema:

Mir reicht’s! Eine Abrechnung mit den Greta-Hassern

Artikelbild: Per Grunditz, shutterstock.com

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