Abrechnung mit Nazis: Pegida darf an Hitlers Geburtstag marschieren

| Kommentar | 20. April 2020

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Pegida darf an Hitlers Geburtstag marschieren?!

Eine Versammlung. Von Nazis. In Dresden. Am Geburtstag von Hitler. Während einer Pandemie. Mit der 88 verborgen im Titel. Sorry Sachsen, aber das ist ein demokratischer Totalschaden. Dazu diese Reaktion:

1. In Sachsen gilt seit längerem ein absolutes Versammlungsverbot. Für den 20.04. hat Pegida daher eine Sondergenehmigung erwirkt, weil sie andernfalls wieder virtuell demonstrieren müssten. Das steht übrigens auf der Pegida-Webseite (Quelle). Lesen hilft.

2. Der 20.04. ist nicht irgendein Datum, das „irgendwie historisch vorbelastet ist“, sondern der Geburtstag (!) Adolf Hitlers. Andere Städte haben in der Vergangenheit Nazi-Demos an diesem Tag wegen der Symbolwirkung verboten (Quelle). Dresden in diesem Fall nicht. Auch das kann man als Symbolwirkung anerkennen.

3. Nazis benutzen gerne Codes, die sie, der Name verrät es, codieren. Wie solche Codes aussehen und warum ihre Erscheinung nur selten mit dem Zufall zu tun hat, lässt sich nachlesen (Quelle). Die 88 ist auch in diesem Fall kein Zufall.

4. Nicht nur eingebürgerte Deutsche müssen sich an die demokratischen „Spielregeln“ dieses Landes halten, sondern jeder Mensch, der hier lebt oder sich aufhält.

5. Warum es Dir so wichtig ist, dass ich ein „eingebürgerter Deutscher“ bin, lässt sich mit Deinem letzten Satz erklären. Für Dich bin ich kein „richtiger“ Deutscher. Du möchtest, dass ich verschwinde, weil ich nicht „hierher“ gehöre. Und weil ich ja nur „Gast“ in diesem Land bin, habe ich mich ruhig zu verhalten und Eure Arier-Versammlung nicht zu stören, richtig? Überhaupt sollte ich dankbar sein, dass ich hier sein darf und sollte mich nicht allzu viel beschweren, richtig?

Ich erkläre Dir jetzt mal was:

Deine Zeit ist abgelaufen.

Die Tage, an denen Du mit Deinem Nichtmigrationshintergrund hast große Klötzchen scheißen können, sind vorbei. Jetzt musst Du leider mitansehen, wie Menschen, die jahrhundertelang marginalisiert und klein gehalten wurden, an Dir vorbeiziehen. Menschen, die ohne Geld, Sprachkenntnisse, Berufsausbildung und Netzwerke in dieses Land gekommen sind, düsen plötzlich an Deinesgleichen vorbei, haben Plattformen, sind Meinungsmultiplikatoren und bestimmen den Diskurs.

Du hingegen hast leider nichts zu melden. Überhaupt nichts.

Alles was Dir nach zwei verlorenen Weltkriegen und einem zerstörten Heimatland bleibt, ist die stabile Erektion, die Du Dir dadurch verschaffst, montags mit einem Deutschlandfähnchen durch Dresden zu wackeln und ganz subversiv die erste Strophe der Nationalhymne zu singen. Und die auch noch schief.

Wenn Du wirklich nichts anderes in Deinem Leben hast, auf das Du stolz sein kannst, außer auf das Land Deiner Geburt, dann tust Du mir sehr sehr leid. Wirklich. Aber wer bin ich, dass ich Dir vorschreiben wollte, was Du zu tun, zu lassen und zu fühlen hast?

Wenn Du heute zu Pegida gehen möchtest, dann geh. Ignoriere die Gefahr durch Corona und nimm an der sinnlosesten „Demo“ aller Zeiten teil.

Aber wenn Du Dir tatsächlich den Virus einfangen solltest, dann solltest Du darauf gefasst sein, dass Du im Krankenhaus vielleicht von einem Arzt behandelt wirst, der genauso ein Einwanderer ist wie ich. Und der sich mit Hingabe um dich kümmern wird, weil ihm, im Gegensatz zu Dir, Deine Nationalität egal ist. Er wird sich zwar wundern, warum Du an Hitlers Geburtstag mit Deutschlandbeflaggung in Dresden herummarschierst, aber wahrscheinlich ist ihm sogar das egal.

Hitler-Deutschland ist zum Glück Vergangenheit. Menschen, die dieses Land bunter, reicher und wertvoller machen, sind die Zukunft. Und natürlich hast Du Recht. Dass auch Rassisten demonstrieren dürfen, ist Teil unserer Demokratie. Und das ist auch gut so. Aber dass dieselben Rassisten nichts zu melden haben, ist ebenfalls Teil unserer demokratischen Wirklichkeit.

Und das wiederum ist ein großes Glück.

Viel Spaß bei der Demo!

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Artikelbild: Stephan Anpalagan

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