Rechtsaußen-Blog „Achgut“ fordert Zwangsfinanzierung durch Audi, sonst seien die Nazis?

| Kommentar | 29. Juni 2022

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weil Audi keine Werbung mehr bei ihnen schalten will, stellt „achgut“ private audi-mitarbeiter an den pranger

Das scheint gesessen zu haben! Nachdem Audi sich offenbar dazu entschieden hat, keine Werbung mehr bei dem Rechtsaußen-Blog ‘Achse des Guten’ – Spitzname „Achgut“ – schalten zu wollen, ist der Sturm der Empörung groß. Wie kann ein privates Unternehmen nur seine Freiheiten nutzen und selbstständig auf dem freien Markt entscheiden, wem er sein Geld gibt? Gleich vier Beiträge sind im Laufe des Tages auf dem Blog erschienen, in denen die (angebliche) Entscheidung des VW-Konzerns kritisiert und gar zum Teil in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt wird.

Was ist wirklich passiert? Audi hat bei automatisch ausgespielten Werbeanzeigen wahrscheinlich aufgehört, diese bei dem Blog auszuspielen (dafür werden wohl einfach andere Werbeanzeigen geschaltet). Das war’s. Was macht der Blog, dessen Geschäftsmodell auf Falschbehauptungen beruht daraus?

Die Rede ist von Denunziantentum, Zensur, man wolle den Blog „plattmachen“, „und die Meinungsfreiheit gleich mit”. Weil jemand sich ein Privatkonzern selbstständig entschieden hat, wo sie Werbung schaltet oder nicht. Audi schaltet auch keine Werbung bei Volksverpetzer (wir schalten gar keine Werbung!) – will uns deswegen Audi „plattmachen“ oder bedroht das unsere Meinungsfreiheit? In einem Beitrag werden Auszüge eines Mailverkehrs zwischen der Social Media Abteilung und dem Herausgeber Henryk M. Broder veröffentlicht. Darin behauptet Broder, die Entscheidung Audis, keine Werbung mehr auf der Seite schalten zu wollen, erinnere an das Handeln des Reichssicherheitshauptamts während des Nationalsozialismus.

Screenshot

Verzweifelte, lächerliche Nazi-Vergleiche von „Achgut“

Der Landesbeauftragte gegen Antisemitismus in Baden-Württemberg, Michael Blume, begrüßte die Entscheidung von Audi auf Twitter. Er selbst sei in Artikeln auf dem Blog mehrfach massiv angegriffen worden und erhält seit Jahren zahlreiche Hassnachrichten (Quelle).

Die ‘Achse des Guten’ stellt sich selbst als Blog für „unabhängiges Denken“ dar, dessen Autor:innen angeblich die Freiheit lieben würden. Ihnen wird vorgeworfen, dabei regelmäßig antidemokratische, rassistische und antisemitische Positionen zu vertreten. Das Oberlandesgericht Dresden wies im Mai 2020 im einstweiligen Verfügungsverfahren eine Klage Broders gegen Claudia Roth ab, die ihm vorgeworfen hatte, sein Geschäftsmodell beruhe „auf Hetze und Falschbehauptungen“. Dies sei eine zulässige Meinungsäußerung und keine Tatsachenbehauptung. Die Aussage Roths in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen habe einen „wahren Tatsachenkern“ (Quelle).

Achse des Guten: Geschäftsmodell mit „Hetze und Falschbehauptungen“

Unter anderem wurde auch dem für seine vielen Lügen bekannten „Querdenker“ Stefan Homburg eine Plattform geboten, der auch antisemitische Verschwörungsmythen verbreitet hat (mehr dazu). Dies sei letztlich auch der Auslöser gewesen, warum Audi die Werbung auf dem Blog einstellte. Der Konzern erfuhr wohl über Twitter darüber, dass sie automatisierte Werbung über den Desinformationsblog schaltete. Sie kündigten bereits an, ihre Werbeeinstellungen so anzupassen, dass der Rechtsaußen-Blog nicht mehr bedient werde.

Das Geheule ist natürlich auch irreführend: Schaltet die Seite über Google Ads oder dergleichen, werden statt Audi in Zukunft automatisch eben andere Produkte beworben. Der Blog dürfte also keinen Cent verlieren. Aber die Pseudo-Empörung, die Nazi-Keulen und die Panikmache dienen wohl vor allem eines: Opferhaltung inszenieren – und damit wohl auch Spenden.

„achse des guten“ setzt audi-mitarbeiter auf denunziationsliste

Mit dem „unabhängigen Denken“ scheint es nicht so weit her zu sein, wenn sich ein Konzern „unabhängig denkend“ dafür entscheidet, keine Werbung mehr bei einem zu schalten. Das sei irgendwie genau wie die Nazis. Lieber Herr Broder, es gibt keine Pflicht überall Werbung zu schalten! Oder wird gewünscht, dass ein privater Konzern zur Zwangsfinanzierung des Blogs gezwungen werden müsse? Hätte das nicht vielleicht viel eher etwas mit dem Nationalsozialismus zu tun? Nicht nur das – man beschwert sich lang und breit über „Denunziantentum“ – nur am Ende des Artikels die Social Media Seiten von Volkswagen und sogar gar die privaten Seiten der namentlich genannten Mitarbeiterin Audis anzuprangern. Und das angeblich gegen „Cancel Culture“. Man sieht: Irgendwie macht man weinerlich eine Mücke zum Elefanten und eigentlich genau die Sachen, die man anderen vorwirft.

Artikelbild: pixabay.com / Screenshots

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