Kramp-Karrenbauers „Witz“ ist kein Witz, sondern Diskriminierung

Kommentar

image_print

Das ist einfach nicht lustig

Eines vorab: Ich liebe schwarzen Humor. Ich bin begeistert von Monty Python. Von Loriot. Ich liebe auch die Eskapaden eines Frank Drebin, Spezialeinheit.

Mir ist auch klar, dass Humor Geschmacksache ist. Was die einen witzig finden, langweilt die anderen. Was die einen als tiefgründig erachten, verstehen die anderen schulterzuckend nicht.

Ich hatte mit Karneval oder Fasching nie was am Hut. Ok, im Kindergarten war ich ein Cowboy oder ein „Indianer“, keine Ahnung. Spaß auf Knopfdruck kann ich nicht so richtig einordnen, aber das muss ich auch nicht. Wenn andere ihren Spaß daran haben und das dabei eine ganze Region lahm legt, dann ist es so. Solange sie sich nicht über Schüler und Schülerinnen aufregen, die für das Klima streiken.



Humor, der nach unten tritt

Aus meiner Beobachtung ging es beim Karneval immer auch darum, den Mächtigen mächtig eins auszuwischen. Über sie zu lachen. Und weil es Karneval ist, lachen die Mächtigen verkniffen mit.

Die, möglicherweise zukünftige Kanzlerkandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer dreht den Spieß nun einfach um. Zitat:

„Guckt euch doch mal die Männer von heute an. Wer war denn von euch vor kurzem mal in Berlin, da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür – dazwischen – ist diese Toilette.“

Das ist schon gelesen nicht lustig. Aber das Video dazu ist tatsächlich noch schlimmer.

Halten wir kurz fest: Eine möglicherweise zukünftige Bundeskanzlerin macht einen Witz über Menschen, die in anderen Staaten verfolgt werden. Wie um alles in der Welt sollen nun Betroffene Vertrauen in die Politik gewinnen, wenn sie so vergackeiert werden? Wenn sie ganz offensichtlich nicht ernst genommen oder verstanden werden?

Verstehen wir einfach keinen Spaß?

In den Kommentarspalten liest man nun, dass es Karneval oder Fasching sei und man sich „nicht so haben“ soll. Mh ja, ok. Kann man so sehen. Wenn man nicht drüber nachdenkt, was da passiert ist.

Man kann sich aber auch vor Augen führen, wer sich da über wen lustig macht. Mit welcher Intention überhaupt? Annegret Kramp-Karrenbauer und ihre Partei können sich nicht „unschuldig“ über eine Minderheit lustig machen, die sie im besten Fall durch Nichtbeachtung diskriminieren und allein lassen. Wenn sich Kramp-Karrenbauer – Miss Homophobia 2018 wohlgemerkt (Quelle) – über Trans*personen lustig macht, dann ist das kein harmloser Scherz, sondern kommt von Verachtung und Missverständnis. Das ist nicht lustig.

Mir wurde heute oft gesagt, ich verstehe keinen Spaß. Hallo? Ich lache mich über das „Ministry of silly walks“ scheckig. Über die „Silly Olympics“. „Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein!“ „Tell Tod, äh, toll Ted“. Ich verstehe sehr wohl Spaß, aber das war kein Spaß. Das ist ein Beispiel für tägliche, reale Diskriminierung für zehntausende Menschen. Also bitte.

Nee, nee. Wenn das vollkommen in Ordnung ist und als legitimer Humor durchgeht, was Frau AKK da gemacht hat, dann machen wir keine Gesellschaft besser. Das war nix.

Artikelbild: Foto-berlin.net, shutterstock.com

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter

Kommentare sind geschlossen, abertrackbacks und Pingbacks sind offen.