Bosch entwickelt Schnelltest: Was jetzt getan werden müsste, um Corona zu bezwingen

| Kommentar | 27. März 2020

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Schnelltest von Bosch!

Eine hoffnungsvolle Nachricht aus dem Hause Bosch: Die Tochter Bosch Healthcare Solutions hat einen Corona Schnelltest entwickelt, der statt der üblichen Methode nicht 1-2 Tage braucht, um ein Ergebnis zu liefern, sondern bloß 2,5 Stunden. Hier, was das Unternehmen selbst zu seinem entwickelten Schnelltest sagt (Pressemitteilung):

„Einer der ersten molekulardiagnostischen Multiplex-Tests weltweit, der COVID-19 identifizieren und von neun anderen relevanten Atemwegs-Infektionen, wie Influenza, unterscheiden kann.

Der Test liefert in unter 2,5 Stunden ein zuverlässiges Ergebnis nach WHO-Richtlinien am Point-of-Care, also in unmittelbarer Nähe der Probenentnahme des Patienten. Eine zeitaufwendige Logistikkette, bei der die Proben transportiert werden müssen, ist somit nicht erforderlich.“

Weiter heißt es:

„Bosch Healthcare Solutions arbeitet derzeit an der Entwicklung eines COVID-19-Schnelltests für die Vivalytic-Plattform und wird diesen im April 2020 auf den Markt bringen. Der VRI-Test (Viral Respiratory Tract Infections) untersucht die Patientenprobe sowohl auf das SARS-CoV-2-Virus, das zu COVID-19 führen kann, als auch auf neun weitere relevante virale Atemwegserkrankungen. Um eine weitere und schnelle Ausbreitung der ansteckenden COVID-19 zu vermeiden, ist es erforderlich, ansteckende Patienten mit und ohne Symptome zu ermitteln.

Mit dem Vivalytic-VRI-Test können Ärzte schnell und effizient zwischen den verschiedenen Infektionen mit sehr ähnlichen Symptomen, wie beispielsweise bei Influenza, unterscheiden und sofort die richtige Behandlung einleiten.

(An dieser Stelle ein kurzer Hinweis: Bei den hier zitierten Zeilen, handelt es sich um das was Bosch als Unternehmen selbst kommuniziert. Ob das Unternehmen Bosch seine Ankündigung einhalten kann wird sich zeigen. Alle hier im Artikel getroffenen Annahmen basieren darauf, dass der Schelltest von Bosch funktioniert, wie es geschildert wurde. Dennoch muss darauf hingewiesen werden, dass weltweit an Schnelltests zu Corona gearbeitet wird, teilweise sogar an Tests die weniger als eine Stunde benötigen. Auch die von Bosch genannte Zahl der Genauigkeit von 95% ist mit Vorsicht zu genießen, da selbst 5% Fehlerquote für einen solchen Test eigentlich zu hoch sind. Alle hier getroffenen Aussagen können auch auf einen anderen Hersteller eines funktionierenden Schnelltests übertragen werden, sobald dieser auf den Markt kommt.)

Vor allem diese Aussage wollen wir fett unterstreichen: „Um eine weitere und schnelle Ausbreitung der ansteckenden COVID-19 zu vermeiden, ist es erforderlich, ansteckende Patienten mit und ohne Symptome zu ermitteln.“

Wieso flächendeckend den Schnelltest einsetzen?

In unserem Artikel Was getan werden muss, um bald wieder raus zu können: Der Hammer und der Tanz“ haben wir kurz erläutert, wieso es wichtig ist, so viele Menschen wie möglich auf Corona zu testen. Unsere Argumentation basiert auf dem Artikel “The Hammer & The Dance” von Thomas Pueyo (bereits über 5 Millionen Aufrufe und in dutzende Sprachen übersetzt, auch auf deutsch).

Was getan werden muss, um bald wieder raus zu können: Der Hammer & der Tanz

Hier ein kurzer Auszug:

Je höher die Zahl der Menschen ist, die tatsächlich wissen, ob sie krank sind oder nicht (derzeit können viele infiziert herum laufen und gar keine Anzeichen dafür zeigen, dass sie krank sind), desto höher ist die Zahl der Menschen, die ihr Verhalten entsprechend ändern („Ah, ich bin also infiziert und wusste das gar nicht, jetzt schau ich aber, dass ich so wenig Menschen wie möglich anstecke” oder „Ich bin definitiv nicht krank im Moment, dann sollte ich schauen, dass ich mich nicht unnötig anstecke”).

Das massive Testen der Bevölkerung war eine der zentralen Maßnahmen Südkoreas im Kampf gegen Covid-19. (Quelle)

„Testen ist zentral, weil es zu früher Erkennung führt, die weitere Ausbreitung einschränkt und Infizierte schnell behandelt werden können“, sagte Außenminister Kann Kyung-wha der BBC. Die Massentests seien auch der Schlüssel zu der niedrigen Todesrate.

Kurz nochmal auf den Punkt gebracht: Der Vorteil von massiven Tests ist der Informationsgewinn für Gesundheitssystem, Bevölkerung und Politik. Wird massiv getestet, werden massiv Informationen gewonnen, anhand derer Krankenhäuser, Bürger*innen und unsere Regierung ihr Handeln besser ausrichten können, als wenn sie diese Informationen nicht hätten. Man kann schneller, gezielter und effektiver Maßnahmen ergreifen auch mit weniger oder kürzeren Einschränkungen von Freiheiten.

Bei den Zahlen, die von der John Hopkins Universität oder dem Robert-Koch Institut erhoben werden, handelt es sich nie um den Stand der tatsächlichen Infizierten, sondern nur um die Momentaufnahmen der aktuellen Meldungen. Die Dunkelziffer der tatsächlich Infizierten ist deutlich höher (Quelle).

Laut Virologen Christian Drosten werden, seit dem die Kapazitäten entsprechend hochgefahren wurden, derzeit ca. eine halben Million Menschen auf das Virus pro Woche getestet (5 Millionen Menschen Testen dauert damnach ca. 10 Woche).  Letzte Woche lag die Zahl laut Robert-Koch Institut noch bei 160.000 pro Woche. Ihr könnt euch ja selbst ausrechnen, wie viele Wochen es dauert, bis große Teile der Bevölkerung getestet wurden. Zu lang. Wir müssen schneller und massenhaft testen (Quelle).

Was unsere Regierung jetzt tun sollte!

Im Kern muss folgendes getan werden: So schnell wie möglich so viele wie möglich testen lassen. Wenn wir jetzt die potentielle Möglichkeit haben, schnelle Tests durchzuführen: Wie kann man das bewerkstelligen?

Der 5 Punkte Plan für massive Tests:

1. Massiv finanzielle Mittel bereit stellen / Bürokratie aus dem Weg räumen

Jeder Cent, der jetzt in die Massenproduktion eines funktionierenden Schnelltests gesteckt wird, ist Gold wert und kann Menschenleben retten. Der Staat sollte alle nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, um die Produktion dieses Tests massiv zu erhöhen. Falls es irgendwelche bürokratischen Hürden geben sollte, die die Auslieferung, Produktion und Durchführung dieses Tests verzögern, müssen diese mit Hochdruck priorisiert von den entsprechenden Ämtern behandelt und aus dem Weg geräumt werden.

Im besten Fall schafft die Politik so schnell wie möglich die Rahmenbedingungen, so viele dieser Tests herzustellen, wie es nur möglich ist, und diese so schnell es geht auszuliefern.

2. Nicht den Markt regeln lassen, der Staat muss das Heft des Handelns selbst übernehmen!

Sobald der Test verfügbar ist, muss massenhaft getestet werden. Dieses Vorgehen kann und sollte nicht vom Markt geregelt werden. Die Kosten für die Tests müssen komplett vom Staat gedeckt werden (damit sich niemand die Kostenfrage stellen muss, ob er den Test macht oder nicht). Und die flächendeckenden Tests müssen vom Staat angeordnet und organisiert werden. Im besten Fall sieht das folgendermaßen aus: Jede Stadt hat je nach Größe mindestens einen Standort, zu dem die Menschen kommen können, um sich testen zu lassen. (Natürlich mit den entsprechenden Vorkehrungen, damit sich die Leute nicht vor Ort anstecken).

Leer stehende Schulen und Universitäten könnten schnellstmöglich entsprechend ausgestattet und kurzfristig umgestaltet werden, damit ausschließlich dort die Tests ermittelt werden und der laufende Krankenhausbetrieb nicht belastet wird. (Die brauchen gerade jede Entlastung, die sie bekommen können.) Der Staat kann den Städten die entsprechenden Mittel hierfür zur Verfügung stellen. An dieser Stelle sei nochmal zu erwähnen, dass es sich bei der Maßnahme des „aggressiven Testens“ um eine der kostengünstigsten und gleichzeitig effektivsten Maßnahmen handelt, die ein Staat ergreifen kann, um die Verbreitunsgrate des Virus einzudämmen.

Kurz ein theoretisches Rechenbeispiel: Es gibt 2054 Städte in Deutschland. Jede Stadt bekommt ein Testgerät (in der Praxis sollte die Aufteilung der Geräte, anhand des Verbreitungsgrades des Virus in der entsprechenden Region erfolgen) mit entsprechender Ausrüstung und richtet einen Standort ein. An einem Tag können an einem Gerät 10 Menschen getestet werden. 10x 2054 = 20.540. Auf eine Woche hochgerechnet = 143.780 Tests pro Woche. Wenn wir es schaffen jeder Stadt 5 Testgeräte zur Verfügung zu stellen = 102.700 auf eine Woche hochgerechnet 718.900. Und dieses Beispiel geht lediglich von bloß einen Standort pro Stadt aus. Wir könnten die Testkapazitäten unseres Landes deutlich erhöhen und gleichzeitig Krankenhäuser und Labore entlasten und brauchen sparen uns die Logistikkette zum Transport von Proben.

In jeder Stadt Deutschlands muss es sobald es geht die Möglichkeit geben, sich kostenlos testen zu lassen. 

3. Massiv Personal für Tests rekrutieren/ausbilden

In der Pressemitteilung von Bosch steht auch Folgendes:

„Die Bedienung der Vivalytic-Plattform ist so einfach, dass die Handhabung in jeder Klinik oder Arztpraxis ohne Labor-Fachpersonal durchgeführt werden kann: Die Probe wird mittels Abstrichtupfer aus Nase oder Rachen entnommen und ohne aufwändige Aufbereitung in die Kartusche gegeben. Anschließend wird die Kartusche, die bereits sämtliche für den Testlauf erforderlichen Reagenzien enthält, vollautomatisch im Vivalytic-Analyser prozessiert. Da jede Kartusche ein für sich geschlossenes System darstellt, ist die Infektionsgefahr beim Handling minimiert.“

Um die Tests an den jeweiligen Standorten durchzuführen, braucht es viel Personal. Aber muss das unbedingt medizinisches Personal sein? Laut der Erklärung von Bosch scheint die Durchführung des Tests relativ einfach zu sein. Und gibt es derzeit nicht viele Menschen, die aktuell nicht ihrem Beruf nachgehen können? Student*innen müsste es auch massenweise geben, die jetzt kaum etwas zu tun haben, da die Uni für die nächste Zeit erstmal ins Wasser fällt.

Eine Bundeswehr haben wir auch noch. Man könnte eine Schnellausbildung anbieten, einzig und allein mit dem Zweck, Leuten beizubringen, wie man die Tests korrekt und nach den entsprechenden Kriterien durchführt. Auch das kann der Staat organisieren und die Mittel dafür bereitstellen.

Wir brauchen nicht nur massenhaft Möglichkeiten für Tests, sondern auch massenhaft Personal, um die Tests durchzuführen. 

4. Bevölkerung informieren, leiten und mitnehmen

Über all diese Maßnahmen muss die Bevölkerung so gut es geht informiert werden. Damit es nicht tagelang zu langen Schlangen vor den Teststellen kommt, muss auch irgendeine Art Organisationablauf aufgestellt werden, da an jedem Teststandort nur eine gewisse Anzahl von Bürger*innen pro Tag getestet werden kann (hängt davon ab, wie viele Testgeräte es am Standort (Schritt 1) gibt, wie viele Standorte pro Stadt (Schritt 2) und wie viel Personal (Schritt 3)). Um die Frustration der Bürger klein zu halten und Chaos an den Standorten zu verhindern, muss es ein System geben.

Die Einrichtung einer Hotline zum Beispiel, wo sich Bürger*innen für einen Terminslot für einen Test anmelden können oder eine App, in der das alles organisiert wird. Es sollte auch so etwas wie ein zentrales Melderegister geben. Was hier genau die beste Methode wäre, können wir jetzt auch nicht pauschal sagen, aber halten wir das hier mal als Kernpunkt fest:

Der Staat muss über diese Maßnahme voll umfänglich informieren und den Ablauf so reibungslos wie möglich selbst organisieren, damit schnellst möglich viele Menschen getestet werden können. Man darf nichts dem Zufall überlassen. 

5. Internationale Dimension mitbedenken

Wenn dieser Test wirklich so funktioniert wie Bosch es verspricht, dann hat diese Innovation auch eine internationale Dimension: Alle Länder, die vom der Corona Epidemie betroffen sind, brauchen diesen Schnelltest. Deshalb muss auch die Produktion soweit es geht erhöht und staatlich gefördert werden. Wir können mit diesem Schnelltest wirklich mal was Gutes bewirken und dem Prädikat „made in Germany“ eine ganz neue Bedeutung geben. Bosch äußert sich wie folgt:

„Dazu Marc Meier, Geschäftsführer der Bosch Healthcare Solutions GmbH: „Gemeinsam mit unserem Partner Randox haben wir den seit wenigen Wochen existierenden, manuellen COVID-19-Test auf die neue, vollautomatisierte Vivalytic-Plattform von Bosch übertragen. Dank der umfangreichen Expertise beider Unternehmen ist es uns gelungen, in kürzester Zeit einen innovativen Test zu entwickeln, der einen Beitrag zur Eindämmung der weltweiten Corona-Verbreitung leisten kann.

Fazit:

In unserem Artikel „Vom Hammer und dem Tanz“ hatten wir bereits geschildert, dass wir das massive Testen der Bevölkerung für eine der effizientesten und effektivsten Maßnahmen gegen die Corona Pandemie halten. Als wir dann die Meldung von Bosch gehört haben, zählten wir lediglich eins und eins zusammen:

Es muss JETZT so viel wie möglich getestet werden

+

Es gibt JETZT wohl eine praktikable Lösung, massenhaft und schnell zu testen

=

Die Regierung sollte sich JETZT in Bewegung setzen, um das massenhafte Testen der Bevölkerung zu organisieren!

Die Maßnahme massive Tests im Land durchzuführen, würde uns sicherlich helfen, Corona zu bezwingen. Dabei ist ist letztendlich egal, ob der Test von Bosch zur Anwendung kommt oder sonst irgendeine Testmethode. Unsere Kernmessage ist: Der Staat muss die Testkapazitäten so schnell es geht, mit allen verfügbaren Mitteln, so hoch wie möglich fahren. Der Tag, an dem alles wieder halbwegs normal sein könnte, würde damit auch wieder näher rücken. Denn mit massenhaften Tests können Quarantänen viel effektiver organisiert, die Ausbreitung massiv verlangsamt werden, viele Menschenleben gerettet und wir können schneller zum Alltag zurückkehren. 

PS: Du hältst das für eine gute Idee? Teile diesen Artikel mit Freund*innen und der Familie, stellt ihn gerne in eure WhatsApp Gruppen. Und falls ihr davon überzeugt seid, dass dieser Plan umgesetzt werden sollte, dann schickt ihn auch gerne an die entsprechenden Politiker*innen, die ihn umsetzen könnten oder zumindest auf die Agenda der Politik bringen können (euer / eure Wahlkreisabgeordnete*r zum Beispiel). Danke!



Artikelbild: Alexander Tolstykh, shutterstock.com

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