Hart fairsagt: “Hart aber fair” war ein Reinfall

| 2. Juli 2019

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Junge, Junge, Junge!

Das war ein Trauerspiel! Viel beachtet wurde der Landeschef der AfD in Rheinland-Pfalz Uwe Junge zu Frank Plasbergs „hart, aber fair“ eingeladen. Das Thema lautete: „Aus Worten werden Schüsse – Wie gefährlich ist rechter Hass?“ Hintergrund war natürlich der Mord an dem CDU-Politiker Walter Lübcke.
Uwe Junge trat stellvertretend für die AfD auf, der man eine Mitschuld am Attentat auf Lübcke zuschreibt. Passend dazu zeigt die Redaktion von Plasberg einen Post, unter dem sich 4 Jahre lang über 1.400 Kommentare sammelten, in denen zu Mord und Totschlag an Lübcke aufgerufen wurde.

Joa, meint Junge, das sei natürlich nicht in Ordnung und muss gelöscht werden. Aber er wäre ja nicht für den Betrieb der Seite verantwortlich. Und überhaupt: Gegen ihn und seine Kollegen wird ja auch gehetzt. Immerhin wurde er auch Opfer eines Anschlages, wie Lübcke. Das sagte er wirklich: Er stellte sich auf eine Stufe mit einem Mordopfer. Nicht falsch verstehen: Ein Brandanschlag ist zu verurteilen. Aber allein, dass Junge sich gestern im Fernsehen zeigen konnte, und Lübcke eben nicht mehr, macht diesen Vergleich grotesk!



“Sehr harte Aussage” – Falsches Zitat!

Richtig peinlich wurde es, als Uwe Junge tatsächlich ein Poster der Hooligans gegen Satzbau, also einer Satire-Seite, hervorzog, auf dem er zu sehen war: „Ich bin verantwortlich für den Tod Walter Lübckes.“ Bezogen auf seinen Tweet, in dem er den Tag herbeisehnt, an dem alle zur Rechenschaft gezogen werden, die für eine Willkommenskultur einstehen.

Heute: hart aber fairZu Gast: Uwe JungeThema: Aus Worten werden SchüsseWir können die Sendung leider nicht schauen, werden das aber nachholen.

Gepostet von Hooligans Gegen Satzbau am Montag, 1. Juli 2019

Wie Lübcke? Zu dessen Satz fällt Junge ein, dass das „schon eine sehr harte” Aussage gewesen sei. Und dann zitiert er ihn auch noch falsch, denn nicht diejenigen dürften das Land verlassen, die mit der Politik nicht einverstanden sind, sondern diejenigen, die nicht für unsere christlichen Werte einstehen wollen. Das ist ein Unterschied, aber leider hat dieses halbherzige Zitieren Methode.

Überhaupt: Uwe Junge gehörte diese Sendung

Er hatte die meiste Redezeit bei „hart, aber fair“. Er konnte unkommentiert Linksextremismus und Rechtsextremismus gleichsetzen: Es gäbe auf beiden Seiten ca. 1.000 Gewalttaten. Als dann zumindest an dieser Stelle der Faktencheck eingriff und klar stellte, dass sich rechtsextreme Straften überwiegend gegen Menschen richten (ca. 930 Gewalttaten und 6 versuchte Tötungsdelikte), während sich linke Gewalt überwiegend gegen den Staat oder gegen Dinge richtet (ca. 330 Gewalttaten und 0 versuchte Tötungsdelikte), meinte Junge kleinlaut, dass aber die Summe gleichbleibt.

Und so geht das über eine Stunde. Uwe Junge rudert da zurück, wo er nicht mehr rauskommt, relativiert ansonsten herum. Immer (!), wenn es um Rechtsextremismus geht, betont er den Linksextremismus und den islamistischen Terror.

Und Plasberg? Lässt alles laufen

Es ist ja nicht so, dass es interessant wäre, was Junge zu den befreundeten rechtsextremen Netzwerken der Identitären Bewegung sagt, den Neuen Rechten oder warum er in Chemnitz direkt Schulter an Schulter neben astreinen Neo-Nazis und Rechtsextremen „getrauert“ hat. Warum fragt da niemand nach?

Und in welcher Welt lebt eigentlich Herbert Reul, der als Innenminister von Nordrhein-Westfalen eingeladen war und tatsächlich behauptet, dass Rechtsextreme nur schwer zu beobachten sind, weil sie als Einzeltäter und nicht vernetzt agieren? Das ist ein Offenbarungseid für einen Innenpolitiker!

Leider gibt es über die anderen Gäste bei “hart aber fair” nur wenig zu sagen, weil sie zu blass waren. Sicher, Irene Mihalic, Mehmet Daimagüler und Georg Mascolo hatten ihre Momente, und vor allem Daimagüler brachte es auf den Punkt:

“Hass ist nicht ein Phänomen in ihren Reihen, der Hass ist ihre Geschäftsgrundlage”.

Aber letztlich war es zu wenig, um Junge von der Bühne zu zerren. Hoffnung machte gestern Abend aber Twitter: Unter dem Hashtag #ueberrechtereden und großflächig von Ralph Ruthe beworben, analysierte Autorin Natascha Strobl die Debatte. Der Hashtag trendete großartig und so konnte wenigstens die Twitter-Gemeinde die Aussagen von Junge und die Intention dahinter durchschauen.

Aber insgesamt konnte man nur fassungslos den Kopf schütteln, wie wenig Rechtsextremismus, seine Strukturen und seine Methoden hinterfragt und benannt wurden. Und genau das ist derzeit das Problem!

Artikelbild: Screenshot ard.de

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