Diese Geiselnahmen verschweigen dir die Medien: So hilft die Presse der AfD

Kommentar

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Lassen Sie folgende Schlagzeile auf sich wirken:

“Islamist schubst deutsche Polizistin in den Main!

Großeinsatz, Terrorgefahr! Drama in der Nacht von Samstag auf Sonntag: Einen Polizeieinsatz hätte eine junger Polizistin (27) beinahe mit dem Leben bezahlt.

Um 4 Uhr am Sonntagmorgen war eine Polizeistreife unterwegs. Den Beamten fiel ein Mann mit einem Bart in der Nähe des Mains auf. Als die Polizisten den Mann kontrollieren wollte, zeigte sich der Mann nicht kooperativ und aggressiv. Der 19-Jährige Islamist fing an, vor der Polizei Frankfurt davonzulaufen. Die beiden Beamten nahmen sofort die Verfolgung auf. Dann konnten die Polizisten den Flüchtigen schließlich stellen – dann passierte es!

„Als eine Polizistin ihn am Arm ergriff, wehrte sich der Islamist vehement und schubste sie in den Main“, so die Polizei in der Mitteilung. Die junge Polizistin konnte sich zum Glück an einem Stahlseil festhalten. Damit konnte ein großes Drama verhindert werden und die Beamtin rettete sich wohl vor dem Ertrinken im Main. Der 29-jährige Kollege kam der 27-Jährigen Deutschen sofort zur Hilfe. Sie musste dennoch ins Krankenhaus.

In der Zwischenzeit konnte der 19-Jährige Islamist gefasst werden. „Gegen den 19-Jährigen Islamisten wird nun wegen des Verdachts des Terrors ermittelt„, so die Polizei.”



Na wie fühlen Sie sich gerade?

Empört? Besorgt? Angstgefühle? Vielleicht sogar Hass auf Muslime? Fühlen Sie sich in Ihren Befürchtungen, dass der Islam an allem Schuld ist, bestätigt? Werden Sie als nächstes AfD wählen? Die obige Nachricht ist ein gestelltes Szenario, jedoch mit einem Unterschied: Der Täter wurde ausgetauscht.

Die richtige Meldung geht so:

Screenshot www.extratipp.com

In dieser echten Nachricht ist der Täter ein “19-jähriger betrunkener Mann, der eine Polizistin in den Main schubst”. Diese Nachricht wird bei Ihnen Empörung auslösen oder vielleicht einen leichten Aufschrei, aber sie werden nicht besorgt sein. Noch werden Sie Angst spüren oder Menschen hassen, die in das Raster des “19-jährigen betrunkenen Mannes” fallen. Auch war dieser Fall nicht in allen Schlagzeilen der Republik.

Julia Ebner ist eine österreichische Extremismus- und Terrorismusforscherin. Sie schreibt in ihrem Buch “Wut”:

„Die Sensationsgier der Massenmedien, eine tendenziöse Berichterstattung und Fake News haben alle ihren eigenen Beitrag zum Erfolg der Extremisten bei der Verbreitung ihrer binären Weltbilder geleistet.“

Weitere Meldungen:

Meldung vom 06. Juli 2018 in der “Westdeutschen Zeitung”:

„Scheiß Islamisten“: Mann zückt Messer in Arztpraxis.  Ein 56-jähriger Mann bedrohte kopftuchtragende Arzthelferinnen mit Messer. Polizei nahm den offensichtlich verwirrten Mann fest.

Keine Info über Täter. Kein Motiv. Kein Aufschrei. Der Mann wird als “verwirrt” erklärt, Richter ordnet Unterbringung in eine Landesklinik. Sein Verhalten ist auf psychische Erkrankung zurückzuführen.

Anderes Beispiel

Meldung vom 24. Juli 2018 in MDR Thüringen:

Ein 35-Jähriger soll in Untermaßfeld auf eine Gruppe minderjähriger Flüchtlinge geschossen haben. Verletzt wurde niemand. In der Wohnung des Mannes fand die Polizei zwei Schreckschusswaffen und eine Softairwaffe.

Keine Info über Täter. Kein Motiv. Kein Aufschrei.

In beiden dieser Meldungen waren die Täter Deutsche ohne Migrationshintergrund. Leider genießen sie nicht das Privileg, in den Massenmedien aufzutauchen. Über sie wird auch nicht tagelang in Talkshows oder im Netz negativ gesprochen. Dieses Privileg ist aus bestimmten Gründen Menschen vorenthalten, die ein bestimmtes Feindbild repräsentieren.

Härtere Strafen für „Migranten oder Muslime

Sie glauben mir nicht, dass Migranten oder Muslime strenger bestraft werden als Deutsche ohne Migrationshintergrund? Dann schauen Sie sich folgenden Vergleich an:

Meldung vom 16. März 2018 im NRZ:

Muslimischer Polizist verweigert einer Kollegin den Handschlag: Mediale Hetzjagd, Polizist wird als Islamist bezeichnet, in rechtspopulistischen Kreisen spricht man von Islamisierung. Der Polizist muss 1.000 € Strafe zahlen und darf den Handschlag nicht mehr verweigern.

Meldung vom 12. Juli 2018 in der Zeit:

Berliner Polizist grüßte Vorgesetzten per SMS mit „88“. Der Polizeioberkommissar, der die „88“ als Abschiedsgruß genutzt hatte, habe einen Verweis erhalten. Gegen den Kriminalhauptkommissar werde aber weiter ermittelt. Diese Verfahren stünden aber nicht mit den SMS in Verbindung. GdP bittet um Nachsicht im Urteil über Anti-Terror-Ermittler.

Fassen wir also zusammen: Ein Muslim, der gegenüber einer Frau den Handschlag verweigert muss mit einer hohen Geldstrafe rechnen. Und wird danach gezwungen den Handschlag zu geben, ansonsten Rauswurf. Wer aber eine Nazi-SMS schickt, bekommt von der Gewerkschaft der Polizei sogar Rückendeckung, man bittet um Nachsicht, einzige Strafe: Verweis.

Die Geiselnahmen, die die Presse nicht ausschlachtet:

Gestern, am 16. Oktober 2018 gab es eine Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof. Alle Leitmedien berichteten davon. Wussten Sie überhaupt, dass es einen Tag davor 2 weitere Geiselnahmen gab? Okay, einen davon müssten viele kennen, denn der Geiselnehmer machte eine lustige Forderung: er wollte Capri Sonne! “Ahhh! Doch, jetzt erinnere ich mich, haha. Genau der.”

Viele haben das natürlich humoristisch genommen. Schließlich war das eine der Headlines auf der Bild. Verständlich, dieser Geiselnehmer war privilegiert. Bei dem Täter handelt es sich um einen 39 jährigen Deutschen. Das erfährt man erst, wenn man auf das wenig besuchte “Presseportal” drauf geht. Die Medien berichten nur von “einem Mann”. Die zweite der Geiselnahmen vom Sonntag ereignete sich in Thüringen:

“Ein 30 Jahre alter Mann ist in Erfurt vorläufig festgenommen worden, nachdem er drei Menschen mit einer Waffe bedroht haben soll. Diese riefen die Polizei, weil sie Angst hatten, dass der Mann nach dem Vorfall auf der Straße von seinem Balkon schießt.

Mann bedroht Menschen in Erfurt mit Waffe

Der Mann reagierte nicht auf das Erscheinen der Polizei und Gesprächsangebote, sondern verschanzte sich in seiner Wohnung im Erfurter Ortsteil Melchendorf. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei sei eingesetzt worden, um ihn in seiner Wohnung vorläufig festzunehmen.”

Wie fühlen Sie sich? Auch wenn es Empörung auslöst, so fühlen Sie sich doch politisch eher neutral. Diese neutrale Berichterstattung ist oft nur für bestimmte Menschen reserviert. Menschen, für die es kein Feindbild gibt. Menschen, die keiner rechtsradikalen völkisch nationalistischen Partei für ihren Wahlkampf nutzen.

Die beim Namen genannt werden, deren politische oder religiöse Gesinnung keine Rolle spielt. Dieses Privileg, dass ihre Taten ausgeschlachtet werden können, ist kriminellen Migranten oder Muslimen vorenthalten. Am Ende bleibt nur noch die Frage des Privilegs.

Presse berichtet überproportional häufig über Migranten

Sicherlich könnte man argumentieren, dass Köln etwas spektakulärer und damit vielleicht berichtenswerter war. Das Problem ist aber, dass dieser überproportionale Fokus auf Straftaten von Migranten kein Einzelfall ist, wie auch Studien zeigen:

Studie zeigt: Deutsche Presse stellt Nicht-Deutsche und Flüchtlinge krimineller dar, als sie sind

Auch die Auswahl an Straftaten, über die die AfD selbst berichtet, ist falsch: Abgesehen davon, dass es natürlich eine selektive Auswahl ist, die die AfD auf ihrer eigenen Seite als Beweise für „Messerangriffe von Migranten“ betitelt. Ein Teil der gelisteten Straftaten wurde von Deutschen begangen, oder der Täter ist unbekannt wie auch der Faktenfinder der Tagesschau bestätigt. (Mehr dazu) Siehe dazu auch:

Die Grafik, die die AfD vertuschen will: Wer wirklich mit Messern angreift

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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