#reconquistainternet: Es ist völlig ok, rechte Trolle zu blocken

Der Verein ichbinhier gibt Tipps für den zivilen Umgang mit anderen Meinungen, Jan Böhmermanns „Reconqusita Internet“ verteilt Blocklisten für Twitter. Was ist sinnvoller: Mit Nazis reden oder blocken? Die kurze Antwort: Kommt drauf an.

Wir beim Volksverpetzer zögern nicht lange damit, auf Facebook oder Twitter User zu blocken, die rassistische Hetze oder Lügen verbreiten, andere und uns beleidigen oder lediglich daran interessiert sind, so viel Aufregung und Missmut wie möglich zu verbreiten. Warum sollten wir auch? Diese User kommen ganz klar nur mit dem Ziel zu uns, ihre Propaganda oder Lügen zu verbreiten und unsere Zeit zu verschwenden. Niemand, der mit Beleidigungen um sich wirft, ist an einer fruchtbaren Diskussion interessiert.

Rechte Trolle haben mehrere Ziele: 1. Sie wollen, dass wir uns schlecht fühlen. Wir sollen uns aufregen, unsere Emotionen sollen hochkochen. Wir sollen uns danach schlecht fühlen, die Beleidigungen und Vorwürfe sollen uns verletzen. Das nimmt uns den Mut im Kampf gegen Hetze und im Einsatz für die Dinge, für die wir einstehen. 2. Sie wollen, dass wir hoffnungslos werden. Durch gezielte, teils koordinierte Angriffe und Shitstorms sollen wir denken, dass wir in der Minderheit sind und dass es keinen Sinn hat, weiter zu machen. Sie wollen, dass wir aufgeben, denn dann haben sie auch gewonnen.

3. Sie wollen unsere Zeit verschwenden. Solange wir mit diesen unbelehrbaren Ideologen und Hetzern diskutieren, bringen wir nicht unsere eigenen Projekte voran oder können mit Leuten reden, die noch unentschieden sind, wie sie bestimmte Dinge beurteilen sollen. Wenn wir immer nur damit beschäftigt sind, den Lügen und Mythen und Fake News der Rechten zu widersprechen, dann reden wir niemals darüber, wie die Dinge tatsächlich sind: Für Außenstehende geben die Rechten eine Erklärung der Welt und wir sagen nur „Nein“ – Anstatt eine bessere Erklärung zu liefern. (Wie das psychologisch funktioniert habe ich hier erklärt) Und 4. Sie wollen, dass auch alle anderen Denken, es handle sich nicht um eine kleine Minderheit. Dabei ist genau das der Fall.



Also: Nazis blocken

Also spielen wir dieses Spiel einfach nicht mit. Die Reconquista Germanica, wie Julia Ebner herausgefunden hat, will eine Scheinmehrheit simulieren: Nur fünf Prozent aller Accounts sind für 50 Prozent der Likes bei Hasskommentaren verantwortlich! Durch das gezielte Ausnutzen der Algorithmen und trendender Hasthags „übernehmen“ diese Accounts die Diskurse, die online geführt werden. dagegen kannst du nicht anreden. Zumindest nicht, wenn du nicht deine eigene „Trollarmee“ wie Jan Böhmermanns Reconquista Internet hast.

Das heißt: Die Nazi-Trolle ignorieren (Nutze dazu zum Beispiel die Blocklisten hier) und sich für seine eigenen Ziele und Botschaften einsetzen. Und du nimmst den 5% der Accounts jegliche Macht, wenn du sie ignorierst. Das ist übrigens auch bei aufmerksamkeitsheischenden Mausrutschern der AfD ratsam. (Uns findet ihr im Discord-Server von RI übrigens auch!)

Und nein, das schränkt NICHT deren Meinungsfreiheit ein und ist KEINE Zensur, falls das jemand denkt. Die Meinungsfreiheit gibt dir das Recht, zu sagen, was du willst, NICHT, dass dich jeder hören muss. Wir plädieren ja nicht dafür, die rechten Trolle von Twitter und Facebook zu verbannen. Wir wollen nur ihren Hass nicht lesen und raten euch, das gleiche zu tun. Und das wiederum ist unser gutes Recht. Die AfD hat selbst Blocklisten womit sie kritische Stimmen ausblendet. Auch ihr Recht.

Aber habt ihr nicht immer geraten, mit AfD-Wählern zu reden?

Richtig, und zwar hier:

Warum du einen AfD-Wähler vielleicht nicht gleich von deiner Freundesliste kicken solltest

Und das gilt natürlich immer noch. Aber die Sache ist die: Nicht jeder AfD-Wähler ist ein rechter Troll. Nicht jeder AfD-Wähler ist automatisch ein Nazi. Blocken und ignorieren ist bei denjenigen sinnvoll, die nicht an einem konstruktiven Diskurs interessiert sind und dir deine Zeit stehlen wollen. Wenn du aber jemanden hast, der den Narrativen und der Propganda der AfD auf den Leim gegangen ist und deren Erklärungs- und Lösungsansätze glaubt, dann ist die Nazi-Keule und das Blocken kontraproduktiv.

Denn zum einen Wirken wir, die gegen Hass und Hetze sind, als unfair, wenn wir gleich mit so einer Ablehnung daher kommen und zum anderen lassen wir diese Leute nur noch mit anderen Rechten und Nazis alleine, sodass diese immer weiter in den Sumpf des (Fremden-)Hasses gezogen werden. Wir sind ihre Chance, eine andere Perspektive zu gewinnen. Und deshalb: Wer sich für einen konstruktiven Dialog öffnet, der soll und muss diesen auch bekommen können.

Worauf du achten musst, wenn du mit so jemandem diskutierst, haben wir in dem Artikel zusammengefasst. Dazu empfehlen wir auch den Kodex von Reconquista Internet, den unsere Freunde von Hasshilft zusammengefasst haben. Also: Trolle blocken, mit den anderen versuchen zu reden. Dazu könnt ihr auch unsere Freunde von Ichbinhier kontaktieren, die schon lange gegen Hass im Netz ansprechen.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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  1. Tim Fels sagt

    „“Meinungsfreiheit gibt dir das Recht, zu sagen, was du willst, NICHT, dass dich jeder hören muss.““

    Schwachsinn. Zur Meinungsfreiheit gehört auch die freie öffentliche Verbreitung. Die freie öffentliche Verbreitung wird durch Blocklisten stark eingeschränkt.

    1. Thomas Laschyk sagt

      Nein, es zwingt ja niemand einen, die Blockliste zu nutzen, das sind alles Individuen die sich entscheiden, diese auszublenden. Die Blocklisten werden auch weder von den Plattformen (Twitter, Facebook) noch vom Staat oder öffentlichen Einrichtungen verbreitet. Ergo auch nur von Individuen, die niemand zwingen kann, diese Personen zu lesen oder zu hören.

  2. Hendrik sagt

    Ironisch das sich über die Blocklisten von RI-Mitgliedern aufgeregt wird, wenn alle möglichen Accounts der RI-Mitglieder auf Twitter von der AfD blockiert werden und zwar in dem Blocklisten genutzt werden.

  3. Klaus Grolsch sagt

    Zur Meinungsfreiheit gehört eben „nur“ das Recht seine Meinung kund zu tun (mit ein paar verständlichen Ausnahmen), dazu gehört nicht das Recht darauf das jeder sich diese anhören muss, vorallem nicht wenn man besagte Meinung für Schwachsinn hält. Ich kann niemanden dazu zwingen mir zu zuhören.

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