3 Dinge, die Medien beim Berichten über den Klimawandel beachten müssen

| 28. April 2019

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Was die medien besser machen müssen

Die BBC, eine der größten internationalen Medienorganisationen, hat im September letzten Jahres interne Richtlinien für ihre Journalist*innen herausgegeben, wie sie über Themen zum Klimawandel berichten sollen (Mehr dazu). Die Richtlinien wurden deshalb eingesetzt, weil zuvor eine britische Klimaskeptiker-Gruppe in einem Interview unwidersprochen Unwahrheiten über den Klimawandel verbreiten durfte. Die BBC hatte sich ungewollt zum Vehikel von Lügen gemacht. Das ist keine seriöse Berichterstattung.

Und darin liegt der Knackpunkt: Journalismus soll neutral und ausgewogen sein. Aber das trifft nur auf Meinungen und (demokratische) Weltanschauungen zu. Niemand hat das Recht darauf, Lügen zu verbreiten oder mit nachweislich falschen Aussagen Sendezeit zu bekommen. Auch deutsche Medien sollten sich ein Beispiel daran nehmen. Danke an Rico Grimm, der mich auf das Thema aufmerksam gemacht hat.



1. Der Klimawandel ist real

Dieser Punkt ist relativ einfach. Der menschengemachte Klimwandel ist real. Das ist unbestritten. Wer etwas anderes behauptet, lügt. Das belegt auch der Bericht des Weltklimarats (Hier), für welchen 800 Wissenschaftler*innen zehntausende Studien ausgewertet und beurteilt haben. Auf diesem Bericht basiert auch das Klimaabkommen von Paris und die Notwendigkeit, dass wir bis 2050 klimaneutral sein müssen.

Über 99% aller Wissenschaftler*innen, die zum Klima forschen bestätigen das (Hier). Doch in der Bevölkerung ist der Anteil nicht so hoch. Führende Politiker*innen von der AfD, aber auch in der FDP (Beer) leugnen den Klimawandel. Bei führenden Medien dürfen Klimawandelleugner Kolumnen schreiben, wie von Altenbockum bei der FAZ (Hier) oder Broder bei der Welt. Tatsächlich zeigen Recherchen sogar, dass ein Netz an Klimaskeptikern gezielt versucht, Unwahrheiten zu verbreiten, um die Skepsis zu schüren (Mehr dazu).

2. Weg mit der “Falschen Fairness”!

Ein generell richtiges Werkzeug journalistischer Arbeit ist der Versuch, in einem Bericht “beide” Seiten zu Wort kommen zu lassen. Doch beim Klimawandel ist das absurd. In einem Artikel über den Klimawandel muss man nicht extra jemanden erwähnen, der ihn leugnet. In einer Reportage über den Holocaust werden auch keine Holocaust-Leugner eingeladen, um ihre Meinung zur Sache zu sagen. Für “alternative” Fakten braucht man keinen Platz machen.

Das ist nicht “unfair” oder diskriminierend. Man darf sich nicht von denjenigen, die davon profitieren, dass die Öffentlichkeit belogen wird, dazu drängen lassen, ihnen Sendezeit zu schenken. Das heißt nicht, dass hier eine Opposition oder dergleichen totgeschwiegen werden soll. Wissenschaft und Diskurs leben schließlich von unterschiedlichen Meinungen. Auch Widersprüche dürfen nicht automatisch ignoriert werden. Deshalb:

3. Wenn Klimaskeptiker reden, dann…

Klimaskeptiker und -kritiker können durchaus auch einmal zu Wort kommen. Nicht, wenn es um die Existenz des menschengemachten Klimawandels geht, aber vielleicht um dessen Geschwindigkeit, Ausmaß oder darüber, welche Maßnahmen sinnvoll sind. Dabei ist jedoch höchst relevant, dass jeder über den Hintergrund dieser Personen Bescheid weiß.

Handelt es sich um Wissenschaftler, Industrielobbyisten, Parteimitglieder und so weiter? Ein gutes Beispiel wäre die mediale Präsenz von Scheuers “100 Lungenärzten”, die die Feinstaubgrenzwerte in Frage stellten. Der Aufruf enthielt keine einzige Studie, basierte auf Rechenfehlern, wurde fast nur von Laien unterzeichnet, die nie auf dem Gebiet geforscht haben und einige waren nicht einmal Lungenärzte, sondern z.B. ein Motorenentwickler, der für Daimler gearbeitet hatte. Doch viele Medien behandelten sie wie Experten.

Keine Belege, keine Experten: 5 Fakten zu den 100 Lungenärzten gegen Schadstoffgrenzwerte

Die Industrie nutzt seit Jahrzehnten Unsicherheiten oder Streitpunkte in der Klimaforschung aus, um Skepsis zu streuen und auch die Medien, um diese Zweifel zu verbreiten. Alles mit dem Ziel, weiter ungehindert Geld zu verdienen. Exxon wusste beispielsweise von ihren Experten bereits 1981 vom menschengemachten Klimawandel, hat danach aber noch 27 weitere Jahre Klimawandelleugner finanziert (Quelle).

Keine Bühne für Klimawandelleugner

Es ist deshalb wichtig, dass Medien nicht auf falsche Ansprüche hereinfallen, wenn sie von Klimawandelleugnern ausgenutzt werden. Der Stand der Wissenschaft ist eindeutig. Und dort, wo er es nicht ist, muss man transparent damit umgehen, wen man zu Wort kommen lässt. Es darf nicht sein, dass sich die Medien zum Vehikel von Lügnern machen lassen und zu Helfershelfern von Propaganda.

Der Klimawandel ist real, und daran gibt es nach 40 Jahren Forschung nichts mehr zu rütteln. Die Diskussion sollte vielmehr darüber gehen, auf welchem Wege wir am besten die Klimaziele erreichen. Und zwar schneller als bisher, denn unsere Klimaziele für 2020 werden wir verpassen. Wir dürfen uns nicht mehr von Klimawandelleugnern ausbremsen lassen. Und dürfen ihnen deshalb dabei auch nicht helfen. (Mehr dazu)

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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