Der endgültige Beweis für die links-grüne Mainstream-Meinungsdiktatur!

| 19. September 2019

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Die links-grüne Mainstream-Meinungsdiktatur…

…gibt es nicht. “Links-grün-versifft” ist ein Märchen.

Tschüss an alle AfD-Wähler, die nur wegen der Überschrift auf den Artikel geklickt haben. Und jetzt wütend sind, weil er ihr verkrampftes Weltbild nicht stützt. Wenn ihr aber offen seid, das Ganze mal “von der anderen” Seite zu betrachten, lade ich euch herzlich ein, hier zu bleiben.

Dieses Weltbild jedenfalls wird von mehreren, von der “Neuen Rechten” und speziell der AfD bedienten, Feindbildern aufrecht erhalten. Besonders öffentlichkeitswirksam treten dabei das Feindbild “Linke”, “Grüne” und “Lügenpresse” auf.

Will man Zeit sparen, dann fasst man das Ganze einfach in einem Bild zusammen und schon entsteht die “Links-Grüne Mainstream-Meinungsdiktatur”. Da fällt dann alles rein, was den “besorgten Bürgern” der AfD (früher sagte man “Rechtspopulisten mit Hang zum Rechtsextremismus”) am Leben stört. Eine kleine Auflistung, was alles mit dieser Begriffscollage gemeint sein kann:

Alle Parteien im Bundestag (außer der AfD), Greta Thunberg, Elektroautos, Wissenschaftler [außer ihre “Forschungsreihen” bestätigen krude AfD-Thesen], Windräder, Angela Merkel, Claudia Roth, Muslime, Medien, die nicht AfD-konform berichten, Flüchtlinge, Flüchtlingshelfer etc. etc.



Zusammenfassung

In der Welt der AfD leben wir alle in einer Diktatur, die von der CDU angeführt wird, dem einfachen Volk ideologisierte Umweltpolitik aufzwingt, “uns Deutsche” durch “Muslime/Flüchtlinge/”Dunkelhäutige” ersetzen will und die jeden Widerstand im Keim erstickt. Außer die AfD irgendwie. Keine Ahnung.

Eine besondere Rolle spielen dabei alle Institutionen von Staat, Verwaltung, Justiz und auch den meisten Medien, denen die AfD nachsagt, dass sie mehr oder weniger gleichgeschaltet seien (außer sie bringen Ergebnisse, die die AfD für ihre Propaganda nutzen kann, dann sind die Institutionen tolle Quellen).
Und dieses Weltbild ist nicht nur in sich widersprüchlich, sondern entspricht auch nicht dem, was in der Realität passiert.

Ein  Schauspiel in zwei Akten.

Akt 1 – Warnung. Es wird Zynisch.

Steffen Königer, Landtagsabgeordneter der AfD Brandenburg, spielt die Hauptrolle. Die Szene spielt in  Brandenburg, wo die Welt noch gut ist, weil da viele AfD wählen. Doch “linksgrün”, die böse Macht, “die da oben”, “Merkel und ihre Gehilfen”, infiltrieren das schöne Brandenburg. Die das Land schon regiert haben, bevor es die AfD überhaupt gab [letzten Satz streichen].

Königer geht für die AfD in den Wahlkampf. Doch er muss vorsichtig sein, überall lauern die Assassinen des “Merkel-Regimes”. Im “Guerilla Style” traut er sich mit seinen Begleitern immer wieder aus der Deckung und drückt aufdringlich ahnungslosen Passanten AfD-Werbung ohne Inhalt in die Hand. Lange gelingt es ihm, sich vor Revanche-Akten der “Merkeldiktatur” zu schützen. Doch dann passiert es.

Er wurde enttarnt. War es der grausame Überwachungsapparat der Merkel-Junta? Der Inlandsgeheimdienst, der Nonkonformisten finden und eliminieren soll? Oder einfach nur das große AfD-Logo am Wahlstand?

Irgendwie muss Martin M. ihn jedenfalls erkannt haben. Und setzt zu seinem Attentat an. Was genau passierte, ist wohl nur noch verschwommen präsent. Zu groß war das Trauma. Doch auf jeden Fall fielen Sätze wie: „Ihr Scheiß Nazis könnt Euch verpissen!“ und „Mit solchen Faschisten rede ich nicht!“. Die absolute Katastrophe. Endet hier der “nationale Widerstand”?

Glorreiche Wendung

Nein! Nach den schweren Attacken lässt Martin M. von den AfDlern ab. Gerade so entkommen sie mit ihren Leben. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte M. ein Kantholz dabei gehabt.

Sie beraten, was zu tun ist. Wie kommt man nur einem schweren Angriff der links-grün versifften Meinungsdiktatur bei? Guter Rat ist teuer, doch dann kommt Königer die Idee. “Der links-grünen Meinungsdiktatur kommt man nur bei, indem man sie mit den eigenen Waffen schlägt. Also ziehen wir vor das links-grüne Meinungsdiktatur-Gericht!”. Einige der Verbündeten haben das seltsame Gefühl, dass da irgendwo ein Fehler ist…

Wie geht es weiter? Nun, das recherchierten die Potsdamer Neuen Nachrichten für uns [von dort auch die anderen Quellen zu diesem Fall]. Da der Ausgang des Falls (Martin M. erhält 20 Tagessätze zu je 40 Euro als Strafe) nicht in das Weltbild passt, auf dem dieses Schauspiel gründet, fahren wir lieber fort mit

Akt 2. Die Revanche

Die Hauptrolle gilt hier einem Musterbeispiel der links-grünen Diktatur: Renate Künast. Sie fällt immer wieder dadurch auf, dass sie solch moralisch verwerfliche Themen wie die Rettung des Klimas oder gar die Einführung von Islamunterricht an Schulen voranbringen möchte. Dabei zeigt schon das Titelbild ihres Wikipedia-Artikels das, was alle insgeheim vermuten: Renate Künast fährt Auto. Ein Skandal, der natürlich von den gleichgeschalteten Medien größtenteils ignoriert wird.

Auch im Netz bekämpfen AfDler diese Missstände vehement. Das Internet ist sowieso das Netzwerk, in dem die AfD die größte Macht hat. Hier kann man  “alternative Wissenschaftler” problemlos als “Konsens der Wissenschaft” präsentieren und so mit zwei Klicks den Klimawandel widerlegen. Der ist zwar von etlichen tausenden Forschern und Studien belegt. Doch im Netz zählt das nicht. Auch eine nicht so schöne, öffentliche Statistik zum Thema Kriminalität kann da “angepasst” werden.

Und: An Gegnern wie Renate Künast kann da sachliche Kritik geübt werden – das lässt ja das Staatsfernsehen nicht zu. Es ist nicht überliefert, wie lange inhaltlich und rhetorisch an den taktischen Angriffen im Netz gegen Renate Künast gefeilt wurde. Waren es Monate? Waren es Jahre?
Auf jeden Fall muss ein Planungsteam dahinter stecken. Eine Person allein kann solche gedanklichen Ergüsse wohl kaum fabrizieren.

Hier ist die Strategie: Sven Liebich, seines Zeichen rechter Netzaktivist und sowas wie der “Messias” unter rechten “Widerständlern”, greift einen Artikel der Welt auf. Dieser bezieht sich auf das Jahr 1986, also läppische 27 Jahre vor der Gründung der AfD. Damals hatte sich Renate Künast wohl irgendwie zu Pädophilie geäußert. Zwar stimmt die Darstellung, die bei Liebich rauskommt, nicht ganz mit der Wahrheit überein. Aber das ist auch egal, das braucht niemand. Die AfD hat ja sowieso ihre eigenen Fakten.

Unter diesen Post von Liebich jedenfalls kommt die geballte Kritik. An politische Korrektheit will man sich dabei natürlich nicht halten, denn das ist moderner Schnickschnack und in Deutschland war doch früher eh alles besser. Und so kommen unglaubliche, inhaltlich wie rhetorisch überragende Essays zustande. Hier ein paar Auszüge:

„Knatter sie doch mal so richtig durch, bis sie wieder normal wird“

„[Künast wurde] vielleicht als Kind ein wenig zu viel gef…“

„Stück Scheiße“

„Schlampe“

„Geisteskranke“

“Drecks Fotze”

Wer kann schon ein Land, in dem diese Intellektuellen an der Macht wären, nicht herbeisehnen?

Sachquellen dieses satirisch überspitzten Absatzes hier



Satire over.

Aber noch nicht ganz. Denn die beste Satire schrieb mal wieder das Leben selbst. Alles was jetzt folgt ist kein Witz, sondern tatsächlich so geschehen. Natürlich wurden unsere “Online-Helden” für diese niederträchtigen Kommentare verklagt. 22 solcher Kommentare wurden angezeigt. Der Fall ging vor das Berliner Landgericht.

Und die Angeklagten wurden in allen Punkten freigesprochen.

Nicht nur Renate Künast empfindet dieses Urteil wohl als katastrophal. Wer noch nicht genug von schlechter Satire hat, kann sich ja hier mal beispielhaft detailliert für 10 einzelne Beschimpfungen durchlesen, weswegen genau das Gericht diese nicht als Straftatbestände ansah.

Fazit

Das hat eigentlich Rechtsberater und Experte für Kartellrecht Kim Manuel Küstner treffend zusammengefasst:

Quelle: twitter.com

Wir befinden uns in einer skurrilen Situation. Die AfD stellt sich selbst als Opfer des “links-grün-versifften Mainstreams” dar. Gleichzeitig gibt es tatsächlich eine Ungleichbehandlung – aber zu Gunsten der AfD.

Der Grund dafür ist eben die Angst davor, das Narrativ von der “Links-Grünen Meinungsdiktatur” zu bestärken. Der Schutz der Würde von Renate Künast nach §1 des Grundgesetzes wird zurückgestellt, nur damit die AfD keinen Stoff hat, sich in die Opferrolle zu stellen. Die Logik ist auf den ersten Blick nachvollziehbar, doch in der Realität zeigt sich: Die AfD findet immer einen Weg, um in die Opferrolle zu kommen. Wir sollten uns nicht vom rechten Rand diktieren lassen, wie wir mit Gegnern der Demokratie umgehen müssen.

Die wehrhafte Demokratie muss ihrem Namen alle Ehre machen. Keinen Millimeter nach Rechts!

Artikelbild: Olaf Kosinsky (kosinsky.eu),CC BY-SA 3.0-de via Wikimedia Commons

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