So extrem reagierten die „Gelb-Westen“ auf unseren Artikel

Kolumne Schwer verpetzt

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Danke für euer Feedback, liebe „Gelb-Westen“

Wer nicht weiß, worum es geht: Vorgestern berichteten wir über die aus Frankreich inspirierte Gruppe der „Gelb-Westen“, die sich derzeit im Netz formt. Der Online-Aktivismus in allen Ehren, das Ankreiden realer Missstände in allen Ehren, aber die teils naiven Vorstellungen zu einer „Revolution“ boten mir Anlass des Kopfschüttelns. Besonders im Fokus meiner Kritik: Die Unterwanderung der Gruppe durch rechtsextreme Aktivisten. Hier der Artikel zum Nachlesen:

Rechte planen die lächerlichste „Revolution“, die ihr je gesehen habt



Unfair behandelt?

Also zum einen wurde uns vorgeworfen, wir würden „lügen“ und „unsachlich“ argumentieren.

Ähm, wo haben wir gelogen? Ihr könnt gerne den Artikel nochmal anklicken, alle Screenshots sind aus der Gruppe. Ich habe den Vorschlag, heute am Sonntag zu tanken, um am Montag Tankstellen zu „boykottieren“ als … unglücklich bezeichnet. Das ist leider die Wahrheit. Auch ist es naiv, über die Autobahn nach Berlin laufen (!) zu wollen und zu glauben, damit würden sie eine „Revolution“ in Deutschland ausrufen. Also war das eher eine Kritik an den Methoden, denn an der Intention. Ich meine… was ist das für ein Protest?

Ich meine, ok, wir können da gern einer anderen Meinung sein. Aber „gelogen“? Eher nicht. Ich habe der ganzen Gruppe unterstellt, „rechts“ zu sein. Ok, das war vielleicht übertrieben. Ich habe mich im Nachhinein mit einigen Mitgliedern unterhalten. Nein, nicht jeder, der die Idee des Protests der „Gelb-Westen“ gut findet, ist rechts. Diese Aussage will ich nicht unterschreiben. Aber:

Die Gelb-Westen sind von rechten Gruppen unterwandert

Wie im ursprünglichen Artikel geschrieben, bin ich durchaus für Protest. Aber wie auch in Frankreich wird diese soziale Bewegung gezielt von rechten Gruppierungen genutzt, um ihr rechtsextremes Gedankengut quasi als „blinden Passagier“ mitreiten zu lassen. Um unbedachte AktivistInnen mit ihrer Propaganda zu manipulieren. So kam es heute sogar zu gewalttätigen Ausschreitungen anlässlich der eigentlich friedlichen Proteste. Die Rechten wollen die Eskalation. Das rechte Magazin „Compact“ beispielsweise versucht den Protest mit ihrer Lügen-Kampagne gegen den Migrationspakt zu mobilisieren:

Sicherlich ist die Intention auf den ersten Blick alles andere als rechtsextrem. Die Beschreibung distanziert sich von so einem Gedankengut. Viele empörten sich, dass wir behaupteten, die Gruppe wäre voller Rechtsextremer, obwohl wir Reihenweise Screenshots mitgeliefert haben mit teils volksverhetzenden Aussagen. Ironischerweise waren das vor allem diejenigen, die sich aufregten, die rechte Kampfbegriffe benutzen, rechte Feindbilder und rechte Forderungen:

„Linksgrünversifft“, „Deep State“, „Antifanten“ usw. So ging jeder zweite Kommentar. So spricht doch kein normaler Mensch. Das sind rechte Kampfbegriffe und Verschwörungstheorien. Und natürlich sind eine Menge Rechtsextremer in der Gruppe. Oder wie erklärt man sich solche antisemitischen Verschwörungstheorien, rechtsextreme Kampagnen oder Blogs, die in die Gruppe geteilt werden?

Ich meine, kommt schon: Rechte Umsturzfantasien?

Übrigens, warum die Kampagne gegen den „UN Migrationspakt“ auf Lügen basiert und von Rechten ausgeht habe ich hier erklärt.

Aber es sind nicht alle so

Solche offensichtlich rechtsextremen Posts wurden natürlich teilweise inzwischen wieder gelöscht. Ich glaube den Beteuerungen eines Admins, dass sie eine „feindliche Übernahme“ durch rechte Fremdenfeinde bekämpfen wollen. Bisher sieht es allerdings nicht gut aus. Liebe Gelb-Westen, ihr müsst verdammt aufpassen, dass sich rechte Feindbilder nicht durch die Hintertür in eure Agenda schleichen. Passt auf, dass ihr keine Pegida 2.0 werdet. Aber es gab auch solche Reaktionen:

In dem Versuch, mich dafür zu kritisieren, dass ich sie zu Unrecht als „rechts“ bezeichnet haben sollte, haben viele erst bewiesen, wie rechts sie sind. War ich unsachlich? Ich habe niemanden persönlich angegriffen und nichts behauptet, was nicht gestimmt hat. Das kann ich allerdings nicht über die „Empörten“ behaupten:

Ich meine.. wow!

Also.. ich bin „Faschist“, „biogenetischer Abfall“ und anscheinend auch… schwul? Danke, liebe Gelb-Westen, dass ihr eure Kritik auf den Inhalt des Artikels beschränkt habt und mich darauf hingewiesen habt, dass ICH unsachlich war. Und ja, ich hatte vor zwei Jahren Hodenkrebs. Ging mir ziemlich auf den Sack. Aber ich glaube, ich habe immer noch mehr „Eier in der Hose“ als diese Schwachköpfe, die meinen ein paar Beleidigungen ergäben irgendeine Form der ernst zunehmenden Kritik.

Doch das ist noch nicht alles, diese Schwachmaten waren zu dumm, um den ganzen Artikel zu lesen und zu verstehen, aber anscheinend fähig, mich aufzusuchen und mir lauter lustige Privatnachrichten zu schicken. Die sahen alle ungefähr so aus:

Ich bezweifele, dass ihr dafür stehen wollt, liebe „Gelb-Westen“. Also: Schmeißt solche raus oder lebt mit der Kritik. Und ich wiederhole gerne noch einmal meine Aussage aus dem letzten Artikel: Ja, wir brauchen Veränderungen. Eine Reform der Pflege, damit alt oder krank werden in Würde möglich ist. Investitionen in Bildung, für Schulen und gut bezahlte, kompetente LehrerInnen. Wir brauchen eine Steuerreform, die nicht nur Unternehmen und Reichen zu Gute kommt, wir brauchen soziale Lösungen für Arbeitslose.

Wir brauchen eine Klimapolitik, die die Verantwortung nicht auf den Verbraucher abwälzt, sondern die Unternehmen, die für den Großteil der Emissionen verantwortlich sind, auch wirklich zu Verbesserungen zwingt. Und ja, wir brauchen eine nachvollziehbare, praktikable und vor allem nicht-fremdenfeindliche Migrationspolitik. Eine Politik, die mit Fakten agiert und gangbare Lösungen anbietet.

Ein Einwanderungsgesetz, das Menschen legale und gangbare Wege und damit Perspektiven bieten kann. Abschottung löst keine Probleme und tötet unschuldige Menschenleben. Genau darum ist auch der „Migrationspakt“ ein Schritt in die richtige Richtung (hier). Zur Zeit scheint es nur die Möglichkeit geben, nichts zu tun oder die fremdenfeindliche Politik der AfD umzusetzen. Kein Wunder, dass einige Menschen dann Rechtsradikalen nachlaufen.

Und protestiert von mir aus gegen Sprit-Preise!

Bitte! Boykottiert was ihr wollt, es ist ein freies Land. Aber ich darf nun mal auch nicht so ganz durchdachte Boykottaufrufe und Revolutionspläne lustig finden. Aber bitte, wenn ihr es nicht könnt oder nicht wollt, dass rechtsextreme Propaganda den Weg in eure Gruppe findet, dann werde ich das auch anprangern. Völlig egal, ob ihr mich dann für „linksgrünversifft“ oder „faschistisch“ haltet. Ist dann halt so. Ich kann andere Meinungen akzeptieren. Aber halt nicht andere Fakten oder Menschenhass.

Meine Absicht war nicht, Protest schlecht zu reden. Protestiert! Aber bleibt sachlich, fair und auf dem Boden der Tatsachen und des Grundgesetzes. Gewalt, Menschenhass und Propaganda diskreditieren jegliche gute Absicht, die ihr habt. Wenn euch etwas an meinen Texten stört, schreibt mir. Aber bitte sachlich und ohne Beleidigungen. Dann antworte ich euch auch gern! Und korrigiere mich, wenn ich einen Fehler gemacht habe.

Ich möchte mich bei denjenigen entschuldigen, die sich zu Unrecht beschuldigt gefühlt haben. Aber auf viele treffen die Vorwürfe zu, wie man offen sehen kann. Und wenn eine Gruppe Hass, Verleumdung, Gewaltfantasien und rechtsextreme Propaganda toleriert, dann sollte man sich fragen, ob die Gruppe ein Problem hat. Und nicht derjenige, der auf das Problem hinweist. Also, gutes Gelingen, liebe Gelb-Westen. Wünscht euch der eineiige Antifant!

Artikelbild: Paranamir, shutterstock.com, Screenshots facebook.com

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