2000 Seiten Klage-Fail! So absurd wollen Wodarg & Fuellmich uns vor Gericht mundtot machen

| Schwer verpetzt | 26. Februar 2021

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Eine absurde Klage – mit 2000 Seiten

Wir werden jetzt wirklich verklagt. Zumindest versucht es Pandemie-Leugner und Desinformationsverbreiter Wolfgang Wodarg und sein Anwalt Reiner Fuellmich. Sie wollen offenbar juristisch alle Meinungen unterdrücken, die ihnen nicht gefallen. Eine „Meinungsdiktatur“ sozusagen. So hat das Gericht gleich zu Anfang einen Hinweis gegeben, dass die handwerklich schlechte Klage in ihrer derzeitigen Form zurückgewiesen werden dürfte. Das jedoch erzählen weder Fuellmich noch sein Mandant Wodarg ihren Fans. Nicht nur das: Mit ellenlangen „Beweisen” widerlegt sich Fuellmich teilweise versehentlich sogar selbst.

Eine Klage zum Lachen

Wir haben ehrlich nicht damit gerechnet, dass Wodarg und Fuellmich wirklich vor Gericht ziehen, denn entgegen den großspurigen Anschuldigungen aus der Pandemie-Leugner:innen-Ecke ist juristisch halt nicht viel dran. Doch vor einigen Tagen wurde uns die absurde Klageschrift von Herrn Wodarg, vertreten durch Herrn Fuellmich tatsächlich vom Gericht zugestellt. Jeder kompetente Anwalt, der die Klage zu Gesicht bekam, musste gleich etwas schmunzeln. Und auch wir mussten laut lachen. Wir haben keinen einfachen Brief mit der Klage erhalten, sondern das:

Ein großes Paket mit einem 5,7 kg-Ungetüm voller juristischem Blödsinn und Unwissenschaftlichkeit. Fuellmich hat anscheinend halb Telegram ausgedruckt und uns per Post geschickt. Nur blöd: Das meiste davon bezieht sich gar nicht auf unseren Fall und wird wohl vom Gericht gar nicht erst beachtet werden. Inzwischen tut mir Wolfang Wodarg fast schon etwas leid, weil sein Anwalt Fuellmich wohl darauf erpicht ist, dessen Geld aus dem Fenster zu werfen. Oder hoffen sie, durch diese Inszenierung einfach immer noch mehr Spenden einzusammeln?

Wir haben vergangenen Herbst bereits berichtet, wie wir zuerst per Abmahnung eingeschüchtert werden sollten, nicht mehr kritisch über Pandemie-Leugner:innen wie Wodarg zu berichten:

Wir sollen zum Schweigen gebracht werden: Pandemie-Leugner Wodarg fordert 250.000€ von Volksverpetzer!

Die Forderung eines Schadensersatzes von einer Viertelmillion Euro für Aussagen, die wir nicht mal über Herrn Wodarg getätigt hatten, war für uns ein offensichtlicher Versuch, uns mundtot zu machen. Wir haben nur halt erwartet, dass Anwalt Fuellmich und sein Mandat Wodarg ihre eigenen Behauptungen nicht selbst glauben.

Fantasie vs Wirklichkeit

Anwalt Fuellmich scheint nämlich des Öfteren Diskrepanzen zu haben zwischen dem, was er ankündigt und dem, was er macht, wie Recherchen von uns zeigen: Seit mindestens August kündigt er eine Sammelklage in den USA gegen Prof. Dr. Drosten wegen seines PCR-Tests für SARS-CoV-2 an. Die meisten Labore der Welt testeten zwar schon Monate vorher mit ganz anderen PCR-Tests, aber das sind ja nur Fakten. Trotzdem sammelte er dafür wohl geschätzt eine Million Euro ein. Vor etwa zwei Wochen gab er versehentlich zu, dass es so eine Klage aber immer noch nicht gibt. Warum denn? So schwer kann es doch nicht sein, wenn die Schuld so eindeutig wäre, wie immer behauptet?

Fuellmich gesteht versehentlich: Es gibt noch gar keine Sammelklage gegen Drosten

PCR-Tests sind validiert, sie weisen Infektionen nach und sind sehr zuverlässig. Das sind die Fakten, das ist wissenschaftlich nicht kontrovers. Auch wenn Pandemie-Leugner:innen wie Fuellmich und sein Mandant Wodarg so etwas seit Monaten angestrengt ignorieren. Wir vermuten: um weiter Geld von verzweifelten Menschen einzusammeln. Ich gehe nicht zum hundertsten Mal darauf ein, das haben wir hier im Blog schon ausführlich belegt. Und in der Klage geht es auch gar nicht darum – Fuellmich behauptet das vermutlich nur, um seinen eigenen Mythos einer „Sammelklage“ auf Schadensersatz gegen Prof. Dr. Drosten aufrecht zu erhalten. Hier haben wir bereits Fakten und Belege gesammelt:

PCR-Tests sind sehr genau: Teile diesen Text, um die zentralen Lügen der Pandemie-Leugner zu widerlegen

Die 2000-Seiten Fail-Klage: Anwalt Jun „Klageschrift völlig verunfallt“

Anwalt Fuellmich behauptet nun in diversen Interviews, dass auch die Klage gegen uns etwas mit diesem „Drosten-Test” zu tun hätte. Vermutlich auch, um Spender:innen bei Laune zu halten, die seit August auf eine „Sammelklage gegen Drosten“ warten dürften. In Wahrheit ist es aber einfach eine Klage, in der uns Herr Wodarg verbieten will, 12 vermeintliche Aussagen über ihn zu tätigen.

Übrigens haben kaum welche irgendetwas mit PCR-Tests zu tun. Und keine mit Drostens PCR-Test. So will Wodarg uns zum Beispiel verbieten zu behaupten, er stehe politisch der AfD nahe. Dumm nur: Das mag vielleicht so sein, aber das haben wir nie geschrieben. Wir haben die AfD in dem betreffenden Artikel nicht mal erwähnt. Und das zieht sich dann durch die komplette Klage: Er will uns Aussagen verbieten, die er sich sinngemäß selbst zusammengeschrieben hat. Und dafür will er 50.000€ Schadensersatz von uns gezahlt bekommen. Warum das für Fuellmich und Wodarg ein riesiges Problem ist, hat uns Anwalt Chan-Jo Jun erklärt:

„Die Klage gegen Volksverpetzer enthält eine nahezu kindliche Naivität, die man eigentlich nur dann sieht, wenn jemand ohne selbstkritisch zu reflektieren eine Klage schreibt, in einem Rechtsgebiet, in dem er noch nie tätig war oder in dem er noch nie erfolgreich war“, erklärte uns Anwalt Jun. Für eine Unterlassungsklage müsse man eine konkret getätigte Aussage benennen können, die gegen Recht verstößt, um Erfolg zu haben. „Von den 12 Aussagen steht keine einzige in den Artikeln des Volksverpetzers. Man könnte zwar argumentieren, dass man die Passagen dahingehend interpretieren könnte, dass man das glauben könnte. Aber der erzeugte Glaube kann nicht Gegenstand einer Unterlassungsklage sein.“

„Die Klage scheitert also schon an dieser Stelle”, führt Jun weiter aus. Dass ein Richter gleich zu Anfang die Kläger darauf hinweist, kommt hingegen selten vor und passiert nur, wenn “eine Klageschrift völlig verunfallt ist“.

Wodarg und Fuellmich wollen andere Meinungen mundtot machen

Dieser ganze Versuch der Pandemie-Leugner, jeden Widerspruch zu ihren Fake News mundtot zu machen, krankt an noch viel mehr Stellen. Die Frage ist ja, wie Wodarg auf die Fantasie-Summe von 250.000€ Schaden kommt, für die wir mitverantwortlich sein sollen. Warum verklagt er nicht so ziemlich jedes andere seriöse Medium, das das gleiche über Wodarg geschrieben hat – sogar noch vor uns? Zum Beispiel Hierhierhierhierhierhierhierhierhierhierhierhierhierhierhierhierhierhier und hier? Wenn es wirklich darum ginge, Schaden von Wodarg abzuwenden, warum dann ein Prozess erst im November 2021 (!), wenn es u.a. um einen Artikel aus dem März 2020 geht? Bisschen spät, um angeblichen Schaden abzuwenden? Und wenn Wodarg erst im Herbst 2020 von unseren Artikeln erfahren hat – wie sollen sie ihm dann konkret geschadet haben?

Im tausende Seiten langem Anhang der Klage hat Fuellmich noch einen langen Bericht angehängt, der belegen soll, wie die Berichterstattung über die Falschaussagen Wodargs im Frühjahr seinem Ansehen geschadet haben sollen. Das soll ein Indiz sein für den verursachten Schaden. Dumm nur: In dem Bericht werden unsere Artikel, wegen derer wir verklagt werden, nicht einmal erwähnt. Fuellmich belegt versehentlich selbst, dass unsere Artikel offensichtlich keinen großen Einfluss gehabt haben können. Unsere Beiträge kamen zudem erst, als größere Medien über ihn berichtet hatten.

In Wahrheit zeigt sich: Diejenigen, die angeblich gegen Diktatur und für die Meinungsfreiheit ankämpfen, sind diejenigen, die alle Meinungen, nein, ja sogar die Fakten, die ihnen widersprechen, verbieten wollen. Die Heuchelei in der ganzen Sache ist übrigens: Derjenige, der Lügen über uns verbreitet, ist Herr Fuellmich selbst. Er bezeichnet uns in Interviews dreist immer wieder als „käuflich” und dass wir Geld von Facebook & Co. bekommen würden, um Wodarg zu diffamieren. Das ist völlig frei erfunden. Er macht also buchstäblich das, was er uns für Herrn Wodarg vorwirft: versuchen, uns mit dreisten Falschbehauptungen zu diskreditieren. Könnt ihr das glauben? Wir haben ihn deswegen übrigens abgemahnt. Denn jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten.

Klage so gut wie gescheitert

Wir sehen dem Prozess deshalb sehr entspannt entgegen. Nach derzeitigem Stand kann es sehr gut sein, dass die Klage direkt als Ganzes von vornherein abgewiesen wird. In großen Teilen ist sie aber auf jeden Fall jetzt schon verloren, es fehlt die Faktenlage. Es ist ein Einschüchterungsversuch und eine seltsame PR-Inszenierung für die realitätsferne Querdenker-Filterblase.

Aber wenn wir über solche PR-Inszenierungen lachen können, heißt das nicht, dass wir nicht zunächst  juristische Kosten zu tragen haben. Und dieser Zirkus stiehlt uns Zeit, andere Faktenchecks zu machen – sicherlich auch ein gewünschter Nebeneffekt. Denn wir sind gemeinnützig und finanzieren uns ausschließlich durch Crowdfunding. Ausschließlich die Unterstützung unserer Fans macht es uns möglich, gegen Hass und Fakes vorzugehen. Auch wenn Fuellmich gern Unwahrheiten darüber erzählt.

Wir freuen uns deshalb immer über Unterstützung. Und da wir ein wenig Geld ansparen müssen (u. a. für Anwalts- und Reisekosten), haben wir extra für diesen Prozess in unserem Shop süße Sparschweine im Angebot, die ihr ab sofort hier kaufen könnt (limitierte Auflage!).

Und die wollen natürlich mit angespartem Geld gefüllt werden. Deswegen steht das da drauf:

Aus keinem anderen Grund selbstverständlich. Ähnlichkeit mit real existierenden Personen ist REINER Zufall. Aber ihr könnt euch ja einfach im Shop umschauen, wir haben viele lustige Sachen, mit welchen ihr unsere Arbeit unterstützen könnt. Wie immer: Wenn ihr Feedback habt (und es keine Beleidigungen oder Drohungen beinhaltet), freuen wir uns drauf. Wir lassen uns nicht einschüchtern, denn jemand muss für die Wahrheit und Wissenschaft einstehen. Keine Demokratie ohne Fakten!

Unser Video zum Thema:

2000 Seiten Klage-Fail! So absurd wollen Wodarg & Fuellmich uns vor Gericht mundtot machen

Artikelbild: Volksverpetzer

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