Das große Problem der BILD liegt darin, dass sie in ihren Kommentaren unmoderiert hetzen lässt

Hintergrund

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Die Auflage der BILD-Zeitung sinkt zwar kontinuierlich, aber sie existiert immer noch. Das mag daran liegen, dass sie erfolgreich auf Social Media umgestiegen ist.

Die BILD-Zeitung ist seit Jahren oder Jahrzehnten ein Phänomen: Niemand liest sie, aber sie existiert immer noch. Die Auflage sinkt zwar kontinuierlich, aber das muss nicht zwingend am Inhalt liegen. Die Facebook-Seite der BILD-Zeitung hat aktuell ca. 2,5 Millionen Follower, und es ist anzunehmen, dass ein Großteil der offline-Leser zum online-Leser wird.

Die Gründe dahinter mögen vielfältig sein, zum einen evtl. die Bequemlichkeit, aber zum anderen durchaus auch der soziale Aspekt, dass ein Austausch zu den Themen in den Kommentarspalten möglich ist. Und wir wollen mal nicht vergessen, dass die BILD daran interessiert sein dürfte, immer mehr Clicks zu generieren (Clickbaiting).



Emotionale Themen bereiten den Boden für Hasskampagnen

Die Beobachtung der letzten anderthalb Jahre hat gezeigt, dass gerade emotionale Themen, wie z.B. Ausländerkriminalität, Seenotrettung oder Artikel über Flaschen sammelnde Rentner besonders oft von den Nutzer kommentiert werden. Verdeckt agierende Initiativen wie Reconquista Germanica haben es durch verschiedene Kampagnen (z.B. über Hashtag-Kampagnen oder gezielte Shitstorms oder aber auch mit Hilfe von Fake-Mehrfachprofilen) geschafft, die Meinungshoheit an sich zu reißen bzw. suggerierten, dass die Grenze des Sagbaren weiter verschoben wurde.

Es geht da auch nicht mehr nur um das Äußern einer wütenden Meinung, vielmehr hat eine Sprache Einzug gehalten, die nichts weiter als herabwürdigend gegenüber Menschengruppen auf Grund ihrer Herkunft, ihres Äußeren oder ihrer Religion ist. Der Unterschied ist vielen Menschen gar mehr so bewusst, wenn sie darüber diskutieren, dass der „N*ger“ ja natürlich schwarz ist, und daher von „negros“ abgeleitet wurde.

Letztlich verstärken Parteien wie die AfD mit ihren verbalen Aussetzern, die sie ständig als „Satire“ verkaufen (Poggenburg, Gauland) dieses Verschieben des Sagbaren. Immerhin haben 13% der Wahlberechtigten diese Partei gewählt, nehmen sie quasi zum Vorbild und heißen das für gut. Bei den gemäßigten AfDlern möchte ich mich entschuldigen, auf der anderen Seite: Wo seid ihr?

Die BILD hat eine Verantwortung, die sie nicht wahrnimmt

Ein derart massenwirksames Medium wie die FB-Seite der BILD es nunmal ist (wir erinnern uns: ca. 2,5 Millionen Follower, die potenziell alle alles mitlesen), sollte sich seiner Verantwortung bewusst werden. Ich sehe es sogar ein, dass ein Boulevardblatt per Definition solche Teaser, Fotos und Überschriften posten muss. Es hat sich aber auf der anderen Seite auch gezeigt, dass Medien, die moderieren, keine größeren Probleme mit dem Ausarten ihrer Kommentarspalten haben. Beispielhaft sei die vorbildliche Welt genannt. Allerdings: Dort sitzen vier ausgebildete Journalisten vor den Rechnern und bearbeiten die ca. 60.000 Kommentare am Tag, unterstützt durch eine Filtersoftware.

Es ist also einerseits offensichtlich ein Ressourcenproblem. Aber Moment? Bei der BILD? Wenn es gewollt wäre, dann würden die zaghaften Moderationsversuche, die wir bislang erlebt haben, professioneller ausgebaut werden. Wir erinnern uns: Clickbaiting als Geschäftsmodell.

Wie kann man noch Counterspeech betreiben?

Denn nun gerät eine Counterspeech-Initiative, wie z.B. #ichbinhier in ein Dilemma: Lässt man die Accounts bzw. Profile gewähren und ihre herabwürdigenden und zum Teil menschenverachtenden Kommentare rausbrüllen oder stellt sich dagegen und unterstützt damit das Clickbaiting. Schwere Frage, keine Antwort.

Die Komponenten, die derzeit zusammenkommen, lassen die Menschen überschäumen. Zum einen natürlich die Verbrechen an sich, das verstehe ich. Dann zum weiteren die überproportionale Berichterstattung. Und zu guter Letzt die sich selbst überlassenen Kommentarspalten, die nichts anderes bewirken als das gegenseitige Aufschaukeln.

Es bleibt festzuhalten: Wenn die BILD ihre Verantwortung noch nicht erkannt hat, dann ist sie blind. Das glaube ich nicht. Also bleibt für mich die Erkenntnis: Sie handelt fahrlässig!

Artikelbild: Screenshot facebook.com/bild

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