Genialer Kommentar zeigt Absurdität der Impfverweigerer auf

| Social Media | 5. November 2021

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Reifenvergleich zeigt Impf-Egoismus schonungslos auf

Dass der Impfstoff der einzige sichere Ausweg aus der Pandemie ist, sollte mittlerweile allen bekannt sein. Nicht aber für immer noch existierende Impfverweigerer. Ängste vor „Spätfolgen“ sind unbegründet und widerlegt. Wer die Impfung aus nicht-medizinischen Gründen verweigert, handelt eigentlich ziemlich irrational, denn die Impfung ist nachweislich sicher und wirksam. Die „Langzeitfolgen“ der Krankheit hinterfragt man allerdings nicht. All diese Fakten und Aussagen kauen wir mittlerweile seit fast einem Jahr durch, die wissenschaftliche Datenlage zur Impfung wird immer eindeutiger. Und dennoch gibt es nach wie vor erschreckend große Teile der Bevölkerung, die sich der Impfung verweigern – sei es aufgrund von Fehlinformationen oder schlicht aus Egoismus.

Ein schöner Facebook-Kommentar zeigt mittels eines Vergleichs schonungslos auf, wie egoistisch dieses Verhalten ist. Ursprünglich ging es um den Wintereinbruch in Österreich, der viele Autofahrer:innen mit Sommerreifen überrascht und den Verkehr teilweise lahmgelegt hat.

Dies hat eine Nutzerin zum Anlass für einen treffenden Vergleich genommen. Aber lest selbst, was sie unter den Artikel der österreichischen Zeitung „Der Standard“ schrieb:

Diese Winterreifen spalten unsere Gesellschaft. Jetzt muss man funktionierende Autos, die sechs Monate perfekt fahren, in die Werkstatt bringen?! So klingen aber Impfverweigerer.

Passt der Vergleich?

Impliziert wird hier die Winterreifen/Sommerreifen-Diskussion als Vergleich für die Diskussion um die Impfung genutzt. Ist der Vergleich auch passend?

Zu großen Teilen: Ja! Zum Beispiel das Argument „freie Entscheidung“ in einer Situation, in der die individuelle Entscheidung Einfluss auf andere Menschen haben kann und sogar tödlich für diese enden kann. Die „freie Entscheidung“, Sommerreifen im Winter zu nutzen, kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass andere, unschuldige Menschen zu Tode kommen. Ähnlich ist es beim Impfstoff: Mit der „freien Entscheidung“ gegen den Impfstoff riskiert man nicht nur, selbst Teil der weiteren Ausbreitung des Virus zu sein und damit die Freiheit alle einzuschränken, sondern im Einzelfall das Leben anderer Menschen.

Langzeitstudien-Irrsinn und Verantwortung

Auch der Vergleich in puncto „Langzeitstudien“ passt. Niemand braucht Langzeitstudien, um zu verstehen, dass Winterreifen bei winterlichen Straßenbedingungen schlicht die sicherere Alternative sind. Dasselbe gilt für Covid-Impfstoffe: Die wurden derart intensiv getestet (und mittlerweile auch milliardenfach verabreicht), dass an ihrer Sicherheit keine Zweifel bestehen. Übrigens gibt es auch keine „Langzeitfolgen“, die Monate oder Jahre später plötzlich auftauchen. Siehe dazu unseren Gastartikel einer Impfstoff-Gutachterin vom Januar.

Gutachterin für Impfstoffe klärt auf: Warum keine „Langzeitdaten“ kein Problem sind

Dass sich angeblich die Autofahrer:innen mit Winterreifen unverantwortlich verhalten und die Leute mit Sommerreifen gefährden, mag absurd klingen. Genau so argumentieren allerdings einige aus „Querdenken“- und Impfgegner:innen-Kreisen. Angeblich seien diejenigen unverantwortlich, welche sich impfen lassen und dann einige Freiheiten wieder nutzen können. Das ist natürlich eine absurde Umkehr der Verantwortung. Schuld daran, dass wir immer noch in der Pandemie feststecken, sind viel mehr diejenigen, die sich der Impfung weiterhin verweigern, obwohl sie könnten. Vielen ist diese Schuld wohl auch bewusst, deswegen versuchen sie so verzweifelt, den Spieß umzudrehen.

Impfdurchbrüche und Winterreifen

„Die meisten Unfälle passieren doch mit Fahrzeugen, die Winterreifen aufgezogen haben!“ – hier sind im Vergleich die Impfdurchbrüche gemeint, also geimpfte Personen, die dennoch erkranken. Der Vergleich passt nicht ganz, da die meisten schweren Verläufe und Todesfälle nach wie vor von Ungeimpften (= Sommerreifen) stammen. Dennoch ist der Gedanke dahinter derselbe. Impfverweigerer nehmen die Tatsache, dass Impfdurchbrüche auftreten, als „Beweis“, dass die Impfung nutzlos sei. Abgesehen davon, dass niemand jemals gesagt hat, die Impfungen seien zu 100 % wirksam, ist es ohnehin eine unsinnige Behauptung.

Warum es ein gutes Zeichen ist, wenn unter Hospitalisierten viele Geimpfte sind

Die Impfung schützt nämlich sehr gut vor schweren Verläufen und Todesfällen, wie alle zur Verfügung stehenden Daten zeigen. Die Gefahr, schwer an Covid zu erkranken oder gar zu sterben, ist für alle Altersgruppen deutlich größer als die verschwindend geringe Gefahr, dass die Impfung zu Komplikationen führt. Bei der Risikoabwägung ist eine Impfung schlicht die rationale Entscheidung.

Hier passt die Autoreifen-Analogie wieder sehr schön: Winterreifen im Winter schützen nicht zu 100 % vor Unfällen. Man sollte weiterhin vorsichtig fahren und riskante Manöver lieber unterlassen. Dennoch ist man im Ernstfall mit Winterreifen sicherer unterwegs als mit Sommerreifen. Genauso, wie man mit der Impfung sicherer unterwegs ist als ohne – und dennoch weiterhin vorsichtig bleiben sollte.

Ein guter Vergleich

Der Vergleich der Impfverweigerer-Debatte mit Sommerreifen vs. Winterreifen ist also sehr treffend. Genauso wie Winterreifen sorgt die Impfung für keine absolute Sicherheit. Doch sie kann mit geringem Aufwand eine große Schutzwirkung erzielen und ist damit rational die bessere Wahl. Außerdem schützt man andere gleich mit – sowohl durch eigene Immunität, als auch durch Reifen mit besserem Profil. So können wir sowohl Wintereinbrüche als auch die Pandemie gut überstehen.

Zum Thema:

Impfpflicht: Der heimliche Pakt der Regierung mit Querdenkern scheitert

Artikelbild: Screenshots

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