Fail: AfD-Abgeordneter macht sich mit dieser Berlinale-Zusage lächerlich

Social Media

image_print

Am Holocaust sind die Sozialisten schuld, oder? Warte, was?

Link

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick hat die AfD zur Berlinale ins Kino eingeladen. Und zwar auf seine Kosten. Aber nur zu einem Film, nämlich „Das Geheimarchiv im Ghetto“. Ein Film über das Warschauer Ghetto und dessen Geheimarchiv, welcher schon zum Holocaust-Gedenktag am 27.01.2019 gezeigt wurde.

„Alle AfD-Mitglieder, alle Abgeordneten im Bundestag der AfD, werden kostenlos ins Kino dürfen. Von mir persönlich eingeladen. Ich bezahle jedes Ticket.“

Kosslick will damit der AfD nahe bringen, dass die 12 Jahre Naziherrschaft kein „Vogelschiss“ (Gauland) in der deutschen Geschichte sind. Während hingegen die Bundestagsfraktion der AfD empört reagiert: „Das ist eine Frechheit.“ Man brauche keinen „Nachhilfeunterricht“ (Quelle).



Kein Nachhilfeunterricht nötig?

Der Bundestagsabgeordnete Stefan Protschka beweist allerdings, wie wichtig dieser Nachhilfeunterricht wäre. Auf seiner Facebook-Seite nennt er die Gräueltaten Hitlers Folgen des „Sozialismus“.

„Der (inter-)nationale Sozialismus hat im 20. Jahrhundert millionenfaches Leid über die Welt gebracht. Eines der widerwärtigen Auswüchse war das Warschauer Ghetto. Daher danke ich dem #Berlinale Chef für die Einladung. #Sozialismus tötet. Umso erschreckender ist es, dass diese Ideologie breiten Fuß in großen Teilen der Gesellschaft gefasst hat, sei es bei der #SED Nachfolgepartei, im #grünen Gewand oder als Vertreter der #Arbeiterklasse (SPD) getarnt. Daher nehme ich die Einladung dankbar an, um ein Zeichen gegen Sozialismus jeglicher Art und für mehr Mitmenschlichkeit gegenüber Andersdenkenden zu setzen.“

Bitte was? Wer Faschismus, Sozialismus, Kommunismus, Stalinismus und Maoismus nicht auseinander halten kann, der braucht ganz dringend Nachhilfe in Politik und Geschichte. Es lohnt sich übrigens auch ein Blick in die höchst unterhaltsame Kommentarspalte unter seinem Post.

Herr Protschka hält also die NSDAP für eine sozialistische Partei. Steht ja auch so im Namen, „nationalSOZIALISTISCH“, also ist das Sozialismus! Klar doch! Die DDR hatte auch „demokratisch“ im Namen stehen. War die DDR demokratisch, Herr Protschka? Und die „Volksrepublik China“ ist eine Republik des Volkes. Die NSDAP war mit Sicherheit keine „sozialistische“ Partei, sondern eine nationalsozialistische Partei.

Lächerlicher Framing-Versuch

Definition laut Wikipedia: „Der Nationalsozialismus ist eine radikal bzw. extrem antisemitische, rassistische, nationalistische (chauvinistische), völkische, sozialdarwinistische, antikommunistische, antiliberale und antidemokratische Ideologie.“ Antikommunistisch?

Da der Sozialismus nach Marx die Vorstufe des Kommunismus ist, sollte sich Protschka wirklich nach einer guten Geschichtsnachhilfe ins Kino bewegen. Und wer dann noch Sozialismus bei SPD und Grüne vermutet und die LINKE heute noch ideologisch mit der SED in Verbindung bringt, der sollte sich wirklich endlich mit den Grundsätzen der gegenwärtigen Politik auseinandersetzen.

Fazit:

Die AfD hat Geschichts- und Politiknachhilfe dringend notwendig. Und deswegen sollte sich die Bundestagsfraktion nach diesen Aussagen doch noch ganz schnell für die Kinokarten melden, sie haben es alle bitter nötig. Danke Herr Kosslik für dieses Angebot! Sie haben den Mangel offensichtlich gut erkannt und Hilfe angeboten, doch leider sieht der Patient wohl nicht die Notwenigkeit ein. Wie war das mit Tod und Dummheit? Sowohl beim Tode als auch bei der Dummheit leidet nicht der, den es betrifft, sondern nur die um ihn herum.

Artikelbild: Screenshot facebook.com, ShotPrime Studio, shutterstock.com, changes were made

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter

Kommentare sind geschlossen, abertrackbacks und Pingbacks sind offen.