WTF! Rassistischer Shitstorm gegen Autorin, die auf rassistisches Gebäck Aufmerksam machte

| Social Media | 16. Februar 2020

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Wer will jetzt noch behaupten, das sei “harmlose Tradition”?

Die Autorin Jasmina Kuhnke aka “Quattromilf” war entsetzt, als ihr ein Freund ein Foto einer Auslage einer Konditorei aus Köln zusendete – Rassistisches Gebäck, das Klischees aus Kolonialzeiten über Afrikaner darstellte – Schwarze Gesichter mit dicken Lippen, weiße mit Fez, die Nordafrikaner darstellen sollen – sogar Gesichter mit “Knochen” im Haar! Keine Darstellungen aus dem 19. Jahrhundert, sondern ein “traditionelles Gebäck” zum Karneval in Köln 2020!

Daraufhin waren viele Nutzer*innen entsetzt, wie solche rassistischen Klischees noch bedient werden. „Das sollte umgehend aus dem Sortiment genommen werden. Ich setze da keinen Fuß mehr rein“, fordert Jasmina Kuhnke. Die Autorin setzt sich regelmäßig gegen Hass und Rassismus ein – und ist deswegen schon lange beliebtes Ziel von Rassist*innen und Rechtsextremen, wie wir berichteten:

Rassisten drohen Autorin Jasmina Kuhnke mit Veröffentlichung ihrer Adresse

Konditorei sagt, rassistisches Gebäck sei “Tradition”

Auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ erklärt der Konditorei-Besitzer, dass diese rassistischen Darstellungen nunmal seit den 60er Jahren Tradition seien. „Wir garnieren es zu Karneval so aus, wie in der Vergangenheit viele Karnevalskostüme gestaltet waren.“ Er erklärte, dass keine „rassistischen Gedanken dahinter“ steckten und bisher habe er keine Kritik gehört (Quelle). Auch unter dem Artikel des KSTA auf Facebook waren die Kommentare voller Relativierungen von Menschen, die noch nie Rassismuserfahrungen gemacht haben.

Doch die Rassismus-Leugner*innen sollten es sich gut überlegen, in welcher Gesellschaft sie sich mit ihrer Haltung bewegen. Für so “harmlos” wie diese ignoranten Kommentator*innen die rassistischen Darstellungen halten, sind sie nämlich nicht. Denn dass Menschen nicht-weißer Hautfarbe sofort mit diesen rassistischen Klischees in Verbindung gebracht und diskriminiert werden, ist schrecklicher Alltag. Erst am Samstag wurde der Würzburger Fußballspieler Kwadwo von Zuschauern mit Affenlauten rassistisch beleidigt (Quelle).

Doch das ist nicht alles: Während auf der einen Seite ignorant der Rassismus mit “Tradition” verteidigt und die tägliche Diskriminierung nicht-weißer Menschen geleugnet wird, haben rassistische und rechtsextreme Accounts eine Hetz-Offensive gegen Jasmina Kuhnke gestartet. Mit dem “Rückenwind” der Rassismus-Relativierer*innen wird die Autorin einem rassistischen Shitstorm ausgesetzt, wie sie ihn noch nicht erlebt hat. Die gebürtige Deutsche soll “aus dem Land raus”, “Sterben” oder “Zum Abschuss freigegeben” [sic] werden:

Wir haben eine willkürliche Auswahl der hunderten, abwertenden und rassistischen Kommentare gesammelt (die noch nicht von Twitter gelöscht waren oder gesperrt wurden):

Ist das eure “Tradition”?

Ist eure “Tradition”, um jeden Preis afrikanische Körper zu entmenschlichen, sie zu rassistischen Klischees zu degradieren wirklich wichtiger, als dass Menschen wegen ihres Aussehens beleidigt, diskriminiert und ausgegrenzt werden? Hier beschweren sich ignorante Menschen, dass “man sich nicht so anstellen” soll, während hunderte ihren Hass über sie ergießen? Zusätzlich zu der rassistischen Darstellung der Figuren, die schwarze Menschen zu Kostümen und Klischees machen und zu etwas “Fremden”, sind eure Rechtfertigungen die Rückendeckung für offenen, rassistischen Hass.

Die Rechtsextremist*innen, die jetzt massiv Quattromilf bedrohen und beleidigen pochen auch darauf, dass es ihre “Tradition” sei. Ihre Tradition ist nämlich Rassismus. So ein Gebäck mag euch harmlos erscheinen, weil ihr nicht täglich Vorurteilen und Hass ausgesetzt seid, aber wenn ihr rumopfert und auf eure Tradition pocht, zeigt das allen: Schwarze Menschen gehören nicht zu Deutschland. Sie sind etwas fremdes, exotisches. Sie sind ein Klischee, sie sind nicht normal.

Ein besonders bezeichnender Kommentar war dieser:

“Mir ist doch wurscht wie die Dinger heißen oder aussehen, Hauptsache sie schmecken” – Aber warum müssen sie dann rassistische Klischees sein? Wenn es dir doch egal ist – Warum protestierst du dann nicht dagegen, dass Menschen dadurch verletzt werden? Und ja, sie werden es. Jasmina Kuhnke erlebt jetzt einen rassistischen Shitstorm deswegen. Weil ihr euch nicht hinter sie stellt. Ihr stellt euch zu den Rassist*innen, zu den Hetzern mit solchen Kommentaren. Meine Tradition ist mehr als nur rassistische Abziehbilder in Form von Gebäck. Wenn es alles ist, was ihr habt, dann ist es keine Tradition, auf die ich stolz wäre.

Zum Thema:

Interview mit Jasmina Kuhnke: Die Quattromilf, vor der Nazis Angst haben



Artikelbild: pixabay.com, CC0 / Screenshots Jasmina Kuhnke

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