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5 Gründe, warum du AfD wählen solltest

von , | Okt 4, 2023 | Aktuelles

Du willst mal was anderes wählen? Du bist männlich, weiß, bist Arbeiter, Arbeitslos oder selbständig? Und du findest, du bist sozial benachteiligt und in Deutschland geht es ungerecht zu? Du willst eine Alternative zu Union, SPD, Grünen und FDP und deshalb hast du gedacht, du willst AfD wählen? Hier 5 Gründe, warum du der Alternative für Deutschland deine Stimme geben solltest und wie das echte Abstimmungsverhalten der Partei ist.

1. Du willst keinen höheren Mindestlohn

Noch bis 2016 war die AfD strikt gegen den Mindestlohn. Petry nannte ihn „neosozialistisch“ und einen „Job-Killer“. Doch sobald er eingeführt wurde, nahm die Anzahl der Beschäftigungen im Gastgewerbe im Jahr 2015 um mehr als 6,5 % zu. Auch in anderen Niedriglohnjobs, wie Leiharbeit, Gebäudereinigung, Sozialwesen und Lagerei nahmen die Beschäftigungen überdurchschnittlich zu. Insgesamt hatte der Mindestlohn keine negativen Effekte für den Arbeitsmarkt.

Die Chancen, dass du, als möglicher AfD-Wähler, selbst Mindestlohn verdienst, sind sehr hoch. Denn ein großer Teil der AfD-Wählerschaft ist im Niedriglohnbereich vertreten. So arbeitet in Sonneberg, wo die AfD den Stadtrat stellt, der größte Teil der Arbeitnehmenden für Mindestlohn. Die AfD ist inzwischen nicht mehr gegen den Mindestlohn, stimmte aber gleichzeitig gegen eine Erhöhung: Im Oktober 2022 stimmte sie der Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns von 10,45 € auf 12 € nicht zu. Auch die von Gewerkschaften empfohlene Erhöhung auf 14 € hält die AfD für „realitätsblind“.

2. Du willst keinen besseren Arbeitsschutz

Du bist ein „atypisch Beschäftigter„, arbeitest also in Teilzeit oder befristeter Beschäftigung, wie auch Leih- oder Zeitarbeit? Bist du wie jeder dritte AfD-Wähler selbstständig? Und du willst keinen besseren Schutz für dich bei Arbeitslosigkeit, Krankheit oder bei Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten, Behinderung und Alter? Die AfD stimmte geschlossen gegen eine Initiative, die das wollte.

2019 wurde im Bundestag über eine EU-Initiative abgestimmt, welche für diese Gruppen einen besseren Zugang zu sozialer Absicherung vorsieht. Die Initiative sah vor, die Sozialversicherungssysteme und -rechte transparenter zu machen. Z.B. beim Sozialversicherungsschutz bei Arbeitslosigkeit, Krankheit sowie in den Bereichen der Gesundheitsfürsorge oder Elternschaft. Auch bei Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten, Behinderung und Alter. Bis auf die FDP und AfD stimmten dem alle Parteien zu. Die AfD stimmte mit 0 Ja- und 71 Nein-Stimmen geschlossen dagegen.

Ein Gesetz, welches schlechte Arbeitsbedingungen, v. a. in der Fleischindustrie verbessern sollte, lehnte die AfD ebenfalls geschlossen ab. Das Gesetz wollte verhindern, dass nicht mehr 16 Stunden täglich und bis zu 7 Tage die Woche undokumentiert gearbeitet wird. Die AfD stimmte geschlossen dagegen.

3. Du willst härtere Sanktionen, wenn du nach Arbeit suchst

Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass du gerade nach Arbeit suchst, oder aufstockst – Arbeitslose sind in der AfD-Wählerschaft überdurchschnittlich vertreten. Der wissenschaftliche Konsens zeigt, dass Sanktionen eher dazu führen, dass Menschen langfristig in schlechter bezahlten Jobs als zuvor landen. Hartz-IV-Kürzungen verfehlen ihr Ziel laut einer Langzeitstudie allgemein und demotivieren Menschen, sich Arbeit zu suchen. Eine andere Studie zeigt auch: Wer keinen oder einen geringen Schulabschluss hat, wird öfter sanktioniert. Und: Du bist wahrscheinlich ein Mann. Sanktionen treffen doppelt so oft Männer. Die AfD kritisierte die Abmilderung von Sanktionen bei der Bürgergeld-Reform und stimmte dagegen. Was wollte sie stattdessen? Das:

4. Du willst zu Zwangsarbeit verpflichtet werden ohne Lohn

Statt der Bürgergeld-Reform schlug die AfD vor, Arbeitssuchende zu Zwangsarbeit zu verpflichten – ohne Lohn. Wenn du dich weigerst, sollst du keine Geldleistungen mehr bekommen. Der Antrag sieht z. B. vor, dass Personen, die über 6 Monate lang Grundsicherung beziehen, zur „Bürgerarbeit“ gezwungen werden können. Zum Beispiel in der Seniorenhilfe oder der Hilfe für Menschen mit Behinderungen, im Zivil- und Katastrophenschutz, Heimatpflege oder im Tierschutz. Pflegekräfte sind übrigens zu einem großen Teil Ausländer oder mit Migrationshintergrund, welche die AfD auch loswerden will. Sie will offenbar stattdessen, dass das arbeitssuchende Deutsche machen. Zum Beispiel du. Und das alles natürlich nicht entlohnt; lediglich die Fahrtkosten werden erstattet. Überdurchschnittlich viele Arbeitslose wählen die AfD und wollen zur in Deutschland verbotenen Zwangsarbeit verpflichtet werden. Das gibt es nicht bei den Altparteien – ein Grund zum AfD Wählen!

5. Du willst dir nicht deine Miete leisten können

Die AfD stimmt gegen bezahlbaren Wohnraum. Die GroKo stellte 2021 ein Gesetz für mehr bezahlbaren Wohnraum vor. Dieses wollte vereinfachte und beschleunigte Bauverfahren – die AfD stimmte dagegen. Die AfD lehnt den sozialen Wohnungsbau auch insgesamt ab. Ebenfalls den Gegenantrag der grünen Opposition lehnte die AfD gemeinsam mit der Regierung geschlossen ab. Dieser forderte mehr Bürgerbeteiligung bei Bauvorhaben. Auch wenn die AfD das Gegenteil dessen sagt, was sie tut: sie stimmt gegen Maßnahmen, die den Anstieg der Mieten bremsen könnten. Du, der wahrscheinlich wirtschaftlich benachteiligt bist, wirst ja ohnehin schon auch auf dem Wohnungsmarkt benachteiligt. Du solltest also für eine Partei abstimmen, die das so lassen will. Ein Grund zum AfD Wählen!

Aber jetzt mal Klartext: Die AfD kämpft für die Eliten

Sarkasmus und Spaß bei Seite: Die hier herausgesuchten Punkte sind alles tatsächliche Forderungen der AfD und wie sie in Wirklichkeit im Bundestag abgestimmt hat. Also das, was sie wirklich macht, nicht das, was sie behauptet. Du kannst alles selbst nachprüfen, wenn du mir nicht glaubst. Du hast doch Mut zur Wahrheit und machst das, oder? Die Links sind überall dabei.

Die AfD macht vor allem eine Politik für Besserverdienende. Das bestätigt auch eine kürzlich veröffentlichte Studie des DIW Berlin: Steuersenkungen für Spitzenverdiener, aber weiter niedrige Löhne für Geringverdiener und Kürzungen der Sozialleistungen. Das würde besonders viele AfD-Wähler selbst treffen. Das wird wahrscheinlich dich treffen. Die AfD spielt Arme gegeneinander aus, um den Reichen zu helfen. Du meinst wahrscheinlich, dass es in Deutschland ungerecht sei und hast Abstiegsängste. Das ist auch völlig nachvollziehbar. Und du musst auch keine der anderen „großen“ Parteien wählen, wenn du sie nicht magst.

Aber wenn du die AfD wählst, bekommst du all das, was die anderen Parteien schlecht gemacht haben, nur in noch schlimmer. Dies liegt daran, dass die AfD eine noch stärkere marktorienterte Finanz- und Sozialpolitik als die FDP verfolgt. Und die macht bekanntlich Politik für Besserverdienende. Selbständige, Sozialleistungsempfangende, Geringverdienende, Studierende und Arbeiter sollten sich also wirklich fragen, ob sie nicht woanders besser aufgehoben sind. Denn der AfD geht es nur darum, Wählerstimmen abzugreifen und sich nebenbei die Taschen vollzumachen.

„Ausgeprägter als bei den Altparteien“

Das sagt auch ein Aussteiger aus der AfD, Christopher Emden. Du musst nicht mir glauben, glaube ihm. Er war lange Zeit ein wichtiger Mann im Landesverband der AfD Niedersachsen, zeitweise sogar der Vize-Landeschef. Letztes Jahr trat er aus der Partei aus, hier sein Schreiben im Volltext.

„Die Partei entwickelt sich zu einer Versorgungsanstalt für in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befindliche Opportunisten und für Personen, die für normale Beschäftigungsverhältnisse außerhalb der Partei untauglich sind. Dies ist inzwischen ausgeprägter als bei den Altparteien, obwohl man eigentlich ein Gegenentwurf dazu sein wollte. Die Partei entwickelt sich zu einem Sammelbecken für Versager, Gangster und Minderbemittelte.“

Ich kann und werde dir nicht sagen, was du zu wählen hast. Ich bitte dich nur darum, es dir gut zu überlegen und dich vorher genau zu informieren, was du wählst. Denn am Ende wollen wir doch alle das Gleiche: Dass es unserem Land und vor allem allen Menschen, die darin leben, besser geht, oder nicht?

Diese ganzen Analysen viel ausführlicher, mit mehr Quellen und Erklärungen und auch weiteren Beispielen findest du in diesem Artikel.

Artikelbild: Volksverpetzer