Interne Daten der „Querdenker:innen“-Partei „dieBasis“ durch „Anonymous“ geleakt – unsichere Server

| Bericht | 20. April 2021

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„Anonymous Germany“ hat mal wieder gegen die organisierte Verschwörungsszene zugeschlagen:

Peinliches Datenleck! Das Hacker-Kollektiv „Anonymous“ ist an die Daten von über 10.000 Mitgliedern der Partei „dieBasis“ herangekommen. Bei dieser neuen Kleinstpartei handelt es sich um die Nachfolge-Organisation der gescheiterten „Querdenker:innen“-Partei „Widerstand2020“, in der sich letztes Jahr Verschwörungsideolog:innen rund um den Szene-Anwalt Fuellmich versucht haben, politisch zu organisieren. Nun versuchen sie, eine neue Partei auf die Beine zu stellen. Hier unsere aktuelle Recherche mit allen Hintergrundinformationen zu „dieBasis“:

Analyse von „dieBasis“: Wer und was steckt hinter der „Querdenker“-nahen Partei?

Was hat das deutsche „Anonymous“-Kollektiv nun getan?

Auf ihrem Blog schrieben die Aktivist:innen zu ihrer Vorgehensweise (Quelle):

„Hach ja, dieBasis: Schwurbel, Schwurbel. Von Infiltration ist die Rede, vom Eindringen in Systeme. Von widerrechtlich, von geklauten Passwörtern, von strafbar und blabla.

Nein, Quark, die Partei hat die Daten quasi öffentlich zur Verfügung gestellt. Das ist Fakt. Wir haben weder gehackt, noch infiltiert. Wir haben keine Passworte gebruteforced oder geklaut, wir sind nicht in irgendwelche Systeme eingedrungen. Mussten wir nicht.

Wir haben im Browser den Server angeschaut, Ordnernamen im Prinzip geraten und gängige Verzeichnisnamen aufgerufen.“

Die Aluhut-Partei musste also nicht groß gehackt werden, sondern die Daten der Mitglieder wurden einfach nur stümperhaft online gespeichert, ohne das für derart sensible Daten nötige Mindestmaß an Verschlüsselung und Sicherheit.

Anonymous: „selten wird es uns so leicht gemacht“

In der ersten Recherche zu den Daten der Partei „dieBasis“ heißt es (Quelle):

„Wenn wir suchen, finden wir nicht immer. Aber selten wird es uns so leicht gemacht, wie in diesem Fall. Ohne Hack, ohne Qual, ohne viel Gedöns gelangten wir an Mitgliederdaten, Rechnungen für Mitgliedsbeiträge, Mitgliedsanträge und einiges mehr.

Persönliche Daten von Menschen bedürfen gemäß der DSGVO und dem gesunden Menschenverstand einer besonders sorgfälltigen [sic] Behandlung. Wir würden jedem Mitglied der Partei dieBasis empfehlen, am Montag Kontakt mit der Führung der Bundespartei aufzunehmen und Aufklärung zu verlangen. Wir schicken Euch dazu noch eine Mail.“

„Anonymous“ ist offenbar an die Daten aller Mitglieder von „dieBasis“ gelangt. Die Daten sind echt, unsere Redaktion hat Zugang zu den Daten bekommen und konnte sie sichten. „Anonymous“ kündigte derweil weitere Veröffentlichungen und Auswertungen an. Es ist aber nicht damit zu rechnen, dass „Anonymous“ die Daten einfacher Mitglieder veröffentlichen wird.

Die Datensätze geben unter anderem Aufschluss über Name, E-Mail-Adresse, Anschrift, Kontodaten, Telefonnummer und Funktion der mehr als 10.000 Mitglieder. Auch Beitritts- und Geburtsdatum und Höhe des Mitgliedsbeitrags gehen daraus hervor. Des Weiteren finden sich auch Informationen zu vorherigen oder zusätzlichen Mitgliedschaften in anderen Parteien.

Details aus dem Leak

So ist ersichtlich: Wenn Mitglieder eine vorherige Parteizugehörigkeit angegeben haben, handelt es sich dabei oftmals um „Widerstand2020“ (wir zählten 336 Personen); die Partei, die sich vor knapp einem Jahr komplett selbst demontiert hat (Quelle). Außerdem sind darunter etwa 20 ehemalige AfD-Mitglieder, 30 von „Die Partei“ und ca. 20 von „Die Linke“. Beim Parteieintritt wird abgefragt, wo man sich ehemals politisch engagiert hat.

Wir haben auch anhand der angegebenen Postleitzahlen ausgewertet, aus welchen Regionen die meisten Mitglieder kommen: So zählen (aufgrund der Größe der Städte wenig überraschend) Hamburg, Berlin, München, Köln und Hannover zu den mitgliedsstärksten Hochburgen der Partei. Von den etwa 16.000 in den Datensätzen enthaltenen Personen wird im Schnitt 12 Euro pro Monat an Mitgliedsbeiträgen bezahlt. Das macht unseren Berechnungen zufolge ungefähr 2,3 Millionen € Einkünfte an Mitgliedsbeiträgen pro Jahr. Ein einträgliches Geschäft für die „Querdenker:innen“! Auffällig ist auch, dass bei der Frage wie man von der Partei erfahren habe sehr oft der Name Reiner Fuellmich oder sein sogenannter Corona-Ausschuss fällt.

Vieles bei der Partei „dieBasis“ dreht sich um Reiner Fuellmich, er ist der Star der Partei – der nur 3€ Mindestbeitrag zahlt

Fuellmich ist ein notorischer Fake-News-Streuer, der mit vermeintlichen Sammelklagen gegen Dr. Drosten Tausende Euros von seinen Anhänger:innen einsackte und bis heute keine Ergebnisse liefern kann. Unseren Recherchen zufolge gibt es 8 Monate nach seiner Ankündigung, eine Sammelklage gegen Dr. Drosten einzureichen, diese immer noch nicht. Andere Klage-Versuche sind bisher gescheitert.

Fuellmich gesteht versehentlich: Es gibt noch gar keine Sammelklage gegen Drosten

Nach Klage-Niederlagen: Pandemie-Leugner fangen an, an Fuellmich zu zweifeln

Witziges Detail in den Daten: Dr. Reiner Fuellmich zahlt lediglich 3 Euro Mitgliedsbeitrag, den niedrigstmöglichen Beitrag pro Monat an „dieBasis“:

„Querdenken“-Anwalt Markus Haintz stellt Strafanzeige… gegen sich selbst?

Der (noch-)Anwalt für Baurecht Haintz findet das alles gar nicht lustig und behauptet, er habe Strafanzeige gestellt:

Anwalt Jun kommentiert die Aktion von Haintz. Es scheint, als würde er keine große Chance haben: Denn da die Daten einfach ungeschützt abrufbar waren, liegt zumindest der Strafbestand des „Ausspähens von Daten“ nicht vor.

Haintz angeblich im Besitz einer 1,1 Mio teuren Villa

Wahrscheinlich stört es Haintz sehr, dass „Anonymous“ öffentlich machte, dass er gar nicht so sehr auf Spenden angewiesen ist, wie es einige Aufrufe vermuten lassen:

Die Adresse von Herr Haintz veröffentlichen wir an dieser Stelle natürlich nicht, aber dafür ein Foto des vermeintlichen Hauses:

Quelle anonleaks.net

Dazu schrieben die Aktivist:innen:

„Markus Haintz – unser erster Tweet heute – hat seine Privatadresse angegeben, da steht ein tolles Haus. 1.100.000 Euro soll es gekostet haben. Oder reicht es nur für die Einliegerwohnung? Wow! Kommen wir sicher nochmal drauf zurück.“

Man kann gespannt sein, wie die Geschichte mit Haintz weitergeht. Es ist ja nicht das erste Mal, dass „Anonymous“ ihn hereingelegt hat:

„Leak“ war inszeniert: Querdenker von Anonymous blamiert mit „Schwarzer Liste“

Fazit: „dieBasis“ direkt blamiert

Abschließend schreibt das Hacker-Kollektiv in ihrer (ersten) Veröffentlichung:

„Persönliche Daten einer fünfstelligen Anzahl von Mitgliedern. Schauen wir uns natürlich an. Wenn man so wie wir damit anfängt, einigen der Personen nachzuspüren… Wir finden Ärzte, Anwälte, Professoren, Naturheilpraxen, Lebensberater, MLMer, Rechte, Mitglieder der Linkspartei, ehemalige AfDler und vieles mehr. Wir werden in den kommenden Tagen einfach mal welche vorstellen.“

Von den Aktivist:innen sind also noch weitere Enthüllungen zu erwarten. Für „dieBasis“ ist das Ganze eine öffentliche Blamage, die allen Interessierten und Aktiven in der Partei zeigt, wie ungeschickt man mit sensiblen Daten der Mitglieder umgeht. Sehr gut möglich, dass diese Geschichte aufgrund der Verletzung von Datenschutzgesetzen auch rechtliche Konsequenzen hat – für die „Querdenker:innen“-Partei.

Mehr zu den Aktionen der „Anonymous“-Aktivist:innen:

Attila abgetaucht? Anonymous überlistet Hildmann & findet seinen Aufenthaltsort

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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